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"Fördermittel allein reichen nicht"

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30 Jahre deutsche Einheit - "Fördermittel allein reichen nicht"

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Fragt man Martin Junkernheinrich, Professor für Stadt- und Regionalökonomie, nach der Lage in Ost und West, so wird klar: Unterschiede sind nicht immer dort, wo man sie vermutet.

Die Lebensverhältnisse zwischen Ost und West gleichen sich allmählich an. Doch im vereinten Deutschland wächst jetzt die Kluft zwischen Stadt und Land.

Beitragslänge:
28 min
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makro: Eine jüngst veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, die Trennlinie zwischen Ost und West sei heute weniger bedeutend als jene zwischen Stadt und Land. Teilen Sie diese Aussage?

Martin Junkernheinrich: In Ostdeutschland wurde in den letzten drei Jahrzehnten viel erreicht. Wenn man bedenkt, dass man mit einer sehr geringen Produktivität und einem Zusammenbruch der Ostmärkte gestartet ist, war der Aufholprozess schneller als der Strukturwandel in manchen westdeutschen Regionen.

Erkennbar sind aber weiterhin Unterschiede zwischen den Bundesländern. Dahinter verbergen sich in Ost und West vielfältige Unterschiede zwischen Stadt und Land. Aber auch zwischen den ländlichen Räumen wie auch zwischen den Städten bestehen große Unterschiede.

Eine Region wie die Westpfalz steht ebenso wie Mecklenburg-Vorpommern - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - ungünstiger da als Niederbayern. Unter den Verdichtungsräumen hat das Ruhrgebiet seinen Strukturwandel noch nicht beendet. In Brandenburg könnte hingegen im ländlichen Raum eine neue ökonomische Basis entstehen.

makro: Die Abwanderung von Ost nach West ist gestoppt. Das Ausbluten ländlicher Regionen zugunsten von Städten keineswegs, und zwar bundesweit. Müssen wir uns damit abfinden?

Junkernheinrich: Nein, das tun wir auch nicht. Es gibt zahlreiche Förderprogramme, die den ländlichen Raum stärken. Der ländliche Raum entwickelt sich allerdings sehr unterschiedlich.

Probleme haben insbesondere die dünn besiedelten, peripheren Räume, häufig in Grenzlagen.

Hier sind neue "Geschäftsmodelle" gefragt, vom naturnahen Tourismus bis hin zum digitalen Arbeiten und zu digitalen Vermarktungsstrategien. Letzteres erfordert aber einen flächendeckenden Ausbau der digitalen Kommunikationsinfrastruktur. Hieran mangelt es jedoch, weil die privaten Anbieter diese Räume bei schwacher Nachfrage nicht bedienen.

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makro: Ostdeutsche Städte wie Leipzig, Dresden, Jena oder Potsdam sind heute attraktive Zentren mit vielen jungen, kreativen Köpfen. Hier entsteht Zukunft. Strahlt das auch ins Umland aus?

Junkernheinrich: Starke Städte haben schon immer positive Impulse für ihre Regionen gesetzt. Im ländlichen Raum übernehmen Mittelstädte häufig diese Aufgabe. Eine gute Stadtpolitik ist gut für die Regionalentwicklung. Die Entwicklung des ländlichen Raumes braucht starke Städte mit Arbeits- und Kulturangeboten. Insofern ist es wichtig, auch diese Ankerstädte zu stärken.

makro: Was können strukturschwache Westregionen vom durch den Strukturwandel gestählten Osten lernen?

Junkernheinrich: Die Erfahrungen in Ostdeutschland zeigen uns erneut, dass Strukturwandel ein längerer Prozess ist, der stark von aktiven Akteuren - von Unternehmern, Bürgermeistern, Landespolitikern und vielen anderen - vorangetrieben wird. Fördermittel allein reichen nicht. Strukturwandel muss man wollen und gestalten.

Das Interview führte Carsten Meyer.

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