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Staatsakt für Wolfgang Clement

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In Nordrhein-Westfalen - Staatsakt für Wolfgang Clement

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Politisch und doch sehr persönlich - so war der Staatsakt für den verstorbenen Wolfgang Clement am Dienstag in Bonn. Am stärksten beeindruckte der Auftritt seiner fünf Töchter.

Ehemaliger Bundesminister Wolfgang Clement. Archivbild
Wolfgang Clement (SPD) war ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit.
Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Mit einem Staatsakt in Bonn hat das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag Abschied von seinem ehemaligen Ministerpräsidenten und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement genommen.

Zuletzt hatte es einen offiziellen Staatsakt in NRW 2006 für den früheren Bundespräsidenten und Ministerpräsidenten Johannes Rau (1931-2006) gegeben.

Wolfgang Clement war Journalist, Pressesprecher und SPD-Politiker: Als Ministerpräsident in NRW und als „Superminister“ für Arbeit und Wirtschaft unter Kanzler Schröder setzte er die „Agenda 2010“ um. Von der SPD entfremdet, starb er nun mit 80 Jahren.

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"Nordrhein-Westfalen verliert mit Wolfgang Clement einen modernen Gestalter und pragmatischen Lenker, der das Bild unserer Heimat in Deutschland und Europa nachhaltig geprägt hat", sagte Ministerpräsident Armin Laschet, der mit Landtagspräsident André Kuper (beide CDU) zu der Trauerfeier im ehemaligen Plenarsaal des alten Bundestages im World Conference Center Bonn (WCCB) eingeladen hatte. Der ehemalige SPD-Politiker war am 27. September im Alter von 80 Jahren in Bonn gestorben.

Altmaier: Einer "der ganz Großen der Bonner und der Berliner Republik"

Mit "Gradlinigkeit, Durchsetzungsstärke und Weitsicht" habe Clement "entscheidende Impulse für den Industrie- und Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen gesetzt, von denen wir bis heute profitieren", betonte Laschet. "Unser Land verliert mit Wolfgang Clement einen großen Nordrhein-Westfalen. Sein Verlust schmerzt, sein Erbe bleibt."

Neben Laschet würdigten auch der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sowie der ehemalige Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel den Verstorbenen.

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Gabriel: größere Anteilnahme der SPD am Tode Clements wünschenswert

Gabriel hat seine Partei wegen ihrer zurückhaltenden Reaktionen auf den Tod von Wolfgang Clement kritisiert. "Auch wenn Wolfgang Clement im Jahr 2008 die SPD im Streit verließ, so hat diese Partei ihm doch ungeheuer viel zu verdanken und er ihr natürlich auch", sagte Gabriel in Bonn. "Ich gebe zu, es war für mich doch etwas traurig, dass sein Leben und Wirken von seiner Partei, der er immerhin 38 Jahre lang angehörte und die mit ihm und durch ihn große Erfolge feiern durfte, in diesen Tagen und Wochen jedenfalls nur ganz wenig gewürdigt wurde."

An dem tragischen Unverständnis seiner Partei habe Clement stärker gelitten, als es sich viele vorstellen könnten, sagte Gabriel. Zeit seines Lebens sei er auch ohne Parteibuch ein Sozialdemokrat geblieben. Er habe über sein Verhältnis zur SPD gesagt: "Das wirste nicht los."

Bis in die letzten Monate seines Lebens und noch im Krankenhausbett liegend, ist ihm die Entwicklung seiner ehemaligen Partei beileibe nicht gleichgültig gewesen.
Sigmar Gabriel über Wolfgang Clement

Landtagspräsident Kuper erklärte: "Alte Stärken bewahren - neue Chancen nutzen, so könnte man eine politische Maxime Wolfgang Clements beschreiben. Er scheute sich nicht, für diese Maxime einzutreten, auch dann nicht, wenn er damit aneckte. Es ging ihm um die Suche nach dem bestmöglichen Weg in unübersichtlicher Zeit."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) würdigte Clement als "einen der ganz Großen der Bonner und der Berliner Republik". Viele hätten heute schon wieder vergessen, dass Deutschland um die Jahrtausendwende "der kranke Mann Europas" gewesen sei. "Die Arbeitslosigkeit stieg alle paar Jahre um eine Million an."

Beeindruckender Auftritt der fünf Töchter Clements

An der Gedenkfeier nahmen Angehörige der Familie Wolfgang Clements, Vertreter aus Bund und Land sowie langjährige Weggefährten und Vertraute teil.

Am beeindruckendsten war der Auftritt der fünf Töchter Clements. Sie beschrieben unter anderem die "unglaubliche Liebesgeschichte" ihrer Eltern Wolfgang und Karin, die fast 54 Jahre verheiratet waren. Eine alte Schulfreundin habe sich jetzt noch an ein Bild aus ihrer Jugend erinnert:

Auf einer Schlitterbahn seien unser Vater und unsere Mutter immer vom äußersten Ende der Bahn aufeinander zugeschlittert, um sich dann in einer Umarmung in der Mitte der Bahn zärtlich aufzufangen und zu küssen.
Tochter von Wolfgang Clement

Bis zum Ende seien sie ein Liebespaar gewesen. "So konnte unser Vater erst friedlich sterben, nachdem unsere Mutter ihm gesagt hatte, dass er genug gekämpft habe."

Nach Parteiausschlussverfahren schied Clement freiwillig aus SPD aus

Clement war von 1998 bis 2002 NRW-Ministerpräsident und wechselte dann in das Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit in Berlin. Nach seinem Abschied aus der aktiven Politik hatte der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker die Kritik seiner Partei auf sich gezogen, weil er 2008 vor der Landtagswahl in Hessen dazu aufgerufen hatte, seine Partei nicht zu wählen.

Gegen Clement waren daraufhin mehrere Parteiausschlussverfahren eingeleitet worden, im November 2008 trat er dann selbst aus der SPD aus.

Politiker erliegt Krebsleiden -
Nachruf auf Wolfgang Clement
 

Der frühere NRW-Ministerpräsident und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

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