Krieg im Winter: Ist die Ukraine vorbereitet?

    FAQ

    Energie, Lebensmittel und Waffen:Krieg im Winter: Ist die Ukraine vorbereitet?

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    Der Ukraine-Krieg geht erbarmungslos weiter. Während die Temperaturen sinken, greift Russland ukrainische Städte an. So gehen die Armee und Einwohner mit der kalten Jahreszeit um.

    In der Ukraine steht der Winter vor der Tür. Wie werden sich russische Angriffe, Stromnotstand und Kälte auf die weitere Entwicklung auswirken? Ein Überblick.

    Ukraine: Wie ist die Energiesituation zum Winterbeginn?

    Nach der Serie russischer Raketenangriffe auf das Stromnetz kämpft die Ukraine mit massiven Stromausfällen. Viele Haushalte erhalten nur noch maximal acht Stunden Strom täglich. Laut Netzbetreiber Ukrenerho fehlt landesweit mehr als ein Viertel und in Kiew mehr als ein Drittel der nötigen Strommenge. Importe aus dem Westen decken dabei höchstens zehn Prozent des Bedarfs.
    Es sei weiter mit "russischen Attacken auf die kritische Infrastruktur" zu rechnen, so ZDF-Korrespondent Henner Hebestreit. Einen russischen Rückzug aus dem Atomkraftwerk Saporischschja sehe er "im Moment nicht".28.11.2022 | 3:23 min
    Zugleich versucht Ministerpräsident Denys Schmyhal zu beruhigen: 14 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 1,3 Millionen Tonnen Kohle an Reserven reichten aus, um das Land mit Elektrizität und Fernwärme zu versorgen. Über 50 Prozent des Strombedarfs werden ohnehin durch die Atom- und Wasserkraftwerke gedeckt.

    Kann sich die Ukraine mit Lebensmitteln versorgen?

    Geschäfte und Märkte sind bis auf die frontnahen Gebiete gut gefüllt.
    Aufgrund von Arbeitslosigkeit und einer Inflationsrate von 26,6 Prozent im Oktober können sich aber immer weniger Ukrainer Lebensmittel und andere Produkte des täglichen Bedarfs leisten.
    Besonders hart trifft es einkommensschwache Gruppen. Die Durchschnittsrente der etwa elf Millionen Rentner liegt bei umgerechnet 120 Euro. Die Mehrzahl von ihnen muss jedoch mit monatlich nicht mehr als 75 Euro überleben und ist auf Hilfen von Verwandten oder Hilfsorganisationen angewiesen.
    Wie bereitet sich die Ukraine mitten im Krieg auf den bevorstehenden Winter vor? Die Ausgangssituation könnte kaum schwieriger sein, doch Präsident Selenskyj pocht weiter auf Kampfgeist und Durchhaltevermögen.27.10.2021 | 14:52 min

    Wird es eine neue Treibstoffkrise in der Ukraine geben?

    Wegen der ständigen unvorhersehbaren Stromausfälle nutzen Ukrainer massiv Stromgeneratoren. Die Regierung hat den Import durch eine Zollbefreiung stimuliert. Im Nahverkehr wurden die Oberleitungsbusse und Straßenbahnen durch dieselbetriebene Busse ersetzt. Die Eisenbahn setzt vermehrt Dieselloks ein.
    An den Tankstellen kam es erneut ähnlich wie zu Kriegsbeginn und im Frühling zu langen Schlangen. Dem von Treibstoffimporten abhängigen Land drohen bei neuen Luftschlägen auf das Stromnetz erneut leere Tankstellen.

    Ist eine neue Flüchtlingswelle zu erwarten, etwa in die EU?

    Im Hinterland haben sich die Bewohner bereits auf Raketenangriffe und Stromausfälle eingestellt. An der Front ist vorerst nicht mit russischen Durchbrüchen zu rechnen, die eine neue Fluchtwelle auslösen könnten. Sollten neue russische Luftschläge aber zu irreparablen Blackouts und Heizungsausfällen führen, könnten viele Ukrainer in die EU fliehen - insbesondere, wenn das aktuelle Frostwetter in der Ukraine länger anhält.
    Ende kommender Woche sollen die Temperaturen aber deutlich ins Plus steigen. Kiew hat landesweit mit der Einrichtung von Aufwärmpunkten in Schulen, Kindergärten und großen Zelten begonnen, die auch mit Stromgeneratoren und teils Internet ausgerüstet wurden.

    Wie kann die Ukraine die Front im Winter versorgen?

    Verletzungen und Ausfall der Technik werden allein aufgrund der Wetterbedingungen zunehmen. Auch die Versorgung ist schwerer: Die Soldaten brauchen mehr Verpflegung, mehr Brennstoff, wärmere Kleidung als im Sommer. Aufrufe - auch an den Westen - zur Lieferung von Winterkleidung und Brennstoff gab es. Es ist aber noch unklar, ob die Vorbereitung ausreichend war.

    Welche Auswirkungen wird der Winter auf die Kriegsführung haben?

    Im Winter wird die derzeitige operative Pause durch den Herbstschlamm vermutlich beendet. Für die Ukraine, die auf schnelle Vorstöße setzt, ergeben sich wieder bessere Voraussetzungen, ihre Taktik umzusetzen.
    Während die Russen immer noch überlegene Feuerkraft haben, sind die Ukrainer in der Manövrierfähigkeit überlegen. Wichtig wird allerdings sein, welche Seite ihre Soldaten und Technik besser für den Winter ausgerüstet hat. Die meisten Beobachter sehen die Ukraine hier vorn.



    Quelle: Andreas Stein und André Ballin, dpa
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