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Welt-Polio-Tag - 80 Millionen Babys wegen Corona nicht geimpft

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Der weltweite Kampf gegen Polio hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Die Corona-Pandemie aber hat auch hier Auswirkungen.

Polio-Impfung eines Kindes in Somalia. Archivbild
Polio-Impfung eines Kindes in Somalia. Archivbild
Quelle: Ben Curtis/AP/dpa/Archivbild

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermutlich 80 Millionen Babys unter einem Jahr in diesem Jahr keine Impfung gegen Polio erhalten.

Polio: Bedrohung für Kinder unter fünf Jahren

2020 dürfte das schwerste Jahr sein, das die Männer und Frauen je erlebt haben, die sich weltweit für die Ausrottung der Krankheit einsetzen, berichtete die WHO zum Welt-Polio-Tag an diesem Samstag, 24. Oktober.

Polio gilt als große Bedrohung, vor allem für Kleinkinder unter fünf Jahren. Die Krankheit greift das Nervensystem an und kann innerhalb von Stunden zur Lähmung führen. Übertragen wird das Poliovirus von Mensch zu Mensch.

Afghanistan und Pakistan sowie Jemen, Sudan und Südsudan kämpfen

Erst im August hatten die WHO und afrikanische Länder das Ende der von Wildtypen des Virus hervorgerufenen Infektionskrankheit auf dem afrikanischen Kontinent verkündet. Afghanistan und Pakistan sind die letzten beiden Länder, die gegen eine Ausbreitung kämpfen.

Es gibt aber eine seltene, von Impfungen stammende Form von Polio, und davon gab es in diesem Jahr in einigen Ländern Ausbrüche, so die WHO, darunter im Jemen, in Sudan und Südsudan.

Für viele ist eine Schutzimpfung völlig normal und notwendig, andere stehen dem Thema sehr skeptisch gegenüber. Die Reporter Johannes Musial und Sarah Lehnert wollen wissen, warum einige Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. In Bayern sprechen sie …

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Corona erschwert den Kampf gegen Polio in Pakistan

In diesem Jahr wurden in Pakistan bisher 64 Fälle mit dem Wildtyp bestätigt, im Nachbarland 37. Die Corona-Pandemie habe den Kampf erschwert, sagt Rana Safdar vor dem Welt-Polio-Tag am 24. Oktober. Der Epidemiologe leitet Pakistans Bemühungen zur Ausrottung der Kinderlähmung. "Wieder mussten wir unsere Impfung von Tür zu Tür unterbrechen."

Dadurch fehlte Millionen von Kindern die wichtige Schutzimpfung, die mehrfach verabreicht werden muss, ehe der Körper Immunität entwickelt. Das Programm gibt es bereits seit 1994. Nach Monaten der Unterbrechung wird in dem Land nun wieder geimpft.

Pakistan und Afghanistan arbeiten im Kampf gegen Polio zusammen, auch weil sich viele Menschen in der Grenzregion zwischen beiden Ländern bewegen. Die große Mobilität der Bevölkerung und saisonale Migration seien dabei eine große Herausforderung. Doch es gibt auch Erfolge. "Es ist uns gelungen, 97 Prozent der Kinder, die wir im Visier haben, zu impfen", sagt der Epidemiologe Safdar.

Sorgen bereitet Safdar die Sicherheitslage in der Grenzregion und die Bedrohung durch islamistische Terrorgruppen. "Wir werden von zivilen, militärischen und Behörden der Strafverfolgung in jeder Hinsicht unterstützt", sagt der 56-Jährige.

Gezielte Falschinformation behindern das Programm

Bereits 2019 hatte Pakistan Rückschritte erlebt, nachdem religiöse Extremisten eine landesweite Kampagne gegen die Impfungen starteten. Grund war ein Fake-Video, das angebliche Schäden durch Impfungen propagierte.

In Teilen Afghanistans gibt es ähnliche Vorbehalte. Heute setzt Safdars Initiative auch auf die Hilfe von einflussreichen Leuten vor Ort - Ärzte, Stammesälteste und Journalisten, die neutral für Impfungen werben. Trotz massiver Aufklärungsarbeit ist es immer noch gefährlich für die rund 275.000 Helferinnen und Helfer, von denen etwa 80 Prozent Frauen sind. Impfkampagnen werden von gewaltsamen Zwischenfällen überschattet, mehr als 80 Mitarbeiter seien in den letzten acht Jahren getötet worden, sagt Safdar.

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