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1990 - Abschied von der DDR

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30 Jahre Wiedervereinigung - 1990 - Abschied von der DDR

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328 Tage bleiben der DDR, nachdem die Mauer gefallen ist. Es sind Monate, in denen sich das Leben von 16 Millionen Menschen im Osten Deutschlands grundlegend ändert.

Trabis auf der A9 nach dem Grenzübergang Rudolphstein (1989).
328 Tage vergingen zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung.
Quelle: Reuters

Es begann mit dem wohl schönsten Fehler der deutschen Geschichte: Am 9. November 1989 redete sich Günter Schabowski, Mitglied des obersten Führungszirkels der DDR-Staatspartei SED, um Kopf und Kragen. Sein Lapsus ermöglichte das Wunder von Berlin: den fulminanten Fall der Mauer - "sofort, unverzüglich". Die Grenzen waren offen, und alles schien nun möglich.

Günter Schabowski verkündet Reisefreiheit
"Sofort, unverzüglich": Günter Schabowski verkündet am 9. November 1989 die Reisefreiheit für DDR-Bürger.
Quelle: ZDF

Das Leben in der DDR zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung

Es war eine Zeitenwende, die das Leben vieler auf den Kopf stellte. Die DDR löste sich in rasantem Tempo auf. Die Geschwindigkeit, mit der sich der Wandel vollzog, überraschte fast alle, verunsicherte viele und löste nicht selten Ängste aus. Manche klammerten sich verzweifelt an die Vergangenheit. Andere nutzten die Gunst der Stunde und nahmen ihr Schicksal in die eigene Hand.

Es waren Lebenswege, die zu keiner anderen Zeit denkbar gewesen wären, als in den turbulenten elf Monaten zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung.

Erste "Westwaren" in der DDR

Es sind Geschichten wie die von Barbara Egler: 1984 war sie gemeinsam mit ihrem Mann aus der DDR ausgereist. Nun ging sie den umgekehrten Weg und eröffnete noch vor der deutsch-deutschen Währungsunion den ersten Quelle-Shop der DDR im thüringischen Weida. Für die lange entbehrten "Westwaren" rannten die Menschen ihr regelrecht die Bude ein. Der Laden wurde zur Goldgrube.

Andere DDR-Bürger und -Bürgerinnen wie Ulla Wacker aus Dresden dagegen träumten von einem "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus. In der Elbestadt riefen sie sogar einen eigenen "Staat" aus - die "Bunte Republik Neustadt", samt Monarch und provisorischer Regierung. Als Stadtteilfest existiert die "BRN" bis heute. "Gerade Dresden tut die Bunte Republik Neustadt extrem gut", sagt Ulla Wacker. "Hier wird eine Toleranz und Vielfarbigkeit gelebt, die haben wir in anderen Ecken der Stadt leider nicht mehr."

Kein Tag kerbt Höhen und Tiefen so markant in die deutsche Geschichtschronik ein wie der 9. November.

Beitragslänge:
44 min
Datum:

Von der "Miss DDR" zur "Miss Germany"

In den Tagen des Umbruchs 1990 schien vieles möglich: Das Leben der Brandenburger Krankenschwester Leticia Koffke bewegte sich auf geordneten Bahnen, bis sie zum Spaß bei einer Misswahl mitmachte - und die erste und gleichzeitig letzte "Miss DDR" wurde. "Mit diesem Ereignis wurde ich rauskatapultiert", so Koffke, die heute in Köln lebt und im selben Jahr 1990 noch die Wahl zur gesamtdeutschen "Miss Germany" gewann.

"Die Welt stand mir offen und mein ganzes Leben hat sich komplett verändert. Diese persönliche Wende, das ist der Punkt, der mich auch heute immer noch berührt, und ich denke: Wow, dass mir das passiert ist!"

"Mein Lebenswerk war zerbrochen"

Doch längst nicht alle hatten so viel Glück. Eberhard Aurich war überzeugter Sozialist und seit 1983 Erster Sekretär des Zentralrats der "Freien Deutschen Jugend", der einzigen staatlich geförderten Jugendorganisation der DDR. Noch im Herbst 1989 trat er zurück, die FDJ war bald darauf Geschichte - wie der ganze Staat.

Und Menschen wie der einst überzeugte Grenzoffizier Erich Petke aus Treffurt mussten nun dabei mithelfen, die Mauer abzubauen. "Mein Lebenswerk war zerbrochen", so Petke. Dem Einzug der D-Mark im Juli 1990 folgte auch das Ende vieler Ostbetriebe. Der Dresdner Franz Zadnicek vom Kamerahersteller VEB Pentacon verlor damals seinen Job - wie Millionen andere Menschen in den neuen Bundesländern in den darauffolgenden Jahren. Sie sahen sich oft als Verlierer der Wende.

Wiedervereinigung nach 328 Tagen

328 Tage nach dem Mauerfall war Deutschland geeint. Noch nie in der Geschichte hatten zwei Gesellschaften so unterschiedlicher Prägung so schnell zusammenfinden müssen. "Dass die Mehrheit der Ostdeutschen innerhalb kürzester Zeit in einer über Jahrzehnte gewachsenen Demokratie ihren Platz findet, darüber reden wir eigentlich zu wenig", bilanziert Bundespräsident a.D. Joachim Gauck. "Wir können uns freuen über die Ostdeutschen, die mit einer unglaublichen Energie diesen Wandel gemeistert haben".

Doku | ZDFinfo Doku -
Deutschland '89 - Countdown zum Mauerfall
 

"Countdown zum Mauerfall" erzählt die Meilensteine, die zu dem historischen Ereignis im November 1989 geführt haben. Startpunkt ist genau ein Jahr vorher, im Herbst 1988.

Videolänge:
44 min
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