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100-jähriges Bestehen - Wie das Saarland zum deutschen Bundesland wurde

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Vor 100 Jahren beginnt die Geschichte des Saarlandes - sie ist hierzulande einmalig: Zweimal von Deutschland getrennt, zweimal konnten die Saarländer über ihre Zukunft abstimmen.

Vor 100 Jahren trat der Versailler Vertrag in Kraft. Geburtsstunde des Völkerbundes und damit auch des Saargebietes, das damals zur eigenständigen Region wurde. Ab heute wird das „Saarhundert“ gefeiert.

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März 1954, Ludwigsparkstadion Saarbrücken. Im Qualifikationsspiel für die Fußball-WM gewinnt Deutschland 3:1 gegen das Saarland. Das Saarland?! Das Land Saarland!

Von 1947 bis 1957 war das Saarland ein unabhängiger Staat, mit eigener Verfassung und Staatsbürgerschaft. Daran erinnern sich auch Horst Schmadel und Werner Weiter noch. Horst Schmadel, heute 74 Jahre alt, war damals ein Kind. Seine Familie musste für den Urlaub in Deutschland die Grenze passieren und auf einem Schein notieren, wie viel Geld sie dabei hat. Werner Weiter ist heute 94 Jahre alt. Seinen Pass hat er insgesamt viermal gewechselt.

Karte: Saarland
Quelle: ZDF

Seine geografische Lage und seine Bodenschätze machten das Saarland jahrhundertlang zum Zankapfel der deutsch-französischen Erbfeindschaft. Wirtschaftlich wuchs die Region bereits im 19. Jahrhundert zusammen. Politisch war sie zwischen Bayern und Preußen aufgeteilt.

Der Versailler Vertrag ebnet dem "Saargebiet" den Weg

Bis vor genau 100 Jahren. Am 10. Januar 1920 trat der Versailler Vertrag in Kraft. Das Saargebiet entstand als eigenständige Region unter Verwaltung des Völkerbunds - die Geburtsstunde des Saarlandes. Damit wollte sich Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg als Reparationsleistung für erlittene Kriegsschäden den Zugriff auf die Saarkohle sichern.

versailler vertrag
Verhandlungen über den Versailler Vertrag: Das Inkrafttreten des Vertrags am 10. Januar 1920 hatte auch Folgen für das Saarland.
Quelle: dpa

"Zu dem Gefühl, Saarländer zu sein, trägt mit Sicherheit die erste Etappe eines staatlichen Saargebiets maßgeblich bei. Die 15 Jahre bis zum 13. Januar 1935 waren eben auch eine Zeit, in der die Menschen sich zum ersten Mal bewusst werden konnten, in einem eigenen staatlichen Territorium zu leben. Das gab es ja vorher nicht", erklärt der Historiker Paul Burgard, der am saarländischen Landesarchiv arbeitet. 1935 kehrte das Saarland nach einer Abstimmung der Bevölkerung mit gut 90 Prozent Ja-Stimmen nach Deutschland zurück.

Werner Weiter aus St. Nikolaus war damals zehn Jahre alt und war es gewohnt, zu seiner Oma ins Nachbardorf Merlenbach zu laufen. Wie er die Rückkehr zum Deutschen Reich nach 1935 erlebte, erzählt er im Video:

Zeitzeuge Werner Weiter erzählt, wie er 1936/37 den Anschluss an das Deutsche Reich erlebt hat.

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Das eigenständige Saarland - mit Wappen und Münzen

Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland dann ein eigenständiger Staat: Anfang 1946 wurde das Saarland aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert und bekam eine eigene Verfassung. Ein eigenes Wappen, eigene Münzen - all das führt zu einer eigenen Mentalität und zur Identitätsstiftung. Ein anderes sportliches Großereignis neben dem WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland 1954: Therese Zenz holt sich den Titel der Weltmeisterin im Einer-Kajak über 500 Meter - eine saarländische Weltmeisterin.

"Auch wenn man die Grenze damals abgelehnt hat, war es trotzdem eine Alltagserfahrung. So etwas führt natürlich dazu, dass nach innen die Identitätsbildung gestärkt wird. Das zeigt ja auch die historische Erinnerung an diese Zeit, die ja heute noch extrem lebendig ist", sagt der Historiker Burgard. "Es gibt ja zum Teil bis in die Folklore hinunter Insignien der Saarstaatszeit, das damalige Saarstaatswappen. Das kleben sich noch heute viele Menschen aufs Auto."

Der Einfluss von Frankreich ist enorm

Wirtschaftlich wurde das Land damals Frankreich angeschlossen, auch bildungs- und kulturpolitisch gab es einen starken französischen Einfluss. Dagegen regte sich immer mehr Widerstand: 1955 votierten die Saarländer gegen das Saarstatut und somit für die Rückkehr nach Deutschland. 1957 trat das Saarland als zehntes Bundesland der Bundesrepublik bei.

Horst Schmadel, der 74-Jährige, hat in seinem Keller Ausweise aller Epochen gesammelt, Passierscheine und sogar einen Fahrradausweis, mit dem man über die Grenze durfte. Mit seinem Freund Werner Weiter, dem 94-Jährigen, erzählt er in historischen Spaziergängen an der Grenze von dem Hin und Her. Nicht nur die beiden sind fasziniert von der wechselvollen Geschichte des Saarlandes.

"Welche Zeit war das jetzt?", fragt Schmadel den älteren Herrn, als er ein Nummernschild fürs Auto hochhält. "Da waren wir schon selbstständig", sagt Weiter. Also aus den 1950ern. Ein anderes Schild sieht recht mitgenommen aus. "Das war 1918/19. Als die ersten Autos bei uns fuhren, hatte man diese Nummernschilder", sagt Werner Weiter stolz. Vor 100 Jahren, als die Geschichte des Saarlandes begann.

Vera De Wel ist Reporterin im ZDF-Studio Saarbrücken.

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