Sie sind hier:

Immobilien-Deal - Finanzskandal: Vatikan-Gericht erhebt Anklage

Datum:

Wegen eines Immobiliendeals klagt das Vatikan-Strafgericht zehn Personen an - darunter einen Kardinal. Die Vorwürfe: Betrug, Geldwäsche, Korruption, Erpressung.

Die Flagge des Vatikans vor der Kulisse des Petersdoms.
Die Vatikan-Flagge vor der Kulisse des Petersdoms. Wegen eines Immobiliendeals wird zehn Personen in Kürze vom Strafgericht des Vatikans der Prozess gemacht.
Quelle: Daniel Karmann/dpa/Symbolbild/Archiv

Ein missglückter Immobiliendeal in London wurmt den Vatikan bis heute. Die Justiz will nun nach dem verlustreichen Finanzdeal in London Anklage unter anderem wegen Veruntreuung und Amtsmissbrauch erheben. Am 27. Juli beginnt der Prozess gegen zehn Personen und mehrere Firmen vor dem vatikanischen Gericht.

Auch Kardinal und Papst-Vertrauter angeklagt

Unter ihnen ist auch ein Kardinal und ehemaliger enger Vertrauter von Papst Franziskus. Die Justiz hat insgesamt neun Männer und eine Frau aus Kirchen- und Laienämtern des Staatssekretariats sowie hochrangige Mitarbeiter der vatikanischen Finanzinformationsbehörde und Personen aus der internationalen Finanzwelt vorgeladen.

Hintergrund ist ein missglückter Immobiliendeal im Londoner Stadtteil Chelsea, der in den Jahren 2018 und 2019 über die Bühne ging. Wie in einem langen Bericht des Medienportals "Vatican News" zu lesen war, war dem Staatssekretariat, der wichtigsten Behörde im Vatikan, damals offenbar nicht klar, dass Beteiligte an dem Deal in die eigene Tasche wirtschafteten.

Vatikan machte Minus in Millionenhöhe

Der Investmentbanker Gianluigi Torzi etwa schaffte es dem Bericht zufolge, sich Anteile an der Immobilie zu sichern, mit denen er Stimmrechte hatte. Die Anteile des Vatikans hatten das jedoch nicht und damit verlor der katholische Kirchenstaat die Kontrolle über die Immobilie. Der Vatikan musste schließlich für 23 Millionen Euro die Anteile zurückkaufen. Auch zwischen anderen Beteiligten flossen im Zusammenhang mit dem Immobiliengeschäft Gelder, wie es weiter hieß.

Unter den nun Vorgeladenen ist unter anderem Kardinal Giovanni Angelo Becciu. Gegen ihn besteht der Verdacht der Veruntreuung und des Amtsmissbrauchs. Papst Franziskus hatte den 73-Jährigen Ende September des vergangenen Jahres aus seinen Ämtern entlassen. Becciu bestreitet die Vorwürfe.

Ich bin das Opfer einer ausgeheckten Machenschaft zu meinem Schaden.
Giovanni Angelo Becciu, Kardinal

Er habe lange darauf gewartet, von den konkreten Anschuldigungen zu erfahren, damit er sie dementieren und der Welt seine Unschuld beweisen könne.

Vorwürfe von Amtsmissbrauch bis Unterschlagung

Die Liste an Vorwürfen gegen die Angeklagten ist lang. Sie reichen von Amtsmissbrauch, über Geldwäsche, Betrug und Unterschlagung bis hin zu Korruption, wie aus der Mitteilung hervorging.

Auf der Anklagebank sitzt auch der frühere Präsident der Vatikanischen Finanzinformationsbehörde, René Brülhart aus der Schweiz. Er sei überzeugt, dass die Anschuldigungen gegen ihn vollständig verpuffen, erklärte er. Er habe seine Aufgaben immer korrekt erfüllt.

Ermittlungen dauern seit 2019 an

Seit dem Juli 2019 ermittelten mehrere Behörden des Vatikans und Italiens in der Sache. Begonnen hatte alles mit einer Anzeige der Vatikanbank. Damals war von Unregelmäßigkeiten bei der finanziellen Beteiligung einer Immobilie in London die Rede. Dem Heiligen Stuhl zufolge kam dadurch ein weit verstricktes Netz an Personen zum Vorschein, die dem katholischen Kirchenstaat spürbare Verluste durch ihr Handeln einbrachten.

Auch aus dem Peterspfennig, der einmal jährlich weltweit gesammelten Kollekte für den Vatikan, soll dafür Geld entnommen worden sein.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.