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Das Problem mit der Giftspritze

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Hinrichtung auf US-Bundesebene - Das Problem mit der Giftspritze

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Die erste Hinrichtung auf US-Bundesebene seit Jahren wurde zwar vollzogen - die Debatte um Giftspritzen hält aber an. Vor allem über die Wirkstoffe, mit denen getötet wird.

Die Richter des Supreme Court haben entschieden, die Hinrichtung von Daniel Lewis Lee kann doch stattfinden. Zuvor war die Vollstreckung des Todesurteils verschoben worden.

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Daniel Lewis Lee ist tot - hingerichtet durch eine Giftspritze im Gefängnis von Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana. Eine tödliche Überdosis des Schlaf- und Beruhigungsmittels Pentobarbital beendete sein Leben. Das Mittel verursacht einen Atem- und Herzstillstand, wie bei einem Hund, denn üblicherweise wird Pentobarbital zum Einschläfern von Tieren benutzt.

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Hinrichtung des 47-jährigen US-Amerikaners auf heute verschoben. Sie ist damit die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit 2003.

Probleme bei Beschaffung von Pentobarbital bei Herstellern

Fast zwei Jahrzehnte lang wurden Todesstrafen, die von einem Bundesgericht verhängt worden waren, ausgesetzt. Justizminister William Barr hob diese Regelung vor einem Jahr auf. Dass die Trump-Regierung die Wiedereinführung der Todesstrafe auf Bundesebene schon länger geplant hatte, zeigt nun eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Mittelpunkt der Recherche steht das Mittel Pentobarbital - und die Frage danach, ob eine Giftspritze wirklich "humaner" ist als andere Hinrichtungsmethoden.

Daniel Lewis Lee
Daniel Lewis Lee wurde mit Pentobarbital hingerichtet.
Quelle: ap

Reuters fand heraus, dass die Regierung bereits 2017 angefangen haben soll, sich über verschlungene Wege einen Vorrat an Pentobarbital zuzulegen. Denn das Problem ist: Wie bei vielen anderen Wirkstoffen, die in Giftspritzen verwendet werden, lehnen die offiziellen Hersteller von Pentobarbital es ab, das Mittel an Gefängnisse oder das Justizminsterium zu verkaufen.

Injektionen 1970 als Alternative zum elektrischen Stuhl

Die Regierung soll deshalb spezielle Apotheken mit der Herstellung des Medikaments beauftragt und dieses in Laboren testen lassen haben, ohne sich bei letzteren als Auftraggeber kenntlich zu machen. Anders als bei offiziellen Herstellern unterliegen die Produkte dieser Apotheken nicht der Kontrolle der FDA, der staatlichen Prüfbehörde für Lebens- und Arzneimittel, und haben eine kürzere Haltbarkeit. Das kann Experten zufolge zu einer Verunreinigung der Mittel und unnötigem zusätzlichen Leid führen.

Dabei wurde die tödliche Injektion 1970 eigens als gängige Methode eingeführt, um den als grausam geltenden elektrischen Stuhl durch eine "humanere" Methode zu ersetzen. Um Schmerzen möglichst zu verhindern, sollte in drei Stufen drei verschiedene Mittel gespritzt werden:

  1. ein Anästhetikum, dass den Verurteilten sediert
  2. ein Paralytikum, das den Körper lähmt, und vor allem dazu dient, den Zuschauern der Hinrichtung den Anblick des zuckenden Körpers zu ersparen
  3. Kaliumchlorid, das den Herzstillstand herbeiführt

Komplikationen beim Verabreichen der Giftspritze

Da es auch aufgrund des Hersteller-Boykotts immer schwieriger ist, an die benötigten Mittel zu kommen, wird in manchen Staaten ebenso wie bald auch auf Bundesebene Pentobarbital als einziges Medikament verabreicht. Beobachter von Hinrichtungen mit dem Mittel berichten aber immer wieder von schmerzhaften Szenen - etwa von einem Brennen in den Venen, das Todeskandidaten während ihrer Hinrichtung beklagen.

Zu schmerzhaften Komplikationen kommt es - unabhängig vom Mittel - auch dadurch, dass die Medikamente von Nicht-Medizinern verabreicht werden. Diese treffen dann in vielen Fällen nicht direkt die Vene, wie der Fall des 2014 in Oklahoma hingerichteten Clayton Lockett zeigt.

Zelle für Vollzug der Todesstrafe mittels Injektion
Auf solchen Liegen werden die tödlichen Injektionen verabreicht.
Quelle: ap

Die Vollzugsbeamten hatten Schwierigkeiten, eine Vene zu finden, spritzten das Anästhetikum Midazolam zum Teil in ein Handtuch. Lockett starb nach einem 43-minütigen Todeskampf an einem Herzinfarkt. Eine anschließende Untersuchung brachte unzählige Fehler beim Vollzug der Hinrichtung zu Tage.

Kritiker der Todesstrafe beobachten den Fall Daniel Lewis Lee daher genau, mit der leisen Hoffnung, dass 2021 vielleicht ein neuer Präsident im Weißen Haus sitzt, der Hinrichtungen wieder aussetzt - zumindest auf Bundesebene.

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