Konferenz in Wilhelmshaven: Gemeinsam für das Wattenmeer

    Konferenz in Wilhelmshaven:Gemeinsam für das Wattenmeer

    Oliver Deuker
    von Oliver Deuker
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    Alle vier Jahre treffen sich die Umweltminister aus Dänemark, den Niederlanden und Deutschland zur Trilateralen Wattenmeer-Konferenz. Es geht um einen gemeinsamen Kurs. 

    Menschen im Wattenmeer
    Gilt als weltweit einmaliges Biotop: Das Wattenmeer an der Nordsee.
    Quelle: Imago

    Sie sei ein Erfolg gewesen, die 14. Wattenmeerkonferenz in Wilhelmshaven, darüber waren sich die Politiker einig, die einen neuen Wattenmeerplan verabschiedeten. Das Ziel: Die Bedrohung durch den Meeresspiegelanstieg und die weiter zunehmenden menschlichen Nutzungen besser zu koordinieren - und damit das Wattenmeer besser zu schützen.
    Denn die Belastung dieses weltweit einzigartigen Biotops ist gewaltig.

    Flussvertiefungen bedrohen Wattenmeer

    So wird in den meisten Bereichen des Wattenmeeres nach wie vor intensive Fischerei betrieben. Eine der größten Bedrohungen der sensiblen, Tide-geprägten Flussmündungen sowie der Unterwasserwelt des Wattenmeers ist das Ausbaggern und Verklappen von Sedimenten infolge der massiven Flussvertiefungen.
    Das Fördern von Öl und Gas findet immer noch an einigen Stellen im Wattenmeer statt und bedroht Natur und Klima. Auch der enorme Schiffsverkehr macht dem Wattenmeer zu schaffen.

    Klimagasspeicher Wattenmeer

    Angesichts von Klima-, Verschmutzungs- und Biodiversitätskrise wächst der Druck auf das Wattenmeer und seine Artenvielfalt.  Dabei ist dieses Biotop Teil der Lösung des Problems, denn das Wattenmeer kann einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise leisten:  Als natürliches, artenreiches Ökosystem ist es in der Lage, erhebliche Mengen an Klimagasen in Salz- und Seegraswiesen und in Schlickböden zu speichern.
    "Diese Funktionen möchten wir durch umfangreiche Maßnahmen im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz zusammen mit den Küstenländern stärken. Solch naturbasierte Lösungen helfen uns, unsere Klimaziele zu erreichen, und wir schützen zudem die wichtigen Ökosysteme, die wiederum von der Klimakrise bedroht werden", so Bundesumweltministerin Steffi Lemke, die aus Krankheitsgründen nicht persönlich an der Konferenz teilnahm.  

    Klima-Anpassungsmaßnahmen beschlossen

    So beschlossen die Wattenmeerstaaten ein trilateral koordiniertes Forschungsprogramm in Höhe von 15 Millionen Euro. In der gemeinsamen Forschungsinitiative sollen Grundlagen und mögliche Maßnahmen erarbeitet werden, um das Wattenmeer klimaresilienter zu machen und dauerhaft als Weltnaturerbe zu erhalten.
    Denn der Wirtschaftsraum Wattenmeer wird bleiben, wie er ist. Alternativlos die Schifffahrtswege, alternativlos wohl auch die energetische Seite des Wattenmeers. Zahlreiche Offshore-Windkraftanlagen sollen gebaut werden, der Bau, die Verkabelung, der Betrieb, es ist kein unbedeutender Eingriff in ein Ökosystem. Aber wohl notwendig, um den CO2-Ausstoß zu verringern, notwendig für die Energiesicherheit Deutschlands.
    Die krautigen Pflanzen, speziell ihre Wurzeln, stabilisieren den Boden. Sie schwächen die Energie großer Wellen ab, bevor diese an Land brechen. Und: Sie lassen das Land wachsen.01.06.2021 | 5:20 min
    Das weitere Ausbeuten der Öl- und Gasvorkommen ist für Flora und Fauna alles andere als vorteilhaft. Doch es gilt, eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu finden – wie immer.  Ob die bei dem in Planung befindlichen, niederländischen Gasprojekt vor der niedersächsischen Insel Borkum gefunden wurde, fraglich.
    Gerede statt Taten
    Miteinander reden, Pläne schmieden – immer gut. So verabschiedeten die Teilnehmer, zu denen auch die Umweltminister von Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gehören, den "Integrierenden Managementplan für das EINE Weltnaturerbe Wattenmeer".
    Erhofft wird damit eine bessere Koordinierung bei den Schlüsselthemen Fischerei, Schifffahrt, Tourismus, Energie und Küstenschutz. In vier Jahren, bei der nächsten Wattenmeerkonferenz, dann in Dänemark, wird sich zeigen, ob den Worten auch Taten folgten. Schön wäre es, Zweifel bleiben.
    Oliver Deuker berichtet als Reporter aus dem ZDF-Studio Niedersachsen in Hannover.

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