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"Ein Vorbild für die ganze Welt"

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Deutsch-dänische Grenze wird 100 - "Ein Vorbild für die ganze Welt"

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Vor 100 Jahren stimmte Schleswig ab, welcher Teil dänisch und welcher deutsch werden soll. Die Grenze gilt bis heute - ein "Vorbild für die ganze Welt", so die dänische Königin.

Deutsch-dänische Grenze bei Pattburg/Padborg
2020 wird grenzenlos gefeiert - die deutsch-dänische Grenze bei Pattburg/Padborg.
Quelle: imago

Die einen sagen Moin, die anderen meistens Hej - trotzdem verstehen sich die Menschen an der deutsch-dänischen Grenze problemlos. Tausende von ihnen pendeln täglich über die Grenze zur Arbeit, in der Flensburger Innenstadt ist gerade am Wochenende viel Dänisch zu hören. Trotz Ärgernissen wie den dänischen Grenzkontrollen und dem umstrittenen Wildschweinzaun entlang der 70 Kilometer langen Grenze gilt die Region und das Verhältnis der dort lebenden Menschen als Musterbeispiel friedlichen Zusammenlebens - auch 100 Jahre nach einem der wichtigsten Momente in der deutsch-dänischen Geschichte.

Weltkriegsende und Neuanfang

Damals, im Jahr 1920, verdaute die Welt gerade die Schreckenszeit des Ersten Weltkriegs. Der 1919 ausgehandelte Friedensvertrag von Versailles beendete den Krieg und trat am 10. Januar 1920 - also vor genau 100 Jahren - in Kraft. Deutschland musste mehrere Gebiete abgeben, darunter Nordschleswig an Dänemark.

Was dem Weltkrieg ein Ende setzte, führte damit in der deutsch-dänischen Grenzregion zu einem Neuanfang: Eine klare Mehrheit in Nordschleswig sprach sich im Februar 1920 in einer Volksabstimmung für eine Wiedervereinigung mit Dänemark aus, einen Monat später stimmten die Menschen in Südschleswig für einen Verbleib in Deutschland. Noch im selben Jahr wurde nördlich von Flensburg und südlich von Tønder eine neue Grenze gezogen.

Die Dänen gliederten Nordschleswig - sie sagen Sønderjylland (Süderjütland) - am 15. Juni 1920 wieder formal ins Königreich ein. In der Grenzregion ruckelte sich seitdem alles friedlich zurecht. Und noch viel mehr: Die demokratische Grenzziehung und das friedliche Miteinander von Deutschen und Dänen in der Region gelten international - weitgehend unabhängig von der Politik auf beiden Seiten der Grenze - als vorbildhaft. Die Dänen feiern all das nun unter dem Motto "Genforeningen 2020" - Wiedervereinigung 2020 - mit einem Jubiläumsjahr voller Konzerte, Ausstellungen, Theaterstücken und mehr. 

Veranstaltungen und Aktivitäten in ganz Dänemark

Wir haben gemeinsam ein gutes Fundament geschaffen, auf dem wir diese Partnerschaft noch weiter ausbauen und in die Zukunft richten können.
Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein

Nach dem heutigen offiziellen Auftakt mit einer Gala im Königlichen Theater in Kopenhagen sind bis Juli rund 1.000 Veranstaltungen und Aktivitäten in ganz Dänemark geplant, sagte Projektleiter Simon Faber. Dabei werde es auch Schnittmengen mit dem Deutsch-Dänischen Kulturellen Freundschaftsjahr geben, das bereits Ende 2019 eröffnet wurde. Hinzu kommen Kooperationen mit Schleswig-Holstein.

Von dort reist unter anderen Ministerpräsident Daniel Günther an, um beim Start in Kopenhagen dabei zu sein. Die Jubiläumsfeierlichkeiten seien "ein besonderes Zeichen der heute gelebten Freundschaft und Partnerschaft beider Länder, der in der deutsch-dänischen Grenzregion lebenden Menschen und der Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze", sagte er. "Wir haben gemeinsam ein gutes Fundament geschaffen, auf dem wir diese Partnerschaft noch weiter ausbauen und in die Zukunft richten können."

Jede Menge Feierlichkeiten

Karte: Grenzregion Dänemark - Deutschland
Die deutsch-dänische Grenzregion im Überblick.
Quelle: ZDF

Dänemark legt sich in dem Festjahr mächtig ins Zeug. In verschiedenen süddänischen Kommunen gibt es Leuchtturmprojekte. Schauspieler Lars Mikkelsen ("House of Cards") und der Dänische Rundfunk erzählen die besondere Geschichte von 1920 in ihrem Mehrteiler "Grænseland". Das Museum Sønderjylland lässt einen "Wiedervereinigungsbus" durchs Land fahren, und der von Kronprinz Frederik initiierte Royal Run, eine jährliche Laufveranstaltung mit Tausenden Teilnehmern, startet diesmal in Sønderborg nur wenige Kilometer nordöstlich von Flensburg.

Lob von ganz oben

Das ist zu einem Vorbild für die ganze Welt geworden.
Königin Margrethe II.

Apropos Königshaus: Auch Königin Margrethe II. ist voll des Lobes für das deutsch-dänische Verhältnis. Die Menschen in der Region hätten dazu beigetragen, dass sich das Grenzgebiet über die Jahre so harmonisch und friedlich entwickelt habe, sagte sie zuletzt in ihrer Neujahrsansprache. "Das ist zu einem Vorbild für die ganze Welt geworden." In einem Interview für die Genforeningen-Jubiläumsausgabe des Magazins "Grænsen" sagte die Monarchin zudem, sie hoffe natürlich darauf, dass das Grenzgebiet ein Ort bleiben werde, "wo man weiter in Frieden miteinander leben wird".

Im vergangenen Sommer hatte sich die Monarchin selbst im nördlichen Schleswig-Holstein ein Bild von der Grenzregion gemacht. Dort leben heute etwa 50.000 Menschen, die der dänischen Minderheit zugerechnet werden. Zur deutschen Minderheit nördlich der Grenze zählen etwa 15.000 Menschen. Kommunen, Behörden, kulturellen Einrichtungen und Einsatzkräfte arbeiten auf beiden Seiten der Grenze eng zusammen.

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