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Tierseuchen-Institut auf Riems - Die gefährlichste Insel Deutschlands

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Im FLI sind gefährlichste Viren wie Sars oder Ebola auf engstem Raum aktiv. Für das Bürgerprojekt "ZDF in" nimmt uns Wissenschaftlerin Anne Balkema-Buschmann mit ins Labor.

Archiv: Friedrich-Loeffler-Institut für Tierseuchenforschung auf der Insel Riems
Die Insel Riems gehört zur Stadt Greifswald.
Quelle: dpa

Hohe Zäune, Stacheldraht, Sicherheitsstufe 4, alles ist abgeriegelt: Zutritt strengstens verboten. Derart geschützt wirkt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems, die zur Stadt Greifswald gehört, wie eine Gefängnisinsel. Hinter den Mauern sitzen aber keine Schwerverbrecher ein. Hier forscht unter anderem Wissenschaftlerin Anne Balkema-Buschmann an hochansteckenden Viren.

Wie laufen die Tests dort ab?

Um uns nicht zu gefährden, sind die Erreger, die sie jetzt im Labor untersucht, nicht mehr aktiv: "Hier geht es darum nachzuweisen, ob in einem Serum von einem Schwein, was wir hier geimpft haben, schon Antikörper nachweisbar sind", sagt Anne Balkema-Buschmann. Die 51-Jährige erforscht neue Viren und entwickelt gegen altbekannte Viren Impfstoffe. Hauptsächlich geht es um Tierseuchen. Die können aber auch für den Menschen lebensgefährlich sein.

Derzeit ist sie einem noch weitestgehend unbekannten Erreger auf der Spur: dem "Nipahvirus": "Ein Virus, das in Europa gar nicht vorkommt, ist in Südostasien aufgetreten, Malaysia, Bangladesch, Indien. Ist auch hochpathogen, es kann also nicht nur Schweine, sondern auch Menschen infizieren und dann auch zu tödlichen Infektionen führen."

Was passiert im Hochsicherheitslabor?

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems.
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems.
Quelle: Imago

Wenn Anne Balkema-Buschmann im gefährlichsten Teil der Einrichtung arbeitet, gelten strenge Regeln: Sie ist nur eine von sehr wenigen Mitarbeitern, die überhaupt ins Labor hinein dürfen. Sie trägt mehrere Schichten spezieller Unterkleidung, verschiedene Paar Handschuhe und einen gelben Vollschutzanzug, in den Atemluft gepumpt wird. Die studierte Tierärztin geht niemals allein in den Bereich und kann sich per Funk verständigen. Nur so darf sie an den gefährlichsten, aktiven Erregern wie Tollwut, BSE oder Ebola forschen.

Angst vor einer Ansteckung hat sie nicht: "Wenn man Angst hat, dann wird man unbedacht, und man macht vielleicht mal etwas, was nicht ideal war. Man muss immer 'nen kühlen Kopf bewahren, alle Regeln einhalten und dann ist das Risiko durchaus beherrschbar."

Wir sind uns alle bewusst, dass der Erreger auch uns krank machen könnte, wenn wir nicht umsichtig damit arbeiten. Den Respekt muss man immer behalten, aber man sollte keine Angst haben.
Anne Balkema-Buschmann

Tierversuche im Hochsicherheitslabor

Das Hochsicherheitslabor ist eines von nur drei Laboren weltweit, in dem Wissenschaftler wie Anne Balkema-Buschmann die gefährlichen Viren direkt an Tieren testen. Die Tiere sterben später oder müssen getötet werden. Aber nur so kann sie wichtige Impfstoffe erzeugen, sagt sie: "Wir haben hier das Ziel im Blick, dass das Ganze zum Wohl der Tiere durchgeführt wird. Das klingt vielleicht paradox.

Aber wenn wir hier eine Studie mit Impfstoffen durchführen, dann hilft das im Endeffekt vielen, vielen anderen Artgenossen.
Anne Balkema-Buschmann

Wie alles begann – Historie des Labors

Die Forschung an Tierseuchen begann vor mehr als 100 Jahren, im Zentrum von Greifswald. Der erste Wissenschaftler war Friedrich Loeffler. Er wollte mehr über die Maul- und Klauenseuche wissen: "Nachdem das eine hochansteckende Seuche ist und damals die Sicherheitsbedingungen noch nicht so waren wie heute, hat es unwillkürlich immer wieder zu Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche hier in der Gegend geführt", erklärt Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Die Greifswalder verbannten Loeffler und seine Tierversuche kurzerhand auf die isolierte Insel. Seither hat es keine Unfälle mehr gegeben.

Wer lebt auf der Insel Riems?

In dem Institut arbeiten 450 Beschäftigte. Zu DDR-Zeiten waren es noch 800. Damals haben die meisten auch auf der Insel gelebt, heute ist das nicht mehr so. Zur Insel gehört ein kleiner Stadtteil: Riemserort hat knapp 1.000 Einwohner. Die Nachbarn haben keine Angst vor Seuchenausbrüchen vor ihrer Haustür: "Für mich ist das kein Problem, ich rechne damit, dass das gut gesichert ist und fühle mich wohl hier", sagt Anwohner Uwe Hein.

In der Zeit, wo wir hier auch wohnen, ist mir das nie als Bedrohung oder als schlimm vorgekommen.
Dr. Elke Lange, ehemalige Mitarbeiterin des FLI

Wie sorgt die Behörde dafür, dass es nicht zu einem Ausbruch kommt?

Zum einen ist das Institut mitsamt seiner Labore streng bewacht, zum anderen ist das Hochsicherheitslabor mit den höchsten technischen Standards ausgerüstet. Wenn Anne Balkema-Buschmann aus dem Hochsicherheitslabor kommt, desinfiziert sie ihren Anzug unter der Chemiedusche mehrfach. Es gibt weiterhin spezielle Abluft-Systeme, alle Abfallprodukte werden dekontaminiert und speziell entsorgt. So kann wirklich kein tödlicher Erreger den Weg hinausfinden.   

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