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Die Nordsee-Auster als Ingenieur der Meere

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Tag der Meere - Die Nordsee-Auster als Ingenieur der Meere

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Ein Umweltschutz-Projekt auf Helgoland will die Europäische Auster wieder in der Nordsee ansiedeln. So soll ein bedeutender Schutzraum für Organismen und Fische geschaffen werden.

Archiv: Europäische Auster
Die Europäische Auster (ostrea edulis) gilt in Deutschland als funktionell ausgestorben.
Quelle: ddp images

Als die Europäische Auster vor 100 Jahren aus deutschen Meeresgebieten verschwand, geschah das sang- und klanglos. Damals gab es noch keine große Medienberichterstattung – noch dazu verbarg das kalte, trübe Gewässer der Nordsee den Blick auf diesen wichtigen ökologischen Schutzraum.

"Austern sind quasi die Ingenieure der Meere, denn sie produzieren dreidimensionale, biogene Riffstrukturen und schaffen damit eine Vielzahl kleiner Nischen, in denen zahlreiche Organismen einen Lebensraum finden", sagt Dr. Bernadette Pogoda, Meeresbiologin am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Sie und ihr Team wollen deshalb die Austern wieder in der Nordsee ansiedeln.

Schlechter Zustand der Meere zerstört Austernriffe

Jahrzehntelange Überfischung hatte dazu geführt, dass in deutschen Gewässern Austern als ausgestorben gelten. Lange wurde zudem versucht, artfremde Austern anzusiedeln. Dadurch wurden zusätzlich auch noch Krankheiten und Parasiten eingeschleppt. Die Austernriffe verschwanden aus der Nordsee.

Heute sind sich Meeresbiologen und -biologinnen sowie Naturschützer und Naturschützerinnen einig, dass damit eine Schlüsselart aus dem Gewässer verschwand. Denn die Austernriffe boten einer Vielzahl weiterer Lebewesen Nahrung, Schutz und Lebensraum.

Die Weltmeere haben sich in der Corona-Krise etwas erholt, doch dieser Effekt dürfte kaum von Dauer sein. Der Welttag der Ozeane soll auf die Bedrohung der Meere aufmerksam machen.

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Aktiver Naturschutz in der Nordsee

In einer Aufzuchtsanlage auf Helgoland werden derzeit junge Austern gezüchtet, die für die Wiederansiedlung geeignet sind. "Die Zucht erfolgt in mehreren Schritten vom Austernei zur Larve und schließlich zur Jungauster", erzählt Projektleiterin Pogoda. Es ist das erste Mal, dass man hierzulande aktiven Naturschutz direkt im Meer macht.

Archiv: Ostfriesische Insel Borkum
Das Meeresschutzgebiet Borkum Riffgrund in der Nordsee wird im Sommer errichtet.
Quelle: dpa

Im Juli nun wird im Meeresschutzgebiet Borkum Riffgrund in der Nordsee ein 500 qm großes Pilotriff errichtet. Das Team um Bernadette Pogoda platziert in 30 Meers Wassertiefe auf dem Meeresgrund eine Gesteinsunterlage, auf der die wiederangesiedelten Austern leben und sich fortpflanzen können.

Wir hoffen darauf, dass es im weiteren Verlauf zu einer natürlichen Ansiedlung kommt ...

... so die Meeresbiologin Pogoda. Und dann heißt es: Warten, dass die Austern Larven produzieren, die sich hoffentlich auf dem Riff ansiedeln. Acht bis zehn Jahre kann es dauern, bis man sagen kann, ob das Projekt erfolgreich war und die Auster in deutsche Gewässer zurückgekehrt ist.

Austernriffe sind die "Korallenriffe der kälteren Gewässer"

Austernriffe sind ökologisch ähnlich bedeutsam wie Korallenriffe in den Tropen, nur deutlich weniger bekannt. "Es fehlen uns wohl die spektakulären Unterwasseraufnahmen von Korallenriffen in klarem Wasser", sagt Pogoda.

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