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"Da lagen überall Kinder auf der Straße"

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Vorfall in Volkmarsen - "Da lagen überall Kinder auf der Straße"

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Schock und Fassungslosigkeit in Volkmarsen bei Kassel: Ein junger Mann steuert sein Auto in eine Menschenmenge beim Rosenmontagsumzug. Noch offen ist die Frage nach dem Warum.

Polizei und Feuerwehr bei dem Auto, das in eine Menschenmenge gefahren ist
Ein Mann steuerte ein Auto in einen Karnevalszug in Volkmarsen.
Quelle: dpa

Eine dunkle Plane verdeckt den Blick auf den Ort, an dem kurz zuvor noch Eltern und Kinder fröhlich Fasching gefeiert haben. Der Rosenmontagsumzug in Volkmarsen wurde jäh beendet. Dort, wo Menschen dem Umzug zujubelten und Kamelle fingen, fährt plötzlich ein Auto in die Menge. Etwa 30 Menschen sind verletzt, sieben von ihnen schwer - darunter sind auch Kinder. Auf dem Boden liegen am Montagnachmittag Stoffreste, womöglich von Kostümen. Überall in den Straßen der kleinen Stadt in Nordhessen stehen Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr.

Der Fahrer, nach Angaben der Ermittler ein 29 Jahre alter Deutscher aus Volkmarsen, wird schnell gefasst, doch die Hintergründe sind zunächst unklar. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Zum Motiv könne man nichts sagen, teilte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle, mit. "Wir ermitteln in alle Richtungen."

Erinnerungen an Hanau werden wach

Aber was trieb den Fahrer an? Sofort werden schlimme Erinnerungen wach. Wieder ein Schock, wieder Hessen. Erst vor fünf Tagen erschoss in Hanau - zwar auch in Hessen, aber mehr als 200 Kilometer entfernt - ein 43-Jähriger insgesamt zehn Menschen und sich selbst. Dieser Anschlag war mutmaßlich rassistisch motiviert, der Täter war psychisch krank. Obwohl die möglichen Beweggründe des Autofahrers in Volkmarsen unbekannt sind, denken viele an den vergangenen Mittwoch.

Die Nacht von Hanau hat sich bei den Menschen in Hessen schmerzlich ins Gedächtnis eingebrannt.

Rettungskräfte versorgen die Verletzten

Der dunkle Sichtschutz am Tatort in Volkmarsen wird nur ab und zu geöffnet, um Rettungsfahrzeuge hereinzulassen. Auch Stunden nach der Tat rollen noch ganze Kolonnen von Rettungswagen in den Ort, Dieselaggregate sorgen für ohrenbetäubenden Lärm.

Landrat Reinhard Kubat war selbst als Zuschauer in Volkmarsen. Als er die ersten Martinshörner gehört habe, sei er in die Richtung gelaufen. Auf dem Weg seien ihm bereits weinende Menschen entgegengekommen. Am Tatort habe sich ihm ein furchtbares Bild geboten.

Da lagen überall Kinder auf der Straße.
Landrat Reinhard Kubat

Eine Zeugin habe ihm berichtet, wie der Autofahrer einfach über die Menschen hinweggefahren sei.

"Ich hab nichts gesehen, Gott sei Dank."

Jährlich seien 4.000 bis 5.000 Besucher bei dem Umzug, er sei einer der größten der Region, sagt Kubat. Überall auf der Straße liegt Konfetti - aber nach Feiern ist keinem mehr zumute. Noch wenige Grüppchen stehen zusammen, eine Mutter mit Kinderwagen sagt: "Ich hab nichts gesehen, Gott sei Dank." Und wer etwas gesehen hat, will meist nicht darüber sprechen.

Aus Kneipen, in denen zuvor noch Karneval gefeiert wurde, dringt keine Musik mehr. Viele stehen vor der Tür, trotz ihrer bunten Kostüme sehen sie traurig aus. Viele telefonieren oder tippen auf ihren Handys. "Dabei denkt man ja eigentlich, hier ist die Welt noch in Ordnung", sagt der Vorsitzende der Volkmarser Karnevalsgesellschaft, Christian Diste. Es habe noch nie Drohungen gegen den Karneval gegeben. Der Umzug in der Stadt in Nordhessen, gelegen zwischen Kassel und dem Sauerland, hat rund 700 Teilnehmer, 27 Gruppen seien in diesem Jahr dabei gewesen.

Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt
Hartmut Linnekugel, Volkmarsens Bürgermeister

Doch auch Stunden später bleibt die Ungewissheit. "Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt", sagt Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel. Im Rathaus wurde ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet. Es soll noch bis Dienstag geöffnet bleiben.

Hinter dem dunklen Sichtschutz lässt sich auch in der Abenddämmerung noch erahnen, was hier geschehen ist - dort steht noch immer der silbergraue Wagen mit zerborstener Scheibe.

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