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WWF Living Planet Report - Starker Rückgang bei vielen Tierarten

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Die Tierbestände sind weltweit auf dem Rückzug. Das ist das Ergebnis des neuen WWF Living Planet Reports. Ein gefährlicher Trend, der sich aber noch stoppen lässt, so die Autoren.

Die neunjährige Kala, ein westlicher Flachlandgorilla, hält ihr 24 Stunden altes Junge im Gorillahaus in Bristol Zoo Gardens im Arm, aufgenommen am 20.08.2020
Stark gefährdet: der Flachlandgorilla
Quelle: dpa

Die Kurve des "Living Planet Index" zeigt deutlich nach unten: Um durchschnittlich 68 Prozent ist der Bestand aller von den WWF-Wissenschaftlern erfassten Tierbestände zwischen 1970 und 2016 gesunken. Dazu gehören mehr als 20.000 Bestände von rund 4.400 Wirbeltierarten aus aller Welt, darunter Säugetiere, Vögel, Fische und Reptilien.

Noch nie sei es um die biologische Vielfalt so schlecht bestellt gewesen wie heute.

Wäre der Living Planet Index ein Aktienindex, würde er die größte Panik aller Zeiten auslösen,

sagt dazu Christoph Heinrich vom WWF. Besonders dramatisch ist die Lage für die Artenvielfalt in Gewässern und Feuchtgebieten. In diesem Bereich liegt der Rückgang sogar bei 84 Prozent und ist damit noch höher als in Wäldern und Ozeanen.

Die Tierbestände sind weltweit um mehr als zwei Drittel geschrumpft. Zwischen 1970 und 2016 sanken die Bestände um 68 Prozent. Ursache ist unter anderem die Vernichtung der Wälder.

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Übernutzung und Klimakrise

"Die Hauptursachen sind die Zerstörung der Lebensräume, Übernutzung, zum Beispiel durch Fischerei, durch Umweltverschmutzung und die Klimakrise", erklärt WWF-Biodiversitäts-Experte Günter Mitlacher. Aus Gewässern zum Beispiel werde zu viel Wasser entnommen, Flüsse werden umgestaltet oder ausgebaggert. Zusätzlich wandern häufig fremde Arten ein und verdrängen die alten.

Zu den besonders gefährdeten Tieren gehören der Östliche Flachlandgorilla im Kongo, Lederschildkröten in Costa Rica und Störe im Jangtse. Auch der bis zu drei Meter lange Mekong-Riesenwels ist bedroht. Große Tiere brauchen oft auch große, komplexe Lebensräume und reagieren auf Veränderungen besonders empfindlich.

Ein Mekong-Katzenfisch (Mekongriesenwels) liegt auf einem Boot im Tonle Sap (Kambodscha), aufgenommen am 08.02.2013
Mekong-Riesenwels in Kambodscha
Quelle: dpa

Nicht alle Tierarten erfasst

Regional fallen die Zahlen sehr unterschiedlich aus. Für Europa und Zentralasien verzeichnet der Report einen Rückgang von 24 Prozent, für Afrika von 65 Prozent, für Nordamerika von 33 Prozent, für die Asien-Pazifik-Region von 45 Prozent und für Lateinamerika und die Karibik von 94 Prozent. Dort sind vor allem Reptilien, Amphibien und Fische betroffen, die zunehmend ihren Lebensraum etwa durch die intensive Landnutzung verlieren.

Klar ist dabei allerdings: Der Living Planet Report erfasst nicht alle Tierarten. Davon gibt es Millionen. Aber: "Diese Zahlen sind ein Gradmesser und zeigen uns, was wir in der Natur mit unserem Lebensstil anrichten", sagt Mitlacher.

Lederschildkröte am Strand von Grande Riviere  in Trinidad und Tobago
Ebenfalls gefährdet: die Lederschildkröte
Quelle: AP

Biber breitet sich wieder aus

Es gibt auch Erfolgsgeschichten. In Mitteleuropa hat sich zum Beispiel der Biber an Fließgewässern wieder ausgebreitet. Mitlacher: "Das ist erfreulich, kann aber an Wasserstraßen zu Problemen führen, wenn die Uferbefestigungen untergraben werden". Ein artgerechtes Management sei daher notwendig.

Auch die Bestände von Meeresschildkröten konnten sich an vielen Stränden wieder vergrößern, nachdem die Nester vor Eierdieben bewacht und Schutzgebiete eingerichtet wurden. "Früher wurde das Schildkrötenfleisch auch gegessen - es wurde zum Glück vom Teller verbannt", so Mitlacher.

Politik muss Weichen stellen

Noch lasse sich die Kurve des Living Planet Reports wieder nach oben biegen. Dazu sei vor allem mehr Artenschutz nötig. Bis 2030 müsse ein Drittel der Erde unter Schutz gestellt werden. Aber das allein reiche nicht aus, sagt der WWF-Experte. Lebensmittel müssten ökologisch produziert, "unser Fleisch nicht auf Kosten des Regenwaldes im Amazonas konsumiert" und Fischbestände nachhaltig bewirtschaftet werden.

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28 min

Die Politik müsse dafür die Weichen stellen. Und: "Wir Verbraucher können unseren Teil dafür leisten und zum Beispiel weniger tierische Produkte wie Fleisch und Milchprodukte konsumieren."

Wenn nichts davon passiere, gehe der Schwund der Vielfalt weiter - mit katastrophalen Folgen auch für die Menschen. "Kollabierende Ökosysteme sind nicht mehr nutzbar", sagt Mitlacher.

Wir brauchen biologische Vielfalt zur Ernährung der Bevölkerung, für Holzprodukte und neue Medikamente. Natur ist also systemrelevant.
WWF-Biodiversitäts-Experte Günter Mitlacher

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

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