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Kommentar

Weltfrauentag - Feministische Debatte realitätsfern

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Der Weltfrauentag ist ein politisches Zeichen gegen Ungleichheiten. Doch der Tag selbst befeuert vor allem eins: Die realitätsferne Debatte des akademischen Feminismus.

Eine Frau desinfiziert Sitze auf der Tribüne eines Fußballstadions
Unterbezahlt und kaum Anerkennung: Frauen in Systemberufen und in Care-Arbeit.
Quelle: epa

Plakate, Versammlungen, Vorträge, Diskussionen und Interviews - der Weltfrauentag ist geprägt von Austausch und Aufmerksammachen auf Ungleichheiten im Beruf und Privaten. Dabei bleibt der Inhalt sehr symbolpolitisch, immer noch.

Veränderung der patriarchalen Kultur nicht erreicht

Feminismus strebt die grundsätzliche Veränderung gesellschaftlicher Normen und der patriarchalen Kultur an, dieses Ziel ist längst nicht erreicht.

Wir diskutieren uns auf sozialen Plattformen wie Twitter oder Instagram zu Tode über Begriffe oder was richtiger oder falscher Feminismus ist - darf man Frauen unterstützen, die mit rücksichtslosen Machtmechanismen genau wie Männer Posten an sich reißen? Oder unterstützt man dann das Patriarchat?

Diese Fragen sind durchaus berechtigt und wichtig. Doch jedes Jahr aufs Neue vergessen jene, die diese Diskurse führen, für wen sie dies tun, und stagnieren in ihrem Fortschritt.

Frauen in Systemberufen und Care-Arbeit

Frauen tragen die Gesellschaft - wortwörtlich. Sie führen mehrheitlich Systemberufe aus, in der Pflege, Pädagogik oder im Einzelhandel.

Hinzu kommt die sogenannte Care-Arbeit. Dieser Begriff umfasst die Sorgearbeit, also Tätigkeiten des Sorgens und Sichkümmerns. Darunter fällt Kindererziehung/Betreuung oder familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunden. Besonders geringverdienende Frauen meistern oft beide Felder - Voll- oder Teilzeitjob und Care-Arbeit.

Unterbezahlung und fehlende Anerkennung

Die akademischen Diskurse haben dort meist keinen Platz. Denn für sie zeigen sich die großen Realitäten der Ungleichheit: Unterbezahlung und fehlende Anerkennung für den gesellschaftlichen Mehrwert ihrer Tätigkeiten.

Meist läuft es für sie auch auf Altersarmut hinaus. Im Schnitt bekommen Frauen rund 45 Prozent weniger Rente als Männer, vor allem (Teilzeit-)Hausfrauen.

Die Pandemie hat die Situation verschärft. Die Soziologin Jutta Allmendinger prophezeite letzten Sommer, dass die Pandemie uns in der Ungleichheit noch weiter zurückwirft in traditionelle Familienbilder: Mutter, Vater, Kind(er). Er arbeitet, sie putzt, kocht, erzieht und verdient nebenbei etwas.

Sie setzen sich ein gegen weibliche Genitalverstümmelung, Abtreibungsverbot, Gewalt gegen Frauen, prekäre Arbeitsverhältnisse und mehr: Europa, Deine Frauen. Eine Porträt-Serie.

Beitragslänge:
14 min
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"Hausfrauen" - größte Berufsgruppe in Deutschland

"Hausfrauen" sind die größte Berufsgruppe in Deutschland, rund 15 Millionen betrifft es. Keine Entlohnung für die Systemarbeit, dazu die Pandemiebedingungen des Homeschoolings, oft wenig Wohnraum, prekäre Verhältnisse.

Die einen möchten also das Frauenbild anders konnotieren, die anderen sind gefangen in der Unsichtbarkeit.

Zusätzliche Faktoren: Intersektionalität, also die Miteinbeziehung aller Geschlechter, und Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Körperbilder, die nicht männlich gelesene Personen kategorieweise weiter benachteiligen.

Reine Symbolik am Weltfrauentag

Zwar wird darüber diskutiert, aber stets theoretisch, wenig praktisch anwendbar. Am 8. März haben sich alle gern, sie empowern sich und schauen auf Geschafftes zurück. Reine Symbolik, denn die Inhalte der Debatten und die sich stets erneuernden Ziele sind theoretisch erst möglich, wenn kleinere akute Meilensteine geschafft sind.

Als Beispiele seien hier der verlässliche Ausbau der Kinderbetreuung genannt, die Schaffung gleicher Bedingungen für Mütter und Väter in der Elternzeit, verlässliche Frauenquoten oder die Garantie, dass keine Ungleichheiten in der Bezahlung entstehen dürfen. Ganz wichtig ist auch die Anerkennung von Hausarbeit, die könnte staatlich vergütet werden.

Veränderung durch Privilegierte

In Berlin ist der Frauentag sogar ein Feiertag, aber gerade nach dem rückschrittlichen Pandemiejahr sollte es wenig Grund zur Freude geben.

In diesen Stunden arbeiten jene Systemträgerinnen, die von dem vor allem stark medial geprägten Feminismus so wenig abbekommen. Sie haben keine Kapazitäten für kleine und große Systemfragen, sie sind angewiesen auf Veränderung, angetrieben durch jene, die in der privilegierten Position sitzen, in den Medien oder der Politik oder der Wissenschaft arbeiten. Der Fokus auf die gern weggedachten Probleme muss größer werden.

Der Frauentag sollte also weniger Anlass zur Heiterkeit und selbstbestätigenden Beweihräucherung sein, sondern eher ermahnend für Feministen und Frauen sein: Es ist noch ein weiter Weg, und er muss gemeinsam beschritten werden.

Was hilft gegen das Patriarchat? aspekte am 5. März - mit Jo Schück.

Beitragslänge:
44 min
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