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Start der Weltwasserwoche - Steigende Wasserkraftnutzung birgt Gefahren

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Die Wasserkraft gilt im Kampf gegen den Klimawandel als unverzichtbar. Die erneuerbare Energie wirkt sich aber auf den Naturhaushalt der Flüsse aus, sagt eine neue Studie.

Das Kraftwerk Lower Granite (englisch Lower Granite Lock and Dam) ist ein Laufwasserkraftwerk im Bundesstaat Washington, USA.
Das Kraftwerk Lower Granite (englisch Lower Granite Lock and Dam) ist ein Laufwasserkraftwerk im Bundesstaat Washington, USA.
Quelle: imago/alimdi

Weltweit gibt es etwa 60.000 Staudämme, rund 3.700 weitere Wasserkraftwerke sind geplant oder im Bau - einige davon sollen sogar in Naturschutzgebieten errichtet werden. Wie sinnvoll ist der Einsatz von Wasserkraft gegen den Klimawandel und wo liegen die Risiken für die Natur? Das hat ein internationales Forscherteam und die Naturschutzorganisation WWF in einer Studie erforscht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was sagt die Studie?

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch den Bau dieser Anlagen über 260.000 Kilometer frei fließender Flüsse gefährdet sind. Zugleich können damit jedoch nur zwei Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie erzeugt werden, der bis 2050 benötigt wird, um den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 Grad Celsius zu halten.

Welche Wirkung haben Wasserkraftanlagen auf das Flussleben?

Seit Jahrhunderten nutzen Menschen die Kraft des Wassers. Waren es früher Schöpfräder, die Mühlen angetrieben haben, werden die Fließgewässer seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem zur Erzeugung von Strom eingesetzt. Dafür muss ein Fluss gestaut werden. Der Eingriff zerstört am Kraftwerksstandwort wichtige Lebensräume. Dazu zählen Schotter- und Kiesbänke, die Uferzone sowie Flusssohle. Auch flussauf- und flussabwärts kommt es zu einer veränderten Gewässerstruktur. Die Kanalisierung des Flusses führt zu einer erhöhten Fließgeschwindigkeit, natürliche Überschwemmungsbereiche gehen verloren.

Eine Staumauer hält neben dem Wasser auch Kies und Sand zurück. Rund 90 Prozent bleibt in den Wehren hängen. Dadurch fehlen dem Fluss unterhalb der Staumauer wertvolle Feststoffe. Zudem erwärmt sich das Stauwasser, wodurch der Sauerstoffgehalt sinkt. Organismen können das Wasser nicht mehr sauber halten. Folge: die Wasserqualität wird schlechter.

Wasserblockade und Umleitung des Flusses verändern schließlich auch das Wassereinzugsgebiet. Der Grundwasserspiegel sinkt und damit verschwindet ein wichtiges Trinkwasserreservoir für uns Menschen. Die Studie weist darauf hin, dass der Verlust durchgängiger Flüsse die Menschen vor Ort bedroht. Eine fehlende Auenlandschaft kann das Hochwasser nicht mehr aufsaugen.

Westlich des Bosporus, am Rande Istanbuls, soll er entstehen. 45 Kilometer lang, rund 10 Milliarden Euro teuer, ein Wirtschafts- und Transportzentrum. Der Kanal Istanbul ist das jüngste Megaprojekt des türkischen Präsidenten.

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Hat das Einfluss auf die Artenvielfalt?

Werden Schotterbänke zubetoniert, gehen wichtige Brutreviere für Vögel verloren. Ein ausgeräumtes und kanalisiertes Flussbett bietet keinen Lebensraum mehr für Kleinstlebewesen und Fische. Kraftwerksanlagen stellen zudem eine massive ökologische Barriere für Fische dar. Forellen oder Aale können ihre Laichgründe nicht mehr erreichen. Die Rechen vor den Turbinen sollen zwar Fische abhalten. Viele Fischarten werden dennoch reingezogen und zerhäckselt.

Ein ernüchterndes Studienergebnis: Die Population von Süßwasserarten ist seit 1970 im Durchschnitt um 84% zurückgegangen. Hauptverursacher des Rückgangs seien die modernen Wasserkraftanlagen. Nahezu ein Drittel der Süßwasserfische ist vom Aussterben bedroht, so die Studie.

Gibt es Lösungen?

Aus wissenschaftlicher Sicht sollten Kleinwasserkraftwerke eingespart werden. Sie erzeugen zwar Ökostrom und sparen Treibhausgasemissionen ein. Die Ökostrom-Ausbeute gilt generell als viel zu gering, sie könnte durch Windräder ersetzt werden. Der WWF fordert zudem den Schutz von Flüssen gesetzlich zu verankern. Und bestehende große Wasserkraftwerke gelte es derart anzupassen, dass ihre Auswirkungen auf das Flussökosystem minimiert werden.           

Christine Elsner arbeitet in der ZDF-Umweltredaktion.

Wasserkraftwerk an der Isar

Verdammt und zugebaut - Wie Wasserkraftwerke Flüsse ruinieren 

Wasserkraft gilt als sauber, sicher, unverzichtbar. Tatsächlich ist diese Art der Energiegewinnung alles andere als grün. Wasserkraftwerke zerstören Flüsse und die Artenvielfalt.

von Birgit Hermes
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