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Weinstein-Prozess: Alle Geschworenen bestimmt

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Ex-Hollywood-Produzent - Weinstein-Prozess: Alle Geschworenen bestimmt

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Der Prozess gegen Ex-Produzent Weinstein kann inhaltlich beginnen: Die Auswahl der Geschworenen ist abgeschlossen. Wer in der Jury sitzt, bestimmt maßgeblich den Prozess-Ausgang.

Filmproduzent Harvey Weinstein vor dem Gerichtssaal in New York
Ex-Produzent Harvey Weinstein vor dem Gerichtssaal in New York.
Quelle: reuters

Der Vergewaltigungsprozess gegen den einstigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein kann in der kommenden Woche mit den Auftaktplädoyers beginnen: Die Auswahl der zwölf Geschworenen und drei Ersatzmitglieder ist am Freitag nach zwei Wochen abgeschlossen worden. Dies hatte sich als äußerst schwierig erwiesen, da Jury-Mitglieder unvoreingenommen sein sollen. Die Jury besteht aus insgesamt acht Männern und sieben Frauen.

Anwalt: Keine Geschworenen, die zu jung sind

Die Staatsanwaltschaft hatte sich noch Stunden vor der Einigung beschwert, dass die Verteidigung systematisch versuche, Frauen aus der Jury herauszuhalten. Weinsteins Anwalt Arthur Aidala sagte, die Verteidigung lehne nicht grundsätzlich junge Frauen ab, wolle aber nicht Geschworene, die zu jung seien, um zu verstehen, wie Männer und Frauen in den 1990er Jahren miteinander umgingen. "Das war eine andere Zeit in New York und auf Planet Erde", sagte er.

Dem 67-jährigen Weinstein wird die Vergewaltigung einer Frau im Jahr 2013 vorgeworfen, außerdem wird er beschuldigt, 2006 eine andere Frau sexuell genötigt zu haben. Der 67-Jährige hat auf nicht schuldig plädiert; alle Handlungen seien einvernehmlich gewesen. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Insgesamt besteht die Jury aus zwölf Personen sowie sechs Ersatzjuroren. Das Supermodel Gigi Hadid wird nicht dazu gehören. Die 24-Jährige verließ während der Jury-Auswahl nach nur zehn Minuten das Gericht in New York. US-Medienberichten zufolge einigten sich Anklage und Verteidigung darauf, auf das Model wegen seiner Berühmtheit zu verzichten.

Die New Yorker Strafverteidigerin Stacy Schneider erklärt, warum die Auswahl der Geschworenen so schwer ist.

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In diesem Schauprozess, in dem Hollywoods Machtstrukturen seziert und der Öffentlichkeit dargeboten werden, buhlen Anwälte und Zeugen um die Gunst der Geschworenen. Denn im US-Justizsystem werden strafgerichtliche Prozesse von einer zwölfköpfigen Jury entschieden. Sie werden alle Zeugenaussagen anhören, gemeinsam debattieren und letztlich ihr Urteil fällen.

Wie werden die Geschworenen ausgewählt?

Das New Yorker Oberste Gericht lud insgesamt 500 Personen als mögliche Geschworene vor. In der ersten Woche wurden pro Vorstellungsrunde 120 Personen dem Richter vorgeführt. Richter Burke fragte sie nach ihrer möglichen Befangenheit oder terminlichen Unvereinbarkeiten. Einem Bericht der "New York Times" zufolge wurden am 8. Januar von 120 Personen insgesamt 45 entschuldigt.

Die restlichen Teilnehmer erhielten einen Fragebogen, den sie in der zweiten Woche ausgefüllt abgeben mussten. Durch die Beantwortung des Fragebogens sollen persönliche Einstellungen oder die Unparteilichkeit der Geschworenen festgestellt werden. Der Richter und die Anwälte können in der zweiten Runde die Kandidaten befragen und ausschließen. Das Ziel: Zwölf faire und unparteiische Geschworene zu finden.

Auswahl der Geschworenen - eine Vorentscheidung?

In diesem Fall galt es als besonders schwierig, unvoreingenommene Geschworene zu finden. Einerseits kennt so gut wie jeder in den USA die Medienberichte über Weinstein, andererseits gelten die New Yorker als sehr eigensinnig. Laut der Strafverteidigerin Stacy Schneider sei die Zusammensetzung der Jury bereits eine Vorentscheidung für den Ausgang des Verfahrens.

Die Anwälte versuchen, die Geschworenenbank nach ihren Wünschen zu formen. Die Staatsanwaltschaft möchte so viele Frauen wie möglich unter den Geschworenen sehen. Sie könnten von den Aussagen der zwei Anklägerinnen und weiterer Zeuginnen stärker beeinflusst werden und ihnen Glauben schenken. Im Gegensatz hierzu versuchen die Verteidiger von Weinstein, für die Jury eher Männer auszuwählen.

Der Anklage in die Karten spielen

Es ist anzunehmen, dass die Verteidigung versuchen wird, die zwei Anklägerinnen zu diskreditieren. Die Tatsache, dass Richter Burke neben den zwei Anklägerinnen, auch weitere Zeuginnen in den Zeugenstand rufen wird, könnte diese Taktik ins Wanken bringen und der Anklage in die Karten spielen. Seit 2017 haben mehr als 80 Frauen Weinstein der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigung beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft wird versuchen, sein über Jahrzehnte lang angewandtes Handlungsmuster nachzuzeichnen.

Die Geschworenen müssen einstimmig ihr Urteil bekannt geben. Sollte auch nur eine Person anderer Meinung sein, muss der Fall neu aufgerollt werden. Doch schon steht fest: wie auch immer das Urteil ausfällt, in Los Angeles steht Harvey Weinstein ein weiterer Prozess bevor.

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