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Flüsse in Not - Was unseren Fließgewässern zu schaffen macht

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Etwa 15.000 Bäche und Flüsse gibt es in Deutschland. Sie sind die Lebensadern unseres Wasserkreislaufs. Doch nur acht Prozent sind in einem guten oder sehr guten Zustand.

Archiv: Ein Frachtschiff passiert eine Sandbank am Mittelrhein
Der Klimawandel hinterlässt Spuren in den Gewässern.
Quelle: dpa

Die Trockenperioden haben das Elend in unseren Flüssen noch einmal zu Tage gebracht. Professor Markus Weitere vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erklärt:

Der Klimawandel hinterlässt deutliche, teils unumkehrbare Spuren in unseren aquatischen Systemen.
Professor Markus Weitere, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Der Wissenschaftler leitet das Department Fließgewässerökologie und hat die Folgen der vergangenen heißen Sommer für unsere Flüsse untersucht; er teilt die Folgen in ein Wasserquantitäts- und ein Wasserqualitätsproblem ein. Fehlt das Wasser, vertrocknen zum Beispiel die Auenwälder an den Flussufern, die in gesundem Zustand wichtige CO2-Senken im Kampf gegen den Klimawandel sind. 

Die Verschlechterung der Qualität resultiert laut Professor Weitere aus unserem generell schlechten Umgang mit Flüssen. Weil das Wasser in den Flüssen in Dürrezeiten weniger wird, fehlt eine ausreichende Verdünnung der mit Chemikalien, Düngemitteln und Pestiziden belasteten Abwässer bzw. oberflächennahen Zuläufe. Kleinstlebewesen sterben, Algen blühen auf und entziehen zusätzlich den Fischen den Sauerstoff.  

Deutschland ignoriert die EU-Wasserrahmenrichtlinie

Die Probleme sind "hausgemacht". Die EU hat die Wichtigkeit der kleinen Gewässer schon früh hervorgehoben und ihre Mitgliedsstaaten über eine Wasserrahmenrichtline bereits im Jahr 2000 aufgefordert, die Gewässer bis 2015 in einen qualitativ guten Zustand zu bringen.

Doch geschehen ist wenig, nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa. Statt wirkungsvolle Renaturierungsmaßnahmen zu ergreifen, einigten sich die Staaten geschmeidig auf eine Fristverlängerung bis 2027. Bei der letzten Bestandsaufnahme waren gerade einmal acht Prozent der Flüsse in Deutschland in einem guten oder sehr guten Zustand.

Sehen Sie hier die planet e-Dokumentation "Kleine Flüsse, großer Wert" vom 21.03.2021:

Etwa 15.000 kleine und mittlere Flüsse fließen durch Deutschland. Ihr Zustand ist oftmals erbärmlich. Dabei sind sie unverzichtbare Lebensadern.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Dass Deutschland das EU-Ziel bis 2027 erreicht, hält Markus Weitere für unmöglich.

Die dafür notwendige Geschwindigkeit bei den nötigen Maßnahmen erkenne ich nicht!
Professor Markus Weitere, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Deutschland droht ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren durch die EU, weil eine Richtlinie, die dem Schutz der Allgemeinheit dienen soll, in der Bundesrepublik seit Jahren ignoriert wird.  

Grundwasser ist oft belastet

Die Probleme der Flüsse resultieren auch aus Fehlern der Vergangenheit. Sie wurden begradigt und der gewonnene Platz bis an die Ufer genutzt: in den Städten durch Bebauung, im ländlichen Bereich als Ackerflächen für die Landwirtschaft.

Die Abwässer aus den Kläranlagen landen genauso in ihnen, wie die Rückstände aus der Landwirtschaft, die mit dem Regen in sie hinein gespült werden. Und wenn die Grundwasservorräte sinken, so wie das in den letzten Sommern zu messen war, werden die Einleitungen der Chemikalien zum Problem, weil das Grundwasser die Quelle unserer Flüsse ist und in den Flüssen fehlt.

Die permanente Verschmutzung ist eine ökologische Katastrophe. Umweltaktivist*innen bemängeln den Einsatz der betroffenen Balkan-Länder.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Kaum Flussrenaturierungen in Deutschland

Um die Zustände in den Flüssen zu verbessern, müssen zunächst alle Schadstoffeinträge reduziert werden aus den Haushalten, der Industrie und der Landwirtschaft. Auch wenn es viel Geld kostet: Die Flächen an den Flussufern müssen zudem von den staatlichen Wasserverbänden angekauft werden, um die Flüsse wieder in ihre alten Verläufe zu bringen. Das fordern einige Fachleute.

Dazu fehlt in Deutschland jedoch offenbar der politische Wille, das Geld und letztlich auch ein belastbarer Rechtsrahmen, sofern es um Enteignungen geht.

Dass es zu größeren Renaturierungen wie derzeit an der Schwartau in Schleswig-Holstein kommt, ist immer noch die Ausnahme. Dort haben die Arbeiten für die Wiederherstellung eines vier Kilometer langen Teilstücks begonnen - nach 15 Jahren Planung. Kostenpunkt für Flächenkauf, Planungen und Baumaßnahmen: drei Millionen Euro.  

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