ZDFheute

Warum Weinsteins Fall wichtig für #MeToo ist

Sie sind hier:

Prozess in der Schlussphase - Warum Weinsteins Fall wichtig für #MeToo ist

Datum:

Der Prozess gegen Ex-Filmmogul Weinstein wegen Sexualvergehen geht in die Schlussphase. Das Verfahren ist von großer Bedeutung für die #MeToo-Bewegung. Warum? Ein Überblick.

Prozess gegen Harvey Weinstein (Archivbild vom 18.02.2020)
Prozess gegen Harvey Weinstein (Archivbild vom 18.02.2020)
Quelle: EPA

Wie lauten die Vorwürfe?

Mehr als 80 Frauen haben Weinstein sexuelles Fehlverhalten bis hin zu Vergewaltigungen vorgeworfen, darunter so prominente Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow. Viele der Fälle sind allerdings schon verjährt oder wurden aus anderen Gründen nicht zur Anzeige gebracht.

In dem New Yorker Prozess geht es um insgesamt fünf Anklagepunkte, die auf die Vorwürfe von lediglich zwei Frauen zurückgehen: Die Schauspielerin Jessica Mann beschuldigt Weinstein, sie 2013 vergewaltigt zu haben.

Die frühere Produktionsassistentin Mimi Haleyi wirft dem 67-Jährigen vor, ihr 2006 Oralsex aufgezwungen zu haben. Weinstein weist jegliche Vorwürfe zurück und beteuert, immer einvernehmliche sexuelle Kontakte gehabt zu haben.

Wie verlief der Prozess?

Der Prozess begann am 6. Januar. Nach der anderthalbwöchigen Auswahl der zwölf Geschworenen folgten die Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Weinsteins Verteidigerteam rund um die Juristin Donna Rotunno. Als Zeugin der Anklage trat unter anderem die frühere "Sopranos"-Schauspielerin Annabella Sciorra auf, die Weinstein eine bereits verjährte Vergewaltigung vorwarf.

Die Staatsanwaltschaft zielte mit der Befragung von Sciorra und anderen mutmaßlichen Opfern des ehemals mächtigen Filmproduzenten darauf ab, dass es bei ihm ein Muster von sexuellen Angriffen auf Frauen gebe. Eine Psychiaterin schilderte, dass Opfer sexuelle Aggressionen manchmal über Jahre hinweg verdrängen und Kontakt zum Täter halten.

Mit dem Eröffnungsplädoyer hat der Prozess gegen Harvey Weinstein begonnen. Mehr als 80 Frauen werfen ihm sexuelle Übergriffe vor – bei dem Prozess geht es zunächst um zwei Fälle.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Verteidigung versuchte hingegen, die Glaubwürdigkeit der mutmaßlichen Opfer zu untergraben. Mann und Haleyi mussten in Kreuzverhören einräumen, mit Weinstein nach den mutmaßlichen Attacken jeweils mindestens ein Mal einvernehmlichen sexuellen Kontakt gehabt zu haben. Mann blieb mit dem Produzenten gar jahrelang in Kontakt.

Die Anklage warf Weinstein in ihrem Schlussplädoyer vor, ein "Raubtier" zu sein, das seine Macht in Hollywood für sexuelle Übergriffe missbraucht habe. Verteidigerin Rotunno verlangte von den Geschworenen in ihrem Schlussplädoyer, eine "unpopuläre Entscheidung" zu treffen und den aus strafrechtlicher Sicht unschuldigen Weinstein freizusprechen.

Wer sind die Geschworenen?

Der Jury gehören sieben Männer und fünf Frauen an. Bevor sie sich am Dienstag zu ihren Beratungen zurückziehen, wird Richter James Burke sie daran erinnern, dass sie frei von jedem Zweifel von Weinsteins Schuld überzeugt sein müssen, um ihn schuldig zu sprechen.

In jedem der fünf Anklagepunkte müssen die Geschworenen eine einstimmige Entscheidung fällen. Dies dürfte Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern. Sollten die Geschworenen sich nicht einigen, könnte sich Richter Burke gezwungen sehen, ein Scheitern des Prozesses zu verkünden. Dann könnte es einen neuen Prozess geben. Bei einem Schuldspruch bestimmt der Richter das Strafmaß.

Welche Bedeutung hat der Prozess?

Die im Herbst 2017 losgebrochene Flut an Vorwürfen gegen Weinstein hat die #MeToo-Bewegung ins Rollen gebracht, eine beispiellose Kampagne gegen sexuelle Übergriffe. Seitdem wurden zahlreiche Fälle sexueller Gewalt publik gemacht, das einstige Tabuthema wurde offen angeprangert, scheinbar unantastbare Prominente wurden geächtet.

Auch in Europa sorgte #MeToo für viele Debatten. In Deutschland kam das Thema spätestens mit den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Regisseur Dieter Wedel an.

Junge Frau wehrt Gewalt ab

Doku/Wissen -
#MeToo: Der Fall Weinstein
 

Vergewaltigungen und Missbrauch, Schläge und Tötungen, Zwangsheirat oder Zwangsprostitution: Gewalt gegen Frauen ist weltweit alltäglich - auch in Deutschland.

Sollte Weinstein trotz der massenhaften Vorwürfe gegen ihn nun freigesprochen werden, wäre das für die #MeToo-Bewegung ein herber Rückschlag. Sollte er aber verurteilt werden und dann wahrscheinlich lebenslang ins Gefängnis müssen, könnte sein Fall als abschreckendes Beispiel für Machtmissbrauch in Form sexueller Übergriffe dienen.

Den Schlusspunkt der Affäre Weinstein bedeutet die Entscheidung in New York jedenfalls nicht. In Los Angeles laufen Ermittlungen gegen den Ex-Produzenten, außerdem sind mehrere Zivilklagen anhängig.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.