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Zwischen Airbus und Apfelbäumen

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ZDF in Hamburg-Finkenwerder - Zwischen Airbus und Apfelbäumen

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Hamburg-Finkenwerder: Das ist die Suche nach Identität zwischen Apfelbäumen und dem größten Flugzeughersteller Europas.

Hamburgs Stadtteil Finkenwerder ist im Umbruch. Die Zukunft des größten Arbeitgebers Airbus sieht düster aus. Deshalb sucht man auf der Elbinsel am Hamburger Stadtrand nach neuen Perspektiven – Tourismus als Zukunftsprogramm.

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Mit der stadteigenen Hafenfähre ist Finkenwerder nur einen Katzensprung entfernt von den St. Pauli-Landungsbrücken oder auch vom Anleger Teufelsbrück an Hamburgs immer noch piekfeiner Elbchaussee. Jeden Morgen fahren hunderte Angestellte des größten europäischen Flugzeugbauers Airbus rüber zum südlichen Elbufer, um dort ihrer Arbeit nachzugehen.

Die andere Seite, das Südufer der Elbe, war seit jeher geprägt vom überbordenden Hafenbetrieb, von den Werften, aber auch von Fischerdörfern und Inseln im Elbstrom.

Airbus Magnet für Arbeit auf Finkenwerder

Auch "auf" Finkenwerder, einer solchen ehemaligen Insel, hatten Fischer, Arbeiter und Obstbauern das Sagen. Den sprichwörtlichen Hamburger Pfeffersäcken mit ihren prachtvollen Villen schauen sie von "drüben" seit jeher auf ihre geradezu geleckten Gärten und Grundstücke.

Heute arbeiten mehr als 15.000 Menschen allein bei Airbus auf Finkenwerder. Viele von ihnen kommen auch aus dem benachbarten Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Rund um Airbus hat sich eine erkleckliche Anzahl von Zulieferfirmen zum Thema Flugzeug angesiedelt.

"Airbus muss Stellen abbauen, die Verhandlungen laufen", so Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte bei Airbus in Finkenwerder. Die Branche ist seit der Corona-Pandemie in der Krise.

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Airbus ist Fluch und Segen für Finkenwerder

Nicht ganz zufällig ist Hamburg mit rund 40.000 Beschäftigten der weltweit drittgrößte Standort für die Luftfahrtindustrie - nach Seattle mit Boeing und Toulouse mit dem Hauptsitz von Airbus. Zurzeit bangen die Beschäftigten allerdings um mehr als 2.000 Arbeitsplätze, die das Unternehmen Corona-bedingt allein hier abbauen will.

Airbus ist Fluch und Segen zugleich für das kleine Finkenwerder. Fluch, weil große Flächen direkt an der Elbe einst Landebahn und Werkhallen weichen mussten und weil der Anlieferungs- und Schwerlastverkehr den Stadtteil so sehr lahmlegte, dass schon vor Jahren eine Umgehungsstraße gebaut werden musste. Eine Entlastung, die aber bis heute nicht reicht, um den Durchfahrtsverkehr zu bannen. Das Gesicht des einstigen Fischerdorfes hat arg gelitten.

Die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen: Viele Unternehmen waren gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. Auch Beschäftigte in der Luftfahrt müssen um ihren Job bangen.

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Der Segen, den Airbus mit seinen Arbeitsplätzen nach Finkenwerder brachte, scheint vieles zu heilen. Die örtlichen Vereine - 21 davon hat der 12.000-Seelen-Ort - profitieren immer mal wieder von einer großzügigen Spende des Flugzeugbauers. Nur von den Gewerbesteuern, die Airbus den Hamburgern in den Stadtsäckel spült, kommt hier zu wenig an, meinen viele Menschen hier.

Auf Hamburg-Finkenwerder wird "plattdütsch schnackt"

Auf Finkenwerder mit seinem Status als ehemalige Elbinsel ist man stolz und selbstbewusst den Hamburgern gegenüber, die hier als weit weg und ein bisschen fremd empfunden werden. Man schnackt platt, jedenfalls unter den Alteingesessenen.

Aber auch unter den Jungen werden alte Bräuche gelebt oder wiederbelebt. In der Finkwarder Speeldeel etwa, einer folkloristischen Tanz- und Gesangsgruppe, wo sogar unter Jugendlichen "Plattdütsch schnackt ward" bis hin zur Freiwillligen Feuerwehr. Gorch Fock (eigentlich Johann Wilhelm Kienau), der plattdeutsche Schriftsteller ("Seefahrt ist Not"), stammt von hier und hat etliche Spuren hinterlassen, unter anderem ein Haus, in dem sein Erbe bewahrt wird.

In Deutschland bestehen heute noch verschiedene Dialekte des Plattdeutsch. Meistens wird die Sprache von Generation zu Generation weitergegeben.

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Fischgeschäft gibt es schon lange nicht mehr

Und die Scholle "Finkenwerder Art" (mit Speck gebraten und serviert) hat hier ihren Ursprung, auch wenn es schon lange kein Fischgeschäft mehr gibt - von Fischern ganz zu schweigen. Es gibt lediglich einen alten, restaurierten, segelnden Hochseekutter, die "Landrath Küster", die als eine der letzten Zeugen längst vergangener Zeiten im alten Kutterhafen liegt.

Im Kern des alten Dorfes werden nach und nach alte Fischer- und Kaufmannshäuser restauriert, die von den Glanzzeiten Finkenwerders zeugen. Denn einst kamen viele aus der Stadt herüber, um in einem der vielen Tanz- oder Fischlokale vom anstrengenden Großstadtleben durchzuschnaufen. Das ist lange her.

Was bewegt die Menschen im Hamburger Stadtteil Finkenwerder?

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Finkenwerder wird zunehmend bunt und weltoffen

Dennoch wächst die Neugier der Hamburger für ihren "unbekannten" Stadtteil jüngst wieder. Finkenwerder liegt auch sinnbildlich zwischen Airbus und Apfelbauern. Das Fischerdorf wurde zu einem Industriestandort mit Hochtechnologie. Nur der südliche - ursprünglich mal nicht hamburgische Teil des Ortes - ist von Wiesen und Obstplantagen geprägt.

Junge Familien, Menschen mit türkischen oder arabischen Wurzeln, aber auch Studenten und Flüchtlinge der Großstadt finden auf Finkenwerder zunehmend ein neues Zuhause. Die Zukunft hier ist eine buntere, eine Paarung aus Tradition und Weltoffenheit. Aber das ist eigentlich nichts wirklich Neues. Und ein bisschen hamburgisch dann letztlich doch.

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