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Reformbedarf Kirche - Wie Katholiken dem Vatikan trotzen

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Die Mehrheit der Katholiken will Reformen, viele Bischöfe sind bereit dazu. Doch der Vatikan bremst den "Synodalen Weg". Deshalb beraten jetzt die Laien, wie es weitergehen soll.

Archiv: Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, spricht auf der Pressekonferenz zu den Journalisten. S
Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, erklärte, die Segnung homosexueller Menschen werde beim Synodalen Weg weiter Thema sein.
Quelle: dpa

Mit viel Schwung ist im Februar 2020 der "Synodale Weg" gestartet. Das ist ein zwei Jahre dauernder Dialogprozess, bei dem Bischöfe und Laien über Reformen beraten und diese am Ende auch beschließen möchten.

Es geht um eine Erneuerung der Sexualmoral, um den Zugang von Frauen zu allen Kirchenämtern bis hin zur Weihe sowie um Transparenz und Partizipation bei Entscheidungen.

Die Mehrheit der Gläubigen und Bischöfe ist überzeugt, es gibt strukturelle Mängel in der katholischen Kirche, die nicht zuletzt auch sexualisierte Gewalt und ihre Vertuschung erleichtert haben. Deshalb sind die Reformen notwendig, um wieder Vertrauen bei den Menschen zu gewinnen.

Kritik an Segnungsverbot für Homosexuelle

Aus dem Vatikan werden seit Beginn des Prozesses immer neue Hürden aufgebaut, die Veränderungen erschweren: Im vergangenen Sommer gab es ein Papier, das die Leitung einer Pfarrei eng an den Priester knüpfte und somit eine Beteiligung von Laien an der Gemeindeleitung quasi ausschloss.

Am 15. März hatte der Vatikan sein Nein zur Segnung homosexueller Paare noch einmal bekräftigt – es entspreche nicht dem Plan Gottes, so die Begründung. Das löst in vielen katholischen Gemeinden einen Sturm der Entrüstung aus.

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Vor einem Monat erteilte der Vatikan einer möglichen Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren eine Absage. Die katholischen Laien und viele Bischöfe hatten im Rahmen des Synodalen Wegs darüber beraten und waren sich einig, dass eine Segnung möglich sein sollte.

Manche Beobachter sahen mit dem Machtwort aus Rom zur Segnung bereits das Aus des Synodalen Wegs gekommen. Doch die katholischen Laien geben nicht auf. Bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) beraten sie am Freitag und Samstag, wie es weitergeht und wie sie auf die römischen Vorgaben reagieren.

Dabei gibt sich der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, kämpferisch: Die Segnung homosexueller Menschen werde beim Synodalen Weg weiter Thema sein, erklärte er nach Bekanntwerden des Verbots aus Rom.

Ökumene trotz Veto aus dem Vatikan

Auch bei einem weiteren Punkt gibt es Widerspruch zu Rom: Mitte Mai findet in Frankfurt der 3. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) statt; das ZdK ist Mitveranstalter. Zwar werden nicht, wie ursprünglich geplant, 100.000 Teilnehmende zu rund 1.000 Veranstaltungen in die Mainmetropole kommen, sondern das Ereignis weitestgehend digital stattfinden.

Doch sind weiterhin Gottesdienste geplant, bei denen Gläubige der jeweils anderen Konfession zu Eucharistie und Abendmahl eingeladen werden. Die deutschen Katholiken und Protestanten trotzen hier einem Veto aus dem Vatikan. Ob Konsequenzen aus Rom zu erwarten sind, und wie diese aussehen könnten, ist bislang offen. Der ÖKT ist ein Thema bei der digitalen Vollversammlung des ZdK.

Im Herbst 2020 fand die letzte Vollversammlung des Synodalen Wegs statt. Im Mittelpunkt stand die Rolle der Frauen in der Kirche.

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Kritik am Umgang mit Missbrauch in der Kirche

Am Samstag berät das ZdK über sexualisierte Gewalt. Dabei sollen zum einen Betroffene zu Wort kommen. Zum anderen will das Gremium stärker den Missbrauch durch Laien in der katholischen Kirche in den Blick nehmen. Bisher lag der Fokus auf Klerikern, die missbrauchen oder Taten vertuschen. Hier fordert das ZdK weiter eine konsequente Aufklärung und Aufarbeitung.

Präsident Sternberg erklärte nach der Veröffentlichung des jüngsten Gutachtens zu Pflichtverletzungen durch Verantwortliche des Erzbistums Köln Mitte März, dass eine rein juristische Aufarbeitung nicht ausreichend sei. Es brauche eine interdisziplinäre und unabhängige Aufarbeitung, die etwa Zeitgeschichte, Psychologie und Theologie mit einbeziehe.

Erneut fehlt bei den Beratungen des ZdK der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Er ist der offizielle Verbindungsmann zur Bischofskonferenz. Bereits bei der letzten Vollversammlung im November hatte er sein Amt ruhen lassen wegen Vertuschungsvorwürfen. Mittlerweile gewährte der Papst Heße eine Auszeit, bis die Vorwürfe geklärt sind. Der bestreitet, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben. Eine Entscheidung aus dem Vatikan steht noch aus.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Kirche und Leben katholisch.

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