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Bewährungsstrafe für ehemaligen SS-Wachmann

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Urteil im Stutthof-Prozess - Bewährungsstrafe für ehemaligen SS-Wachmann

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Der ehemalige SS-Wachmann Bruno D. ist zu zwei Jahren Jugendhaft auf Bewährung verurteilt worden. Er habe sich unter anderem der Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen schuldig gemacht.

In einem der voraussichtlich letzten Prozesse wegen der Massenverbrechen in den Vernichtungslagern der Nazizeit hat das Hamburger Landgericht einen früheren SS-Wachmann nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

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Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 93-Jährige in den Jahren 1944 und 1945 mehrere Monate als Jugendlicher zur Wachmannschaft des Konzentrationslagers Stutthof gehört hatte. "Zum ersten Mal hat ein deutsches Gericht geurteilt, dass es sich auch dann um Mord handelt, wenn die KZ-Gefangenen nicht systematisch getötet wurden, sondern auch dann, wenn sie durch Hunger, Krankheit, willkürliche Behandlung gestorben sind", sagt ZDF-Korrespondent Christian Deker. Dazu habe der Angeklagte Beihilfe geleistet, indem er auf den Wachtürmen stand.

"Die Bewährungsstrafe bedeutet, dass der Angeklagte nicht ins Gefängnis muss, wenn er sich in den kommenden zwei Jahren nichts zuschulden kommen lässt", erklärt Deker. Daran gab es Kritik von den Nebenklägern: Ein Anwalt von KZ-Überlebenden sagte, dass eine Bewährungsstrafe das falsche Signal sei angesichts des Unrechts, das im Konzentrationslager Stutthof geschehen ist.

Das Gericht begründete die Bewährungsstrafe insbesondere mit dem jungen Alter des Angeklagten zur Tatzeit. Es sei eine sehr schwer zu bewältigende Aufgabe für ihn gewesen, einen Ausweg aus seiner Situation als SS-Wachmann zu finden. Er sei zudem in seiner Entwicklung damals durchaus verzögert gewesen.

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Richterin warnte: "Wehret den Anfängen."

Die Vorsitzende Richterin ging in der Urteilsbegründung auch auf die unvollständige Aufarbeitung des Nazi-Unrechts durch die deutsche Justiz ein. Außerdem hob sie die Bedeutung für die heutige Zeit hervor: "Wehret den Anfängen, wenn Menschen abgewertet werden. (…) Achtet die Würde des Menschen, auch dann wenn der Preis die eigene Sicherheit ist", so die Richterin.

Eine Beteiligung an einem konkreten Verbrechen wurde dem Angeklagten nicht vorgeworfen. Er selbst hat mehrfach erklärt, dass er als nicht frontdienstfähiger Wehrmachtssoldat nach Stutthof abkommandiert worden sei und dort ohne seine Zustimmung in die SS übernommen wurde. Er habe kein einziges Mal von seiner Waffe Gebrauch gemacht.

Wiesenthal-Zentrum mit Urteil nicht zufrieden

Efraim Zuroff, Leiter des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, hat die Verurteilung grundsätzlich begrüßt. Die zweijährige Jugendstrafe auf Bewährung bezeichnete er jedoch als "sehr, sehr enttäuschend". Die Bewährungsstrafe nannte Zuroff "ein Syndrom deplatzierter Sympathie". Nicht der SS-Mann, sondern die Holocaust-Opfer verdienten Sympathie. Die Tatsache, dass er damals erst 17 Jahre alt war, "bedeutet nicht, dass er nicht wusste, was in dem Lager passiert". Zuroff wörtlich:

Er wird den ganzen Weg nach Hause lachen, sein Leben fortsetzen. Die Überlebenden bleiben mit ihren Albträumen zurück.

Späte Ermittlungen gegen KZ-Wächter

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Verteidigung entscheidet später über Revision

Der Verteidiger von Bruno D., Stefan Waterkamp, zeigte sich nach der Urteilsverkündung zufrieden mit dem Strafmaß. Sein Mandat habe durchaus mit einer Verurteilung gerechnet. D. sei nach der eineinhalbstündigen Urteilsverkündung sehr erschöpft gewesen, sagte der Anwalt. Er habe seinem Mandanten geraten, "alles sacken zu lassen" und in der kommenden Woche über eine mögliche Revision entscheiden.

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