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Förster und Autor Wohlleben : Mehr Wald als Schutz vor Hochwasser

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Förster Peter Wohlleben kritisiert die konventionelle und klimaschädliche Forstwirtschaft. Doch genau diese werde von der Regierung bezuschusst.

Grölisbach, wird später zum Vichtbach, Vichtbachtal, nahe Roetgen, Eife am 01.07.2020
Peter Wohlleben fordert einen gewissenhafteren Umgang mit dem Wald - auch mit Blick auf den Schutz vor Hochwasser.
Quelle: picture alliance / Jochen Tack

Diplom-Forstingenieur und Bestsellerautor Peter Wohlleben engagiert sich für eine nachhaltige Waldwirtschaft. In der Sendung "Volle Kanne" plädiert er für einen bewussteren Umgang mit dem Wald, um künftige Katastrophen wie Hochwasserfluten oder Dürre einzudämmen. Die konventionelle Forstwirtschaft habe katastrophale Auswirkungen auf Wälder und das Klima.

Förster und Autor Peter Wohlleben ist zu Gast bei Nadine Krüger am "Volle Kanne"-Frühstückstisch.

Beitragslänge:
76 min
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Problem: Wasser aus den Bergen, das auf verdichtete Böden trifft

Peter Wohlleben wohnt unweit von Schuld und Bad Münstereifel - zwei Orte, die es bei der Hochwasserkatastrophe hart getroffen hat. Am Tag der Katastrophe konnte er die Wassermassen beobachten und erzählt:

"Auf der Pferdewiese ist der Boden verdichtet, durch Traktorenbefahrung der letzten Jahrzehnte, und nimmt kein Wasser auf. Da hat sich ein 40 Meter breiter Bach gebildet. (…) Auf der anderen Seite steht ein alter Buchenwald im Steilhang. (...) Der Boden hat es aufgenommen wie ein Schwamm."

Ein großes Problem von Hochwasserfluten sei vor allem das Wasser aus den Bergen, das bedingt durch verdichtete Böden ins Tal ströme. Damit kritisiert er die konventionelle Forstwirtschaft, die mit bis zu 70 Tonnen schweren Maschinen den Waldboden völlig zerstöre. Über 50 Prozent der Waldflächen in Deutschland seien bereits schwerst beschädigt.

Sie sprechen zwar nicht unsere Sprache – sie sind aber Seelenverwandte. Auch Tiere können lieben, hassen, trauern.

Beitragslänge:
6 min
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Kritik: Konventionelle Forstwirtschaft verfolgt Profit

Förster seien wie Baummetzger, so beschreibt Wohlleben seinen ehemaligen Traumberuf. Bereits mit sechs Jahren wollte er die Natur schützen. Angekommen im Berufsleben kündigte er bald seinen Job, nachdem ihm das zerstörerische Ausmaß bewusst wurde. Fortan legte er seinen Schwerpunkt auf den Schutz des Waldes.

Die konventionelle Forstwirtschaft sei nur auf Profit aus und wirtschafte die Wälder runter, dabei sei dies nicht einmal wirtschaftlich. "Die angeblich vorbildliche deutsche Forstwirtschaft ist super brutal", kritisiert Wohlleben.

"Die konventionelle Forstwirtschaft ist Bestandteil der Forstindustrie und rät der Bundesregierung, immer weiter in diesem System zu verharren", kritisiert Peter Wohlleben.
Peter Wohlleben, Forstingenieur und Autor

Dazu gehöre beispielsweise das Abräumen von Plantagen, obwohl diese wertvolle Biomasse Schatten spenden könne, den Boden kühle und dafür sorge, dass der Folgewald schnell von selbst nachkommt. "Stattdessen werden die Flächen von großen Maschinen abgeräumt, der Boden wird großflächig zerstört und dann wird wieder eine neue Plantage angelegt." Dies könne man sofort ohne hohe Kosten stoppen, so Peter Wohlleben. Aber dieses konventionelle Vorgehen werde derzeit subventioniert.

Wohlleben: Aktives Eingreifen des Menschen zerstört Wald

Peter Wohlleben erforscht den Wald seit vielen Jahren. Was ihn zerstöre, sei das aktive Eingreifen des Menschen. Der Wald regeneriere sich selbst am besten und sei in Zeiten des Klimawandels sehr anpassungsfähig. In Zeiten von Trockenheit seien Bäume in der Lage, ihr Wassermanagement umzustellen, um sich das Wasser besser einzuteilen. Das gelte allerdings nicht für angelegte Monokulturen.

Ein intakter Laubwald kann sich bei uns im Vergleich zur freien Landschaft in den Tageshöchsttemperaturen zehn Grad dämpfen.
Peter Wohlleben, Forstingenieur und Autor

Wenn es draußen 40 Grad sind, wären es im Wald nur 30. "Wir müssen der Natur mehr Raum geben", fordert Wohlleben und betont, dass Menschen ein Bestandteil dieser Natur seien, was allzu oft vergessen werde.

Weniger Fleischkonsum, dafür Aufforstung

In Deutschland seien 30 Prozent bewaldet, davon der größte Teil Plantagen. Wäre die Hälfte des Landes mit Wald begrünt, würde es lokal kühler werden.

Wenn wir auf den klassischen Sonntagsbraten zurückgingen, könnten wir nach meiner Schätzung rund 50.000 Quadratkilometer wieder bewalden.
Peter Wohlleben, Forstingenieur und Autor
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