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Gleichberechtigung im All - Weltraum der begrenzten Möglichkeiten

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328 Tage - so lange wie die US-Amerikanerin Christina Koch war noch keine Frau am Stück im Weltall. Rekorde im Weltraum werden jedoch nach wie vor meist von Männern aufgestellt.

Christina Koch am 06.02.2020 in Kasachstan
Astronautin Christina Koch: Glücklich wieder auf der Erde
Quelle: Reuters

Als die US-Astronautin Christina Koch heute wieder Erde unter ihren Füßen hatte, war es nicht nur das Ende einer langen Reise, sondern die 41-Jährige schrieb auch Geschichte: 328 Tage war sie am Stück im Weltall - das hat noch keine Frau vor ihr geschafft.

So unendlich das Weltall auch sein mag, aus Frauensicht ist es immer noch ein Raum der begrenzten Möglichkeiten und weitgehend eine Männerdomäne: 565 Raumfahrer, darunter 65 Frauen. Die Pioniere: fast immer Männer. Der erste Mensch im All: Juri Gagarin. Der erste Mensch auf dem Mond: Neil Armstrong. Weniger bekannt dürfte hingegen der Name der ersten Frau im All sein: Walentina Tereschkowa.

Astronautinnen - Stars auf der Erde

In Russland, dem Heimatland von Tereschkowa, hat die mittlerweile 82-Jährige Promi-Status: Sie absolviert Auftritte, gibt TV-Interviews, ist Parlamentsabgeordnete für die Regierungspartei "Einiges Russland". Das liege daran, dass Kosmonauten in der Raumfahrtnation Russland eine besondere Rolle zukomme, sagt Pawel Karawatzki, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des Museums für Kosmonautik in Moskau:

Von der Prominenz gerade von Frauen im Weltraum wollen auch die Parteien profitieren: Neben Tereschkowa sitzen noch zwei weitere Kosmonautinnen im Parlament.

Kosmonauten führen ein Leben mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit, auch weil der Beruf nach wie vor äußerst selten ist und auf großes Interesse stößt.

Doch die öffentliche Präsenz von Kosmonautinnen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg ins All für russische Frauen ungleich schwerer ist als für Männer: Von 122 Kosmonauten aus Russland und der Sowjetunion sind lediglich vier Frauen. Nach Tereschkowas Flug, so erklärt Karawatzki, seien Frauen in der Sowjetunion lange von der Raumfahrt ausgeschlossen worden. Vor allem Militärpiloten flogen ins All.

Sowjetunion schickte 1982 erste Frau ins All

"Die Situation änderte sich erst Ende der 1970er Jahre, aus Angst, die Vorreiterrolle in diesem Bereich zu verlieren", sagt der Historiker. Als die USA begannen, gezielt Astronautinnen auszubilden, antwortete die Sowjetunion damit, dass sie 1982 mit Swetlana Sawitskaja die zweite Frau ins All schickte.

"Es gab und gibt leider nach wie vor einen männlichen Chauvinismus", erklärte die Kosmonautin Sawitskaja in einem TV-Interview. Wäre der damalige Chefkonstrukteur Walentin Gluschko nicht davon überzeugt, dass Frauen für Flüge ins All sogar eher geeignet wären als Männer, erzählt die heute 71-Jährige, "dann wäre ich nicht geflogen und es hätte keine Wende gegeben."

Frauen im All: gleiches Training, ungleiche Chancen

Ein effektives Förderprogramm für Kosmonautinnen entstand daraus allerdings nicht. Dabei gebe es aus biologischer Perspektive keine Gründe für ein Ungleichgewicht der Geschlechter im All, erklärt der Wissenschaftler Wadim Guschtschin: "Eine Astronautin muss das gleiche Training absolvieren und die gleichen Prüfungen bestehen wie ein Astronaut." Der Psychologe überwacht am Institut für Biomedizinische Probleme in Moskau unter anderem auch mehrmonatige Isolationsexperimente mit Kosmonauten-Anwärtern.

Sein Institut habe festgestellt, dass Frauen in solchen Extremsituationen häufig "aktiver, disziplinierter und weniger konfliktbeladen" seien. Auch im All sei eine heterogene Gruppe oft von Vorteil. "Bei Flügen mit geschlechtergemischten Besatzungen auf der ISS gibt es wärmere, freundlichere Beziehungen und weniger Konflikte", sagt Guschtschin.

Zwar stellt die US-Astronautin Christina Koch mit ihrer Landung in der kasachischen Steppe nach 328 Tagen keinen Rekord für die Menschheit auf - den hält nach wie vor ihr Landsmann Scott Kelly mit 340 Tagen.

Wird der erste Mensch auf dem Mars eine Frau sein?

Die Zeit, in der Männer im All immer den ersten Schritt machen durften, könnte jedoch bald vorbei sein, sagte Jim Bridenstine, Administrator der Nasa, im vergangenen März in einem Interview: Es sei "sehr wahrscheinlich", so der US-Amerikaner, dass der erste Mensch auf dem Mars eine Frau sein werde.

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