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Wenn die Wohnungssuche am Namen scheitert

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Diskriminierung im Alltag - Wenn die Wohnungssuche am Namen scheitert

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Werden Menschen bei der Wohnungssuche benachteiligt? Mehmet aus Berlin hatte deswegen geklagt. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellt heute ein Gutachten vor.

Wohnungssuche kann zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit werden. Besonders schwer haben es Mieter, die einen ausländisch klingenden Namen haben. Mehrfach als Mieter abgelehnt wurde auch ein Mann mit türkischem Namen in Berlin.

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Insgesamt vier Mal hatte sich Mehmet auf verschiedene Wohnungen beworben (seinen vollen Namen möchte er aus Angst vor weiterer Benachteiligung nicht nennen). Dabei handelte es sich ausschließlich um Mietangebote des Immobilienkonzerns "Deutsche Wohnen". Unter seinem türkischen Namen erhielt er zwei Absagen. Es hieß, man könne ihm aufgrund der zahlreichen Anfragen kein Angebot unterbreiten. Dann entschied er, sich erneut zu bewerben - mit der deutschen Übersetzung seines Namens. Binnen kurzer Zeit bekam er eine Zusage der "Deutschen Wohnen" zur Besichtigung der Immobilie.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, brachte er daraufhin seine Bewerbung persönlich zum Vermietungsbüro. Am Schalter teilte man ihm dann mit, diese Wohnung sei mittlerweile vermietet. Die Aussage der zuständigen Sachbearbeiterin erschien Mehmet mehr als merkwürdig, denn sie schaute dazu nicht einmal in ihre Unterlagen. "Die Dame hat sich nur die Adresse angeguckt und meinte, die Wohnung sei schon weg", erzählt Mehmet dem ZDF.
Dann bat er einen deutschen Kollegen, sich um die Wohnung zu bewerben. Der hatte dann auch Erfolg - anders als Mehment. Dann zog er vor Gericht.

Amtsgericht gibt Kläger recht

Die unterschiedliche Behandlung der Bewerbungen durch das Berliner Unternehmen war für das Amtsgericht Charlottenburg ausreichend, um dem Kläger nun Recht zu geben. Dass es sich um Diskriminierung handelt, konnte Mehmet durch seine Anfragen mit türkischem und deutschem Namen darlegen.

Das Unternehmen argumentierte, seinen Mitarbeitern stünde es offen, zu bestimmen, wer eine Wohnung besichtigen darf und wer eben nicht, wie "Deutsche Wohnen" betonte. Jedoch hätten sie sich in ihrer Entscheidung keinesfalls durch den Namen des Wohnungssuchenden beeinflussen lassen. Man achte lediglich auf eine "gesunde Mischung".

Dieser Versuch der Rechtfertigung seitens "Deutsche Wohnen" scheiterte. Die Behauptung, eine Auswahl zwischen den Bewerbern erfolge per Zufall und sehr kurzfristig, konnte den Beweisen des Klägers vor Gericht nicht standhalten.

Berliner Immobilienkonzern muss 3.000 Euro Schadensersatz zahlen

Das Amtsgericht Charlottenburg hat Mehmet nun wegen Diskriminierung 3.000 Euro Schadensersatz zugesprochen. 1.000 Euro mehr, als der Kläger ursprünglich gefordert hatte. Grund dafür war, dass das Unternehmen intern die E-Mail Adresse von Mehmet gesperrt hatte.

Die E-Mails von Mehmet gingen zwar bei den Mitarbeitern ein, er bekam auf seine Anfragen allerdings keine Antworten mehr. Diese Methode werde laut Unternehmen zum Beispiel auch bei Mails mit beleidigendem Inhalt verwendet. Einen weiteren Besichtigungstermin zu erhalten war somit nicht mehr möglich.

Laut "Deutsche Wohnen" fehlten lediglich die Beweise

Da in Berlin etwa 110.000 Wohnungen von "Deutsche Wohnen" vermietet werden und Bewerbungen heutzutage fast nur online erfolgen, wurde Mehmet der Zugang zu einem bedeutenden Teil der Berliner Wohnungen abgeschnitten. Damit zeigte sich das Unternehmen auch nachträglich diskriminierend gegenüber dem Kläger.

Das Unternehmen erklärte gegenüber dem ZDF, zukünftig verstärkt daran zu arbeiten, die diskriminierungsfreie Vergabe - unter anderem vor Gericht - nachweisen zu können. So würde es bereits jetzt besonders auf diskriminierungsfreie Wohnungsvergabe achten. Nur der Beweis sei ihnen bei dem vorliegenden Prozess nicht gelungen. Ob Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts eingelegt wird, werde momentan noch geprüft.

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