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85. Geburtstag des Filmemachers - Woody Allen zwischen Witz und Bitterkeit

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Woody Allen gehört zu den großen Filmemachern unserer Zeit. Überschattet wird sein Erfolg von Missbrauchsvorwürfen. Heute wird er 85 Jahre alt.

US-Regisseur Woody Allen
US-Regisseur Woody Allen
Quelle: dpa

Fast jedes Jahr ein neuer Film: Seit Jahrzehnten liefert Woody Allen seinen Fans verlässlich Material, schreibt Drehbücher, führt Regie und steht oft auch selbst vor der Kamera.

Mit Meisterwerken wie "Der Stadtneurotiker", "Manhattan", "Hannah und ihre Schwestern", "Vicky Cristina Barcelona" oder "Blue Jasmine" und zahlreichen Auszeichnungen hat er sich längst Legendenstatus erarbeitet - und Allen, der heute 85 Jahre alt wird, macht scheinbar unbeirrbar weiter.

Woody Allen hat keine Angst vor Ideenmangel

Die Angst vor einer Schreibblockade oder einem Mangel an Ideen sei "die einzige, die ich nicht habe", sagte er einmal. Allens Erfolg wird seit Jahrzehnten überschattet von Missbrauchsvorwürfen seiner Adoptivtochter. Im Zuge der "MeToo"-Bewegung gegen sexuelle Belästigung kochten diese erneut hoch - und machen Allen in seiner Branche mehr und mehr zur Randfigur, von der sich viele Hollywood-Stars abgewendet haben.

Der Regisseur, der zuletzt 2019 die romantische Komödie "A Rainy Day in New York" veröffentlichte, hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen - und auch jegliches Interesse an seinem öffentlichen Image verneint. "Was auch immer geschieht, ich lebe in einer Art Blase", schrieb Allen gerade erst in einer im Frühjahr trotz scharfer Proteste veröffentlichten Autobiografie.

Ich lese schon seit Jahren nicht mehr, was so über mich geschrieben wird, am Lob anderer oder an ihrer Analyse meiner Arbeit habe ich keinerlei Interesse.
Woody Allen

Auch das Interesse Allens an der Zukunft seiner Branche, die sich immer mehr in Richtung Streaming orientiert, scheint gering. Er habe noch nie einen Computer benutzt, sagt der Regisseur. Streaming sei nicht seine Sache. "Für mich ist der langsame Zerfall der Kinos eine schreckliche und traurige Sache."

Das ganze Phänomen, mit Menschen in einer Schlange zu stehen und sie zu beobachten, und in einem großen, dunklen Raum mit einer großen Leinwand zu sein - das ist ein großartiges Erlebnis. Und jetzt sehe ich, wie meine Töchter mit einem Laptop im Bett sitzen und sich etwas ansehen. Das ist nicht dasselbe.
Woody Allen

Allen galt als "Spaßbremse auf jeder Party"

Geboren als Allan Stewart Konigsberg in eine jüdische Familie im New Yorker Stadtteil Brooklyn hinein, sei er schon als Kind ein "ängstliches, nervöses, emotionales Wrack" und eine "Spaßbremse auf jeder Party" gewesen, sagt der Regisseur. Am liebsten schwänzte er die Schule, haute nach Manhattan ab und schaute sich stundenlang Kinovorstellungen und Mädchen an.

Julia Roberts und Woody Allen in einer Szene des Films "Alle sagen: I Love You."
Julia Roberts und Woody Allen in einer Szene des Films "Alle sagen: I Love You."
Quelle: dpa

Als Comedian und Witze-Schreiber schaffte der Mann mit der markanten schwarzen Brille den Sprung in die Entertainment-Branche und Ende der 60er Jahre schließlich zum Film. Die 70er Jahre machten ihn zum Star, mit Filmen wie "Der Stadtneurotiker" und "Manhattan". New York ist Allen bis heute treu geblieben. Der Regisseur lebt auf der noblen Upper East Side.

Schicksalhafte Ehe mit Mia Farrow

Zwei frühe Ehen scheiterten nach nur wenigen Jahren. Danach folgen Beziehungen mit der Schauspielerin Diane Keaton und der Schauspielerin Mia Farrow - die wohl folgenreichste Verbindung in Allens Leben. Die Beziehung der beiden hält rund zwölf Jahre und verändert das Leben des Regisseurs für immer.

Als die beiden sich kennenlernen, hat Farrow bereits drei leibliche Kinder aus einer gescheiterten Ehe mit dem Komponisten André Previn und drei adoptierte. Gemeinsam adoptiert das Paar zwei weitere Kinder und bekommt schließlich ein leibliches.

Allen heiratete Stieftochter seiner Ex-Frau

Bis heute ist allerdings nicht klar, ob der 1987 geborene Satchel, später Ronan Farrow - inzwischen Pulitzer-Preis-gekrönter Investigativjournalist, der mit seinen Aufdeckungen über den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein die "MeToo"-Bewegung gegen sexuelle Bewegung mit angestoßen hat - wirklich Allens Sohn ist. Allen selbst hält es für "möglich", dass er das Kind von Musik-Legende Frank Sinatra sein könnte.

Zum großen Knall kommt es 1992. Erst verliebt sich Allen in Farrows Adoptivtochter Soon-Yi Previn, mit der er heute verheiratet ist und zwei Töchter adoptiert hat. Die anschließende Schlammschlacht beherrschte monatelang die Schlagzeilen.

Adoptivtochter wirft Allen bis heute Missbrauch vor

Auf dem Höhepunkt werfen Farrow und die gemeinsame Adoptivtochter Dylan Allen sexuellen Missbrauch des Kindes vor. Der Regisseur hat die Missbrauchsvorwürfe immer bestritten, ein Gericht gab ihm weitgehend recht. Adoptivtochter Dylan hat immer dagegengehalten. Die Fronten sind bis heute verhärtet. "Dass ich Dylan nicht aufwachsen sehen durfte, gehört zu den traurigsten Dingen meines Lebens." So ernsthaft zeigt sich Allen selten.

Selbst auf Fragen nach dem Tod antwortet er meist mit Witzen. "Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn's passiert", sagte er einmal. Aber auch: "Stürbe ich in diesem Augenblick, könnte ich mich nicht beklagen."

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