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Nomadland - So leben Amerikas echte Nomaden

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Lange vor dem #Vanlife-Trend haben in den USA Menschen in ihren Vans und Wohnmobilen gelebt - und tun es immer noch. Viele, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen können.

Immer mehr Menschen in den USA entscheiden sich für ein Leben im Wohnmobil. Für die einen ein Lebensstil, für die anderen eine Notlösung, weil sie ihre Miete nicht zahlen können.

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Bob Wells lebt auf sieben Quadratmetern, ohne Dusche, ohne Badezimmer. Er braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Mit seinem Hund Cody wohnt er in einem umgebauten Krankenwagen. Der sei besonders stabil gebaut, erkärt Wells. Das habe viele Vorteile, wenn man lange Strecken zurücklegt - und sein ganzes Leben in einem Fahrzeug verbringt.

Seit 25 Jahren Nomade

Wells ist das, was man in den USA einen Nomaden nennt. Seit er vor 25 Jahren in seinen ersten Van gezogen ist, damals alles andere als freiwillig.

Ich dachte, ich habe im Leben versagt. Dass nur ein kompletter Verlierer in einem Van lebt.
Bob Wells, Nomade

Das war 1995. Wells arbeitete als Lebensmittelverkäufer in Anchorage, Alaska. Als er sich scheiden ließ, war plötzlich nichts mehr wie vorher. Er musste Unterhalt zahlen für seine Ex-Frau und die Kinder. Das, was übrig blieb, reichte nicht für seine Miete, erzählt Wells. Die ersten Nächte im Van habe er sich in den Schlaf geweint.

USA: Bis zu drei Millionen leben im Auto

Das ist kein Einzelschicksal. So wie Bob geht es zahlreichen Menschen in den USA. Eine bis drei Millionen Menschen leben in ihren Fahrzeugen. Manche freiwillig, andere, weil sie durch das soziale Raster gefallen sind, ihre Rente zum Beispiel nicht reichte, sie die Miete nicht mehr zahlen konnten. Bald könnten es noch mehr werden, glaubt Bob.

Wir kümmern uns immer weniger um die soziale Sicherheit der Menschen in diesem Land. Und jetzt, nach Corona, kommen die Zwangsräumungen wieder in Gang. Sie schmeißen diese Leute raus und erhöhen die Mieten.
Bob Wells, Nomade

Ein Corona-Schutz für säumige Mieter*innen läuft im Herbst aus. 3,6 Millionen Menschen in den USA sind dann von Zwangsräumungen bedroht.

Eine wegen der Corona-Pandemie verhängte Pause für Zwangsräumungen in den USA ist am Wochenende ausgelaufen. Millionen säumigen Mietern drohen wieder Räumungsklagen.

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Oscar-prämierter Film Nomadland

Chloé Zhao widmete den Nomaden einen Film: Nomadland, ausgezeichnet mit sechs Oscars. Das Besondere daran: Einige Personen im Film gibt es wirklich, sie reisen als Nomaden durch die USA. Darunter auch Bob Wells. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Witwe Fern, gespielt von Frances McDormand. Sie verliert ihre Arbeit, muss ihr Haus verkaufen. Um zu überleben, nimmt sie Gelegenheits-Jobs an, zum Beispiel im Warenlager bei Amazon.

Tatsächlich werden viele Nomaden im Winter zu Saisonarbeiter*innen, um das Weihnachtsgeschäft zu bewerkstelligen. Dafür hat Amazon vor einigen Jahren das Programm "Camperforce" geschaffen. Mehrere tausend Nomaden arbeiten dann für 11,50 Dollar pro Stunde im Warenlager, mindestens 10 Stunden am Tag.

Arbeiten bei Amazon

Einer von ihnen ist Hakam "Sal" Salahuddin. Zusammen mit seiner Frau Rebecca lebt er seit drei Jahren in einem Wohnwagen.

Die Arbeit bei Amazon ist sehr monoton. Es ist alles detailliert vorgegeben. Die Zeit wird berechnet. Die Toilette benutzen, eine Pause zu machen, sich kurz die Beine vertreten - ganz normale Dinge sind bei diesem Job nicht möglich. Man ist immer in Eile.
Hakam "Sal" Salahuddin

Beide waren vorher bei der Polizei. Sie arbeiteten sechs Tage die Woche, hatten Rufbereitschaften, wenig Schlaf und wenig Zeit für die Familie. Irgendwann kündigten sie, verkauften ihr Haus. Seitdem sind sie "on the road", reisen, arbeiten im Sommer auf Campingplätzen und im Winter bei Amazon. Hakam Salahuddin bekommt eine kleine Rente und Krankenversicherung, weil er früher beim Militär war. Solche Sicherheiten haben viele andere Nomaden nicht.

Tipps für das Leben auf Rädern

Bob Wells will vor allem denen helfen, die in ihre Fahrzeuge ziehen mussten, weil sie sich ein anderes Leben schlicht nicht mehr leisten können. So wie er selbst damals. Seit einigen Jahren hat er einen YouTube-Kanal "CheapRVLiving" - mit inzwischen mehr als 500.000 Abonnent*innen. Dort zeigt er sein eigenes Leben, gibt Tipps, spricht anderen Mut zu.

Ich erinnere mich jeden Tag daran, dass es jemanden gibt, der seine Wohnung räumen muss. Dieser Mensch wird verloren und hilflos sein. Und ich habe eine Botschaft für ihn.
Bob Wells, Nomade

Auf YouTube schaltet er Werbung, vertreibt Merchandise-Produkte und verdient so Geld. Sogar zwei Angestellte kann er sich leisten. Und er könnte in ein Haus ziehen, wenn er wollte. Aber er liebt dieses Leben inzwischen zu sehr. Die Stadt erdrücke ihn, erzählt er. Nur in der Natur, auf der Straße, in seinem Krankenwagen, fühle er sich frei - und wirklich Zuhause.

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