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Messerattacke in Würzburg : Was wir wissen - und was nicht

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Der Mann, der in Würzburg drei Menschen getötet hat, hatte sich das Messer im Kaufhaus genommen. Zu den Hintergründen der Tat hat die Polizei keine abschließenden Erkenntnisse.

Nach dem tödlichen Messerangriff in Würzburg ist noch nicht klar, ob der Täter psychisch verwirrt gehandelt hat oder ob er ein islamistisches Motiv hat. Bei der Attacke am späten Freitagnachmittag in der Innenstadt gibt es mindestens drei Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Der Verdächtige wird durch einen Polizeischuss gestoppt und festgenommen.

Was wir wissen

Die Tat: Offensichtlich ohne jede Vorwarnung greift der 24-Jährige am Freitag gegen 17 Uhr in einem Kaufhaus am Barbarossaplatz Menschen mit einem langen Messer an. Das Messer hat er zuvor aus einer Auslage des Kaufhauses genommen. Auch in einer gegenüberliegenden Bank und auf der Straße attackiert er der Polizei zufolge Passanten.

Die blutige Bilanz der Messerattacke: drei tote Frauen, drei lebensgefährlich verletzte Frauen, ein Mädchen und ein Jugendlicher in Lebensgefahr, ein leicht verletzter Mann und eine leichtverletzte Frau, so die Polizei. Nach Angaben der Polizei besteht nach aktuellem Kenntnisstand "keine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfern".

Durch herbeieilende Passanten kann der Täter in eine Seitengasse gedrängt werden, dort wird er von den eingetroffenen Polizeikräfte durch einen Pistolenschuss ins Bein an der Flucht gehindert und festgenommen.

Die Opfer: Der Täter hatte es offenbar bewusst auf Frauen abgesehen. Nach unterschiedlichen Angaben zu Zahl und Identität der Opfer des Messerangriffs von Würzburg hat die Polizei am Sonntag ihre Angaben präzisiert. Demnach starben in einem Kaufhaus drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren. 

Zudem verletzte der Somalier in dem Geschäft einen 57 Jahre alten Mann leicht. Der 24-Jährige griff in dem Laden den Ermittlungen zufolge auch eine 52-jährige Frau an. Sie wurde schwer verletzt, ist aber außer Lebensgefahr. Auf der Straße vor dem Kaufhaus fanden Polizisten ein elfjähriges Mädchen sowie einen 16 Jahre alten Jugendlichen - beide mit schweren Verletzungen. Lebensgefahr bestand bei beiden am Sonntag nicht mehr.

Der Täter verletzte darüber hinaus eine 26 Jahre alte Frau leicht - sie wurde ebenfalls auf der Straße gefunden. In einer nahe gelegenen Bank soll der Mann eine weitere Frau angegriffen haben. Die 73-Jährige kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, ist aber laut Polizei nun außer Lebensgefahr.

Der Zustand einer 39-Jährigen, die der Somalier ebenfalls attackierte, war am Sonntag stabil. Sie sei nicht mehr in einem lebensbedrohlichen Zustand, sagte der Sprecher. Wo der Mann diese Frau angriff, war zunächst unbekannt.

Der mutmaßliche Täter: Der Angreifer ist den Ermittlern zufolge 24 Jahre alt und hat die somalische Staatsbürgerschaft. Er soll 1997 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren sein. Er kommt im Mai 2015 nach Deutschland. Berichten zufolge erhält der Somalier subsidiären Schutz, da in seinem Heimatland ein Bürgerkrieg herrscht.

Zuletzt lebt er in einer Obdachlosenunterkunft in Würzburg. Der Polizei ist der Mann bereits vor der Attacke bekannt - allerdings nicht wegen islamistischer Umtriebe. Nach psychischer Auffälligkeit muss er seit kurzem in psychiatrische Behandlung. Es hat einen Streit mit Mitbewohnern und Betreuern des Wohnheims gegeben - auch dort wird ein Messer gezückt, es kommt jedoch nicht zu einer körperlichen Auseinandersetzung.

Gegen den Täter wird nun ein Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und sechsfachen versuchten Mordes erlassen. Außerdem werden ihm weitere Körperverletzungen vorgeworfen. Er befindet sich jetzt in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt.

Die Polizei weist in einer Pressekonferenz ausdrücklich darauf hin, dass sie von einem Einzeltäter ausgeht.

Die Ermittlungen: Die Polizei war am Freitag mit einem Großaufgebot in der Universitätsstadt präsent. In der Obdachlosenunterkunft wird nach Beweise und Hinweisen zu den Hintergründen der Tat gesucht. Auch werden Handyvideos und Zeugenaussagen ausgewertet.

Das bayerische Landeskriminalamt übernimmt in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft München nun die Ermittlungen zu den Hintergründen der Messerattacke.

Was wir noch nicht wissen

Die Opfer: Warum hat er gerade sie ausgesucht?

Das Motiv: Diese wohl drängendste Frage ist nach wie vor nicht beantwortet. Die Ermittler sind weiterhin mit Spurenauswertung und Zeugenbefragungen beschäftigt. Ziel sei es, den genauen Tatablauf zu rekonstruieren und das Motiv des Angreifers herauszufinden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Ermittler gehen zum einen dem Verdacht nach, der 24 Jahre alte Somalier könnte psychisch krank sein. Zum anderen könnte eine extremistische Einstellung für den Messerangriff des Mannes in der Innenstadt mitverantwortlich gewesen sein.

Bei der Einordnung der Bluttat schließt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Freitagabend einen islamistischen Anschlag nicht aus: Im ZDF heute journal erklärt er, ein Augenzeuge habe berichtet, der Angreifer habe "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen, das lasse auf einen islamistischen Hintergrund schließen.

Der Verdächtige ist - laut Polizei - in den vergangenen Monaten bereits gewalttätig gewesen und psychisch aufgefallen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnet die Bluttat als Amoklauf.

Aus Sicherheitskreisen heißt es indes, der mutmaßliche Täter habe bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse. Der "Spiegel" berichtet, der Mann habe angegeben, "mit der Tat seinen 'Dschihad' verwirklicht" zu haben. In der Unterkunft des Täters werden auch Dokumente sichergestellt, die möglicherweise Hassbotschaften beinhalten, diese werden aber noch ausgewertet, so die Polizei.

Die Vorgeschichte: Dazu ist bisher fast nichts öffentlich bekannt, etwa ob der 24-Jährige vorbestraft ist und wie er nach Deutschland kommt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge darf sich nach Aussagen eines Sprechers aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu Einzelfällen im Asylverfahren äußern.

Auch sagen die Beamten bisher nichts zu den gewalttätigen Übergriffen des Mannes auf andere in der Vergangenheit - warum, auf wen, wie schlimm? Ob und wie die Sicherheitsbehörden ihn auf dem Schirm gehabt haben, ist offen.

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