ZDFheute

Brauchen wir am 8. Mai einen Feiertag?

Sie sind hier:

75 Jahre Ende des 2. Weltkriegs - Brauchen wir am 8. Mai einen Feiertag?

Datum:

Esther Bejarano hat Auschwitz überlebt, Klaus von Dohnanyi den Einsatz in einem Kampfbataillon. Sie erzählen, wie sie die Befreiung erlebt haben - und wie wir gedenken sollten.

Esther Bejarano setzt sich dafür ein, dass der 8. Mai zu einem zentralen Gedenktag ernannt wird. "Das geht gar nicht anders - es muss gefeiert werden", so Bejarano im Interview.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Am 8. Mai 1945 wurde ich als Mitglied eines Kampfbataillons des reichsdeutschen Arbeitsdienstes in die Freiheit entlassen und zwar mit einem dreifachen "Sieg Heil" auf Adolf Hitler, von dem wir alle wussten, dass er längst tot war.

So nüchtern beschreibt Klaus von Dohnanyi jenen Tag, den er in Mecklenburg erlebte. Von dort aus machte er sich auf, um seine Familie wiederzusehen.

Klaus von Dohnanyi erzählt im Video, wie er aus dem Arbeitsbatallion entlassen wurde.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Nicht wissend, dass sein Vater und auch sein Onkel Dietrich Bonhoeffer noch kurz vor dem Tag der Befreiung hingerichtet worden waren. Beide waren aktiv im Widerstand gegen das Nazi-Regime.

Nazis schickten Zehntausende KZ-Häftlinge noch auf Todesmarsch

Ebenfalls in Mecklenburg, in der kleinen Stadt Lübz, waren in jenen Tagen sieben junge Frauen von einem Todesmarsch aus dem KZ Ravensbrück geflüchtet. Sie gehörten zu insgesamt Zehntausenden KZ-Häftlingen, die aus den Lagern weggebracht wurden. Weggebracht von ihren Peinigern, um das Unrecht und massenhafte Morden zu vertuschen vor den herannahenden Alliierten.

Kriegsende vor 75 Jahren - Blicke auf ein Trümmerland

Die Luftaufnahmen alliierter Flugzeuge, die im Frühjahr 1945 deutsche Städte überflogen, sind gespenstisch. Eine Trümmerwüste. Dem totalen Krieg folgte die totale Niederlage.

von Stefan Brauburger

Esther Bejarano, die 20-jährige "Halbjüdin" war eine von ihnen. Das Vernichtungslager Auschwitz hatte sie nur überlebt, weil sie im Mädchenorchester das Akkordeon spielte und so verschont wurde von den NS-Mördern. Anders als ihre Eltern und ihre Schwester Ruth.

Amerikaner und Russen verbrannten gemeinsam ein Hitler-Bild

Die jungen Frauen wurden von amerikanischen Soldaten aufgenommen, die sie nach Lübz brachten, dort im Gasthof bewirten ließen und ein Akkordeon organisierten. Esther spielte, die Freundinnen tanzten und dann fuhren auch noch Einheiten der Roten Armee auf dem Marktplatz von Lübz vor.

GIs und Rotarmisten fielen einander in die Arme, küssten sich, tanzten und feierten. Und verbrannten, wie Esther Bejarano sich in ihrer Hamburger Wohnung 75 Jahre danach erinnert, unter großem Jubel ein Hitler-Bild, das einer der Soldaten aus einem der umliegenden Häuser geholt hatte.

Esther Bejarano erzählt, wie sie die Momente nach ihrer Befreiung erlebte.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Soll der 8. Mai ein Feiertag werden?

Eine historische Situation sei das gewesen, sagt Esther Bejarano ganz ruhig. Ein Tag, an dem ihr Leben überhaupt erst richtig begann, nach der Dunkelheit, die nach einer glücklichen Kindheit in einem liberalen jüdischen Elternhaus ihre Jugend geprägt hatte.

Im Interview erzählt Esther Bejanaro, wie sie die Befreiung aus dem Konzentrationslager erlebt hat. Und warum sie findet, dass der 8. Mai ein Feiertag sein sollte.

Beitragslänge:
24 min
Datum:

Zu einer Erinnerungskultur gehöre eine Gedenkkultur. Und dazu, so meint Esther Bejarano, brauche es einen nationalen Feiertag. Kein Tag sei dafür geeigneter als der 8. Mai, der Tag der Befreiung von der Nazi-Diktatur.

Vergangenheit und Zukunft gehören zusammen

Gedenken sei wichtig, sagt auch Klaus von Dohnanyi, der Vollblutpolitiker der SPD, der es einst zum Bundesbildungsminister und auch zum Hamburger Bürgermeister gebracht hatte. Wichtig im Rückblick auch auf den 8. Mai 1945. Aber noch wichtiger sei es nach vorne zu schauen.

Klimaschutz, Umweltschutz, Digitalisierung und deren Auswirkung auf die Arbeitsplätze, das seien wichtige Fragen und "wir müssen uns mutig mit dieser Zukunft befassen". Und:

Eine Erinnerungskultur ist wichtig, noch wichtiger aber ist Vorwärtskultur.

Guter Geschichtsunterricht und der Blick nach vorne helfen, so von Dohnanyi, Mut für die Zukunft zu haben. Zum Beispiel auch zu wissen, dass die Wirtschaftskrise der 30er Jahre die Nazis erst möglich gemacht habe.

Von Dohnanyi meint, es gäbe genug Feiertage

Von einem nationalen Gedenk- oder Feiertag hält von Dohnanyi  nichts: "Nicht alle Tage, an denen wir gedenken, sollten wir zu Feiertagen des Gedenkens machen". Mit dem 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit), dem 27. Januar (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus) und dem 8. Mai hätten die Deutschen, so sagt er, genug Gedenk- und Erinnerungstage und: "Wir sollten uns der Zukunft zuwenden."

Im Interview erzählt Klaus von Dohnanyi, wie er das Kriegsende erlebt hat. Und warum es nicht nötig ist, am 8. Mai einen Feiertag einzuführen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Die 95-jährige Esther Bejarano hat gemeinsam mit MitstreiterInnen eine Petition verfasst. Hunderttausend Menschen haben schon unterschrieben. Eine Petition an Bundestag, an den Bundespräsidenten, an die Bundesregierung. Credo: Wir dürfen nicht vergessen und nicht schweigen.

Bejarano hofft, dass es am 8. Mai künftig einen Feiertag geben wird

Der 8. Mai soll endlich zu einem nationalen Feiertag werden, meint Bejarano. Nicht jeder Feiertag sei zum fröhlichen Feiern da. Wie zum Beispiel der Karfreitag. Aber dieser Tag der Befreiung sei längst überfällig, einen ganz besonderen Stellenwert zu bekommen in der deutschen Geschichte.

Erstmals sterben in einem Krieg mehr Zivilisten als Bewaffnete. Und die Opferzahlen gehen weltweit in die Millionen. Das Grafikvideo zeigt es!

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Und sie sagt das voller Hoffnung darauf, dass das Erinnern und Gedenken an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte diesen festen Platz bekommt. Gerade auch für die Zukunft, wenn es keine Zeugen jener Zeit mehr geben wird.

Ralf Zimmermann von Siefart leitet das ZDF-Studio in Hamburg.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.