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Huhn der Zukunft - Eier - aber nicht um jeden Preis

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Mit Kükentöten soll bald Schluss sein - per Gesetz. Stattdessen sollen Eier getötet werden. Eine Alternative: Man züchtet ein Huhn, bei dem weder Küken noch Eier sterben müssen.

„Cream“ haben die Züchter*innen ihre weiße Hühnerrasse genannt, „Coffee“ die braunen.
Bei Zweinutzungshühnern werden nicht nur die Eier der Hennen vermarktet, sondern auch das Fleisch ihrer Bruderhähne.
Quelle: Joanna Michna

Noch nie haben wir Deutschen so viele Eier gegessen: 2020 waren es 19,9 Milliarden, das sind 239 pro Person. Viel Geld müssen die Konsument*innen dafür nicht ausgeben. Beim Discounter kostet ein Ei 15 Cent.

Bäuerliche Betriebe können da nicht mithalten. Geflügelkonzerne beherrschen den Markt und trimmen die Legehennen auf Höchstleistung. Oft mit fatalen Folgen: Überzüchtung, Tierquälerei, mangelnde Hygiene, Einsatz von Medikamenten.

Zudem setzen die Brüder dieser Turbo-Hennen kaum Fleisch an und sind damit unwirtschaftlich. Die Folge: Jährlich werden 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet, weil sie in den auf Effizienz getrimmten Legehennenbetrieben keine Verwendung finden.

Küken im Ei töten - ein halbherziges Gesetz

Damit soll 2022 Schluss sein. Ein entsprechender Gesetzentwurf liegt vor. In Zukunft sollen Züchter und Züchterinnen das Geschlecht im Ei vor dem Schlüpfen bestimmen und die Eier der männlichen Küken töten. Alles gut? Mitnichten, meint Inga Günther von der Initiative Ökologische Tierzucht.

Da muss man dann auch die Wahrheit sagen. Es ist nicht so, dass das Küken nicht getötet wird, sondern es wird im Ei getötet mit dem entsprechenden Schmerzempfinden.
Inga Günther, Initiative Ökologische Tierzucht

Deswegen müsse man die Eier auch betäuben, bevor sie getötet werden. Denn die Wissenschaft ist unsicher, ob die Embryonen im Ei bei der Tötung nicht leiden müssen. Ausschließen können sie es nicht. Ein weiterer Nachteil: Die Selektion im Ei wird nur von wenigen Unternehmen angeboten; das fördert die Abhängigkeit der Landwirt*innen von der Industrie.

System Hühnerhaltung neu denken

Doch immer mehr Bäuerinnen und Bauern wollen den großen Konzernen die Stirn bieten und das System der Hühnerhaltung von Anfang an neu denken. Wie kann man artgerecht Hühner halten und trotzdem Geld verdienen?

Wie können bäuerliche Betriebe Zucht, Brüterei und Futterproduktion wieder selbst in die Hand nehmen und sich aus dem hochspezialisierten industriellen System befreien? Wie die Verbraucher*innen von neuen Konzepten überzeugen?

Hühner, die zweierlei können

Die Lösung ist eigentlich einfach: weg von den Hochleistungsrassen, zurück zu einem widerstandsfähigen, gesunden Huhn, bei dem die Hennen Eier legen und die Hähne genug Fleisch ansetzen, um wirtschaftlich interessant zu sein. Zweinutzungshühner nennt man diese Rassen, die Eier UND Fleisch produzieren.

Inga Günther züchtet sie mit Erfolg. Bereits auf 500 Höfen produzieren die Zweinutzungshennen der Initiative Ökologische Tierzucht Eier, zum Teil in großen Herden bis zu 3.000 Hühnern für den Verkauf in Supermärkten. Artgerechte Haltung ist auch "im großen Stil" garantiert: Viel Freilauf, Staubbäder, Eiernester, Ruhebereiche und Pick-Steine ermöglichen natürliches Verhalten und befriedigen auch das Bedürfnis der Hühner, Dinge zu untersuchen.

Zweinutzungshuhn teurer, aber "seinen Preis wert"

Gefüttert wird zunehmend regionales Biofutter für gesunde Hühner und Eier. Doch die Zweinutzungshennen legen naturgemäß ca. 60 Eier weniger im Jahr. Das und die artgerechte, biologische Haltung macht die Bio-Eier von Zweinutzungshennen teurer. 50 bis 70 Cent pro Stück kosten sie im Verkauf. "Das Ei von dem Zweinutzungshuhn ist überhaupt kein Luxus", sagt Inga Günther.

Man müsste sagen, es kostet weniger Tierleid, dafür kostet es mehr von meinem Geld; aber das ist es ja auch wert, es ist preiswert. Es ist seinen Preis wert.
Inga Günther, Initiative Ökologische Tierzucht

Denn bei dieser Rasse muss kein Küken getötet werden - weder nach dem Schlüpfen noch im Ei.

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