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50 Jahre Greenpeace - "Fast jede Aktion ist gefährlich"

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Gewagte Aktionen, spektakuläre Bilder: Seit 50 Jahren polarisiert Greenpeace mit seinen Umweltkampagnen. Warum das Rezept "David gegen Goliath" funktioniert, erklärt ein Experte.

Alles begann Protesten gegen Atomtests vor Alaska: 50 Jahre später ist Greenpeace aufgrund seiner teils spektakulären Aktionen eine der bekanntesten Umweltschutzorganisationen.

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Mit dem Schlauchboot gegen Industriefrachter: Immer wieder legt sich Greenpeace mit Milliarden-Konzernen und der Industrielobby an. Den Aktivisten geht es um Aufmerksamkeit. Ihre Aktionen gleichen einem öffentlichen Pranger. Am Mittwoch feiert der Umweltverband sein 50-jähriges Jubiläum. Am Erfolgsrezept hat sich über die Jahrzehnte wenig verändert.

"Das Geheimnis von Greenpeace sind Bilder - spektakuläre Bilder, spektakuläre Kampagnen, die sorgfältig inszeniert sind", sagt der Historiker Frank Uekötter im ZDF-Interview. "Das traf von Anfang an, seit den 70er-Jahren, einen Nerv und eine Lücke in unserem Umweltdiskurs."

Wir brauchen nicht nur Expertenwissen, wir brauchen nicht nur Lösungen, sondern wir brauchen auch diese Bilder, die uns immer wieder herausfordern und uns daran erinnern, wie wichtig dieses Thema ist.
Frank Uekötter

Umweltprobleme werden "noch nicht ernst genug" genommen

"Dosen haben Pfand, Müll wird getrennt", so Uekötter weiter. "Wir steigen aus Atom und Kohle aus: Umwelt- und Klimaschutz sind längst in der Breite der Gesellschaft angekommen". Doch die Greenpeace-Aktionen seien keinesfalls überholt, sagt Uekötter, der an der Universität in Birmingham zu Umwelt- und Protestbewegungen forscht. Das Jubiläum des Verbands sei "eine Erinnerung daran, dass da ein Stachel ist, den wir brauchen, weil wir Umweltprobleme immer noch nicht ernst genug nehmen."

Die Inszenierung folge dabei der Idee "David-gegen-Goliath" - waghalsige Aktionen im Kampf gegen die übermächtige Industrie. "Fast jede Greenpeace-Aktion ist gefährlich", erklärt Uekötter, der das Rezept zusammenfasst: "Man muss gründlich planen, man muss recherchieren. Man braucht einen plakativen Umweltskandal. Und es muss vor allem Bilder geben."

Es ist eine Grundregel von Greenpeace, dass niemand verletzt werden darf.
Frank Uekötter

Protestaktion zur EM in München lief schief

Ein Greenpeace-Aktivist landet im Münchener Stadion. Archiv
15. Juni 2021: Eine missglückte Protestaktion: Ein Greenpeace-Aktivist landet vor einem EM-Spiel im Münchener Stadion. Zwei Menschen werden verletzt. Die Organisation entschuldigt sich.
Quelle: Christian Charisius/dpa/Archivbild

Nicht immer läuft alles nach Plan: Im Sommer diesen Jahres verursachte Greenpeace einen Skandal, nachdem ein Aktivist während der Europameisterschaft mit einem Motorschirm in der Münchner Allianz Arena notlanden musste und dabei zwei Männer am Kopf verletzte. 

"München war ein Schock", betont Uekötter. "Ich hoffe, dass das gründlich aufgearbeitet wird. Die Vorbereitung von Greenpeace ist eigentlich immer ein Markenzeichen gewesen." Bislang seien nur wenige Aktionen schiefgelaufen, berichtet der Historiker.

Vom Hippie-Verein zum professionellen Umweltkonzern

Über die Jahre hat Greenpeace einen Wandel durchlaufen: vom Hippie-Verein zum professionellen Umweltkonzern. Ist das nicht ein Verrat an den eigenen Wurzeln? Nein, meint Uekötter. Wer aufwändige Kampagnen orchestriert, brauche eben Geld. "Man muss jedoch Transparenz herstellen", sagt er. "Das ist der Weg, als Großkonzern, der Kampagnen schafft, glaubwürdig zu bleiben."

Greenpeace setzt indes weiter auf spektakuläre Bilder, andere Organisationen konzentrieren sich auf die Sacharbeit.

Es stünde schlecht um unsere Umweltszene, wenn Greenpeace der einzige Umweltverband wäre.
Frank Uekötter
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