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Welt-Multiple-Sklerose-Tag - Die Krankheit mit 1.000 Gesichtern

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Auch wenn es die erhoffte Impfung noch nicht gibt: Menschen, die unter Multiple Sklerose leiden, können dank moderner Therapien inzwischen meist ein fast normales Leben führen.

Lina lebt seit 2,5 Jahren mit MS. Sie will aufklären und zeigt, was es bedeutet mit der Krankheit zu leben - an guten wie schlechten Tagen.

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Es war eine Nachricht, die Anfang des Jahres aufhorchen ließ: Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech meldete, er habe einen Ansatz für eine mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose (MS) entwickelt. Doch Experten dämpfen die aufkommende Freude bei Betroffenen: Ob das, was da im Tiermodell mit Mäusen funktioniert hat, sich mit menschlichen Zellen wiederholen lässt, ist fraglich.

"Wir haben beim Menschen das Problem, dass die die Krankheit auslösenden Eiweiße je nach genetischem Hintergrund variieren - während genau das bei den Labormäusen nicht der Fall ist. Die Voraussetzungen unterscheiden sich also deutlich", sagt Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik an der Ruhr-Universität Bochum.

Experten trotz Fortschritten zurückhaltend

Multiple Sklerose gilt als "Krankheit mit den 1.000 Gesichtern", weil ihre Symptome so vielfältig sind und sich von Patient zu Patient stark unterscheiden können. Die genauen Ursachen für diese chronische Erkrankung des Nervensystems sind noch nicht endgültig geklärt. Das alles macht eine einheitliche Therapie für alle Betroffenen so schwierig.

Bereits vor 20 Jahren gab es mit der sogenannten eiweißmodifizierten Immunisierungstherapie einen vielversprechenden Behandlungsansatz. Doch während in den Zellkulturen alles bestens funktionierte, löste die Therapie in den Studien am Menschen unerwartet große Entzündungen aus. Deswegen sind Experten auch jetzt erst einmal zurückhaltend.

Die Autoimmunmaterie ist um einiges komplexer als ein mRNA-Impfstoff gegen Corona. Man muss das jetzt vorsichtig in die einzelnen Studienphasen transferieren und vor allem die individuellen genetischen Unterschiede bei den MS-Patienten berücksichtigen.
Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik an der Ruhr-Universität Bochum

 

Rund 250.000 Menschen in Deutschland haben MS

Ralf Gold steht dem Ärztlichen Beirat des Bundesverbandes der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft vor und beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Multipler Sklerose. "Wenn in den 80er Jahren jemand diese Diagnose bekam, hieß es: tut uns leid, das ist unheilbar", erinnert sich der Neurologe. "Die Patienten lebten etwa 15 Jahre kürzer und deutlich schlechter durch die verschiedenen Behinderungen."

Heute hingegen stehen den rund 250.000 MS-Patienten in Deutschland eine Vielzahl an Therapeutika zur Verfügung, mit der bei gut 90 Prozent der Betroffenen das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden kann. "Wer in Mitteleuropa heutzutage an schubförmiger MS erkrankt, der hat im Wesentlichen die gleiche Lebenserwartung wie die Normalbevölkerung und kann ein recht normales Leben mit Familie und Beruf führen", sagt Gold.

Wirkstoff kann schwere Nebenwirkungen auslösen

Entscheidend für diese Entwicklung waren zwei Dinge. Zum einen wurde 2006 der Wirkstoff Natazilumab zur Behandlung der schubförmigen MS zugelassen. "Dieser Antikörper verhindert völlig, dass Entzündungszellen in das Gehirn wandern und dort die für MS typischen Entzündungen auslösen", sagt Gold.

Allerdings besteht gleichzeitig eine erhöhte Gefahr für eine sogenannte progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML). Eine solche schwere Infektion des Gehirns kann schlimmstenfalls zum Tod führen. "Inzwischen wissen wir von mehr als 800 Fällen weltweit", sagt Gold.

Mediziner verstehen nicht alle Mechanismen

Ohne diese Nebenwirkung kommt der zweite große Fortschritt im vergangenen Jahrzehnt aus: Mediziner haben entdeckt, dass es hilft, reife B-Lymphozyten im Körper des Patienten abzutöten. Diese aktivieren normalerweise die T-Zellen, die dann den eigenen Körper angreifen. Das Risiko einer PML ist hier sehr viel geringer, allerdings können diese Patienten aufgrund der runterregulierten Immunabwehr vermehrt unter Infektionen leiden.

Seit April dieses Jahres wurde zudem der Antikörper Ofatumumab zugelassen, der die B-Lymphozyten nur um 90 Prozent reduziert. "Das ist wahrscheinlich die wesentlich bessere Methode, da einige B-Zellen erhalten bleiben", sagt Gold.  

Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) verunsichert viele. Wie geht es weiter im Leben? Fragen, die auch Michael und Deborah beschäftigten.

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Noch nicht alle Mechanismen der Krankheit bekannt

Seit Jahrzehnten wird Multiple Sklerose intensiv erforscht, immer wieder gibt es neue Therapieansätze. Mediziner wissen heute sehr viel über die Erkrankung, verstehen aber noch nicht alle ihre Mechanismen. Wenn diese eines Tages entschlüsselt sind, so die Hoffnung, können Patienten mit MS auch geheilt werden. 

Weitere Informationen zu Multipler Sklerose und zum heutigen Welt-MS-Tag finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG) unter www.dmsg.de

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