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Flut-Katastrophe im Westen : Tote, Vermisste, Verzweiflung

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Weggespülte Häuser, verwüstete Orte: Die Folgen der Flut-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW sind verheerend. Dutzende Menschen kommen ums Leben. Es gibt viele Vermisste.

Dauerregen hat in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Flüsse und Bäche in reißende Fluten verwandelt. Ganze Landstriche sind verwüstet, Trümmer stapeln sich im braunen Wasser. Mehrere Orte wurden wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten.

Bei einer der größten Flut-Katastrophen der Nachkriegszeit in Deutschland kamen nach bisherigen Erkenntnissen mindestens 58 Menschen ums Leben. Die Zahl der Toten in den zwei Bundesländern war damit noch während der laufenden Rettungsmaßnahmen bereits fast dreimal so hoch wie beim sogenannten Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben.

Mindestens 58 Tote, viele Vermisste

In Rheinland-Pfalz waren mehrere Orte in der Eifel besonders schwer von dem Hochwasser betroffen. Mindestens 19 Menschen starben nach ersten Erkenntnissen im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach Angaben des Innenministeriums wurden neun weitere Tote geborgen - es handele sich um Bewohner einer Behinderteneinrichtung in Sinzig.

Der Kreis Ahrweiler teilte in seinem Lagebericht am Abend mit, dass "derzeit von rund 1.300 Vermissten" ausgegangen werde. Eine Mitarbeiterin der Pressestelle des Landkreises sagte jedoch gegenüber ZDFheute, dass es derzeit in vielen Orten keinen Strom und kein Handynetz gebe. Daher hoffe man, dass man viele Menschen später erreichen werde.

Karte: Hochwassergebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Quelle: ZDF

In Nordrhein-Westfalen starben mindestens 30 Menschen durch das Hochwasser, wie das Innenministerium mitteilte. Mehrere Menschen ertranken in überfluteten Kellern. Die Polizei Köln berichtete von 20 Toten in der Region. Neben zwei in Köln gefundenen Toten seien bislang aus Euskirchen 15 und aus Rheinbach drei Tote gemeldet worden.

Auch in anderen Teilen von NRW sind Tote zu beklagen, etwa in Kamen, Solingen und Geilenkirchen. Zudem starben im Sauerland zwei Feuerwehrleute. Einer von ihnen war in Altena bei der Rettung eines Mannes ertrunken.

In Solingen retteten Einsatzkräfte etwa 130 Menschen aus akuter Not vor den Fluten. "Wir haben die Menschen über Drehleitern, Boote, Bojen herausgeholt", sagte ein Feuerwehrsprecher. Es sind Bilder, mitten aus Deutschland, die hilflos machen.

Viele Orte ohne Strom und Telefon

Die Folgen der Hochwasser-Katastrophe blieben im Verlauf des Donnerstags in vielen Orten unübersichtlich, weil Strom- und Telefonleitungen ausgefallen waren. Rund 165.000 Menschen waren nach Angaben des Energieversorgers Eon auch am Donnerstagnachmittag noch ohne Strom.

Teilweise bestehe kein Zugang zu den Orten, teilte der Kreis Euskirchen mit. Im Kreisgebiet sei die Kommunikation weitgehend ausgefallen. Auch der Feuerwehr-Notruf 112 und die Kreisverwaltung seien nicht zu erreichen. Die Altstadt von Bad Münstereifel wurde völlig verwüstet.

Die Flut-Katastrophe in Bildern:

Den kleinen Ort Schuld in Rheinland-Pfalz traf es besonders schwer. Das Dorf mit etwa 700 Einwohnern - nahe der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen - liegt in einer Schleife an der Ahr, die normalerweise ein kleiner Fluss ist. Nun hat sich die Ahr in ein reißendes Gewässer verwandelt. Die Fluten rissen mehrere Häuser weg, viele weitere Gebäude gelten als einsturzgefährdet. Es liefen dramatische Rettungseinsätze, weil sich Dutzende Menschen auf den Dächern von Häusern in Sicherheit gebracht hatten.

In Trier wurden wegen des Hochwassers Teile der Ortslage Alt-Ehrang sowie ein Krankenhaus und ein Seniorenheim evakuiert. Auch in der Gemeinde Kordel an der Kyll im Landkreis Trier-Saarburg mussten mehrere hundert Menschen in Sicherheit gebracht werden.

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Steinbachtalsperre: Mehrere Orte evakuiert

An der Steinbachtalsperre in NRW wurden die Orte Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim evakuiert - betroffen sind etwa 4.500 Menschen. Die Talsperre sei von einem Sachverständigen als "sehr instabil" eingestuft worden, sagte der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers.

In Swisttal im Süden von NRW sind mehrere Menschen seit Mittwochabend eingeschlossen. Sie sollen mit Hubschraubern der Bundespolizei und der Bundeswehr aus der Luft gerettet werden.

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Die Bundeswehr hat angesichts der schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz rund 850 Soldatinnen und Soldaten zur Unterstützung entsandt. Etwa 230 Helfer seien im Raum Hagen im Einsatz, in Leverkusen etwa 200 und in Ahrweiler 100.  

Bahnverkehr stark eingeschränkt

Wegen der Unwetterlage ist der Regional- und Fernverkehr in NRW und Rheinland-Pfalz stark eingeschränkt. Gleise, Weichen und Signaltechnik seien in vielen Landesteilen stark beschädigt, teilte die Deutsche Bahn mit. Auch Bahnhöfe und Stellwerke seien betroffen.

Die Wetterlage wirke sich auch auf den Fernverkehr aus: Auf der Strecke Köln-Düsseldorf-Essen Dortmund kommt es demnach zu Umleitungen, Verspätungen und Zugausfällen. Die Strecke Köln-Koblenz über den Bonner Hauptbahnhof ist derzeit nicht befahrbar. Auch der internationale Fernverkehr von und nach Brüssel ist unterbrochen.

Weiterer Regen erwartet

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes ist der Höhepunkt der extremen Niederschläge in Teilen Deutschlands überschritten. Für Wuppertal und Teile des Ennepe-Ruhr-Kreises warnte der DWD am Donnerstagabend allerdings erneut vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen.

Karte Wettervorschau Regensummen bis Samstag
Quelle: ZDF

Alles rund um die Flut-Katastrophe lesen Sie hier:

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Liveblog

Tote, Verletzte, Vermisste - Unwetter-Katastrophe in Deutschland  

Deutschland kämpft mit den Folgen der schweren Regenfälle in einigen Teilen Westdeutschlands. Hier die Ereignisse zum Nachlesen.

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