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Netflix-Serie "Unorthodox" - Auf der Flucht vor ultraorthodoxer Gemeinde

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Eine Netflix-Serie erzählt von der Flucht einer jungen Frau aus ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft von New York nach Berlin. Eine wahre Begebenheit.

Esty (Shira Haas) in einer szene aus "Unorthodox", eine Serie auf Netflix.
Shira Haas spielt Etsy in der Netflix-Serie "Unorthodox".
Quelle: dpa

Es war der Rat ihrer Anwältin, der Deborah Feldman dazu bewegte, ihre Geschichte aufzuschreiben. "Als ich 2009 aus meiner Satmar-Gemeinde ausgestiegen bin, war meine größte Sorge, meinen kleinen Sohn zu verlieren, denn über die Kinder wird oft Druck auf die Menschen ausgeübt, die die Community verlassen wollen. Die Juristin hat mir gesagt, nur wenn Du an die Öffentlichkeit gehst, hast Du eine Chance."

Heute lebt die 34-jährige Autorin mit ihrem Sohn in Berlin. Ihr Roman "Unorthodox", der 2012 erschien, wurde zum Bestseller, die gleichnamige Serie ist derzeit eine der meistgesehenen auf Netflix. Ein Nischenthema, das ungeahnte Popularität bekommen hat, aber auch viel Kritik.

Kindheit geprägt von Unterwerfung und Isolation

Die Geschichte der jungen Jüdin Esty spielt in der chassidischen Satmar-Sekte in Williamsburg, New York. Eine Kindheit geprägt von Unterwerfung und Isolation, Rabbiner bestimmen über das Schicksal jedes einzelnen Mitglieds der Gemeinde, die sich nach Außen abschottet. Anders als das Buch, das sehr eindrücklich das Heranwachsen einer jungen Frau beschreibt, die schon früh Fragen stellt, rückt der Film die Flucht der erwachsenen Esty in den Vordergrund.

Für eine Fremde ist es so gut wie unmöglich, einen Einblick in eine ultraorthodoxe Familie zu bekommen. ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf ist es in Jerusalem gelungen.

Beitragslänge:
19 min
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Tatsächlich bröckeln die Mauern der ultraorthodoxen Gemeinden in den USA, in Europa und auch in Israel. Mehr als zehn Prozent der Kinder, die in Sekten wie der Satmar-Gemeinde aufwachsen, steigen nach aktuellen Schätzungen aus. Ihre Geschichten ähneln der von Esty, manche verlaufen nicht so gut.

"Nicht vorbereitet auf die Welt draußen"

Die Zahl der Selbstmorde steigt. Alleine in den ersten drei Monaten des Jahres sollen sich in Israel neun Jugendliche umgebracht haben - darunter auch die zwei Cousinen Sarah Klapman und die 19-jährige Hana Solish, die sich gemeinsam vom Dach eines Hochhauses stürzten. Wie Esty stammte Sarah aus einer New Yorker Satmar-Sekte. Es ist ein sehr schwieriger Weg rauszukommen, erzählt Deborah Feldman:

Die meisten sind nicht vorbereitet auf die Welt draußen, sie kennen nur das Leben in ihrer Gemeinde. Und draußen wartet ja auch niemand auf sie.
Deborah Feldman

Dass der Weg von Esty nach Berlin führt, ausgerechnet in das Land, das verantwortlich ist für den Holocaust, wurde vielfach kritisiert. In einer bewegenden Szene wirft Esty ihre Perücke, die sie als verheiratete orthodoxe Jüdin tragen musste, in den Wannsee und taucht befreit ins Wasser.

Neue Heimat in Berlin gefunden

Deborah Feldman hat in Berlin tatsächlich ihre neue Heimat gefunden. "Hier kannte mich niemand, hier erkannte auch niemand, woher ich kam. Ich konnte neu anfangen." Die Hauptfigur im Film trifft in Deutschland auf ihre Mutter und erfährt, dass diese ihren Ausstieg mit einem schmerzhaften Verlust ihres Kindes bezahlen musste. Deborah Feldman dagegen hat alle Kontakte zu ihrer Familie beendet.

Als Kritik an der jüdischen Religion, gar als antisemitisch haben einige Kritiker den Film bezeichnet. Doch das wird der Erzählung nicht gerecht. "Unorthodox" ist die Geschichte einer Befreiung aus einer Sekte, in der eine religiöse männliche Elite Kontrolle ausübt. Er ist - für mich persönlich - ein Plädoyer für die Freiheit.

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