Kritik am 49-Euro-Ticket: "Hilft Geringverdienern wenig"

    Kritik am 49-Euro-Ticket:"Hilft Geringverdienern wenig"

    |

    Nach der Einigung auf ein 49-Euro-Ticket folgt prompt Kritik: Verbraucherzentralen und Pro Bahn ist der Preis zu hoch, der Städtetag sorgt sich um Investitionen in Bus und Bahn.

    Fahrgäste auf einem Bahnsteig
    Fahrgäste auf einem Bahnsteig
    Quelle: dpa

    Nach der Grundsatzeinigung für ein 49-Euro-Ticket für Busse und Bahnen kritisieren Verbraucherzentralen, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Deutsche Städtetag die Pläne von Bund und Ländern.
    Die Verbraucherzentralen fordern größeres Augenmerk auf soziale Aspekte. "Der öffentliche Nahverkehr muss für alle erschwinglich sein, unabhängig vom Einkommen", sagte die Leiterin für Verbraucherpolitik beim Bundesverband, Jutta Gurkmann. "Insbesondere Empfängerinnen und Empfängern von Transferleistungen, aber auch Geringverdienenden ohne staatliche Leistungen hilft ein 49-Euro-Ticket wenig."

    Bund und Länder einigen sich grundsätzlich

    Die Verkehrsminister von Bund und Ländern hatten sich am Donnerstag grundsätzlich für ein 49-Euro-Ticket als Nachfolger für die beliebten 9-Euro-Tickets im Sommer ausgesprochen. Die Länder sind aber nur zu einer Mitfinanzierung bereit, wenn es eine Verständigung über eine Anhebung der Regionalisierungsmittel aus Berlin gibt. Mit diesem Geld des Bundes bestellen sie Busse und Bahnen.
    Gurkmann sagte, das Bekenntnis der Länder zu einer bundesweiten Nachfolgeregelung des 9-Euro-Tickets sei grundsätzlich begrüßenswert.

    Mit Blick auf die extrem gestiegenen Energiekosten enttäuscht das Ergebnis jedoch.

    Jutta Gurkmann

    Um einen wirklichen Anreiz für einen Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu schaffen, hatte der Verband ein 29-Euro-Ticket gefordert, das auch monatlich gekauft werden kann.
    29-Euro Ticket
    Seit 1. Oktober gibt es in Berlin eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket: das 29-Euro-Ticket. Das Ticket soll vorab aber nur befristet für das Stadtgebiet gelten.05.10.2022 | 1:48 min

    Pro Bahn: Angebot für Fernverkehr fehlt

    Auch der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass 49 Euro für einkommensschwache Menschen zu teuer seien. Generell seien die Verkehrsbedürfnisse zu komplex, als dass sie mit einer einzigen Antwort wie dem 49-Euro-Ticket beantwortet werden könnten, sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann.
    So hätten Pendlerinnen und Pendler im Fernverkehr nichts von dem Sonderangebot, das nur für den Regionalverkehr gelten soll. Zudem brauche es mehr Gelder für den Ausbau der Infrastruktur über eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel. Mit diesen Mitteln finanziert der Bund den ÖPNV mit. Die Regierung streitet mit den Ländern derzeit über die künftige Höhe.
    Doch auch sonst ergebe ein bundesweiter Einheitspreis für sämtlichen Regionalverkehr aus Naumanns Sicht nicht immer Sinn. "Wenn man in Richtung Verkehrswende denkt, dann muss es günstiger sein, von Berlin aus zum stadteigenen Müggelsee zu fahren als an die Nordsee", sagte er. "Schließlich hat auch das Fahren mit dem ÖPNV Umweltauswirkungen und die sind bei kürzeren Strecken geringer."
    Kai Niklasch berichtet von der Verkehrsministerkonferenz
    Kommt das 49-Euro-Ticket? Bis zuletzt haben die Verkehrsminister von Bund und Ländern um eine Einigung gerungen. ZDF-Reporter Kai Niklasch berichtet von der Konferenz in Bremerhaven.13.10.2022 | 1:20 min

    Städtetag: Mehr Geld für Busse und Bahnen

    Der Deutsche Städtetag begrüßt das geplante 49-Euro-Ticket grundsätzlich, fordert aber dauerhaft mehr Geld vom Bund für Busse und Bahnen.
    Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte, das Ticket dürfe wichtige Investitionen in den Nahverkehr nicht ausbremsen, etwa weil es zulasten der Grundfinanzierung oder des Angebotsausbaus geht.

    Wir wollen und brauchen in vielen unserer Städte neue, umweltfreundlichere Busse und Bahnen, attraktive Haltepunkte und kürzere Taktzeiten.

    Helmut Dedy, Deutscher Städtetag

    Der Bund hatte zugesagt, ein Nachfolgeticket des 9-Euro-Ticket mit 1,5 Milliarden Euro zu finanzieren - wenn die Länder mindestens den gleichen Betrag zur Verfügung stellen. Dedy sagte, diese Zusage reiche auf keinen Fall, um die im Verkehrsbereich dringend erforderlichen Ziele für den Klimaschutz zu erreichen.
    Quelle: dpa

    Mehr zum ÖPNV