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"Endlösung der Judenfrage" : Wannsee-Konferenz: Vom Massenmord zum Genozid

Datum:

Vor 80 Jahren fand die berüchtigte Wannsee-Konferenz statt, hier wurde die "Endlösung der Judenfrage" geplant. Was wurde dabei genau besprochen? Und mit welchen Folgen?

Archiv: In diesem Haus besprachen 1942 Vertreter der nationalsozialistischen Regierung und SS-Behörden unter Vorsitz von SS-Obergruppenführer Heydrich die "Endlösung der Judenfrage"
In der Villa Am Großen Wannsee 56/58 in Berlin fand das Treffen zur Koordination der "Endlösung der Judenfrage" statt.
Quelle: picture alliance / Konrad Giehr | Konrad Giehr

Was war die Wannsee-Konferenz?

Im Sommer 1941 beauftragte Hermann Göring, Hitlers zweiter Mann im Staat, SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich damit, "alle erforderlichen Vorbereitungen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa" zu treffen. Heydrich war Chef des Reichssicherheitshauptamtes, der zentralen Verfolgungs- und Vernichtungsbehörde des NS-Regimes.

Er lud daraufhin die wichtigsten Ministerien und Organisationen zu einer Konferenz in eine Villa am Berliner Wannsee ein. Der Völkermord, der längst im Gange war, sollte hier besprochen und organisatorisch abgestimmt werden.

Wie kam es zu der Konferenz?

Bereits mit dem deutschen Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 hatte auch der Mord an der jüdischen Bevölkerung eingesetzt. Der planmäßige Massenmord an Jüdinnen und Juden begann jedoch mit dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion am 22. Juni 1941.

Im Rücken der Wehrmacht folgten vier Spezialeinheiten der SS sowie Polizeibatallione: mobile Mordkommandos, die mit der systematischen Erschießung von Juden begannen. Ein gigantisches Mordprojekt.

Über dessen "effektivste" Umsetzung, Zuständigkeiten und Zusammenarbeit verschiedener Ämter, Ministerien und Behörden sprachen am 20. Januar 1942 die 15 Männer in der Berliner Villa am Wannsee.   

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Beitragslänge:
50 min
Datum:

Welche Personen aus dem NS-Regime haben sich besprochen?

Auf der Wannsee-Konferenz waren die großen Namen des NS-Regimes nicht vertreten, sondern vor allem Männer aus der zweiten Reihe: Hohe Beamte aus den Ministerien, Vertreter von SS und Polizei, der Besatzungsverwaltung und der Partei. Insgesamt 15 Männer kamen zusammen.

Bekanntester Teilnehmer neben seinem Chef Reinhard Heydrich war Adolf Eichmann, bei der Konferenz für das Protokoll zuständig. Eichmann leitete die Abteilung "Juden- und Räumungsangelegenheiten" in der SS-Zentrale, dem Reichssicherheitshauptamt, und war für die Deportationen von jüdischen Menschen verantwortlich.

Unter den weiteren Teilnehmern waren mehrere Staatssekretäre verschiedener Ministerien, deshalb wird die Wannsee-Konferenz gelegentlich auch als "Staatssekretärssitzung" bezeichnet. Staatssekretäre veranlassen und setzen um, was an höherer Stelle entschieden wurde. Das galt auch hier.

Entgegen einer noch immer weit verbreiteten Fehlannahme wurde die als "Endlösung" bezeichnete Ermordung der europäischen Juden nicht auf der Wannsee-Konferenz beschlossen.  

Was wurde auf der Wannsee-Konferenz besprochen?

Zentrales Thema der Wannsee-Konferenz war der planmäßige Massenmord an den europäischen Juden - insgesamt elf Millionen Menschen. In der Sitzung ging es zum einen um die technische Umsetzung des geplanten Massenmords, zum anderen um die Zuständigkeiten der einzelnen Behörden und Ministerien und die Koordination der Zusammenarbeit.

Im Unterschied zu anderen Genoziden der Geschichte ging es hier um die kategorische Vernichtung einer ganzen Gruppe von Menschen - nicht aus politischen oder materiellen Gründen, sondern aufgrund eines hasserfüllten Rassenwahns, der Leben in "wert" und "unwert" teilte.

Für eine Dokumentation ist Margot Friedländer in die Villa am Wannsee gekommen, wo vor 80 Jahren die Konferenz stattfand, die auch für sie schicksalhaft wurde.

Beitragslänge:
44 min
Datum:

Was hatte das für Auswirkungen?

Zum Zeitpunkt der Wannsee-Konferenz war der Völkermord bereits im Gange. Jetzt sollte der Massenmord systematisch vorangetrieben werden. Manche Historiker beschreiben die Wannsee-Konferenz auch als "Moment des Übergangs vom Massenmord zum Genozid".

Um das Morden "effektiver" zu machen, wurde nach neuen Methoden gesucht. Seit September 1941 fanden in Auschwitz erste Experimente mit dem hochgiftigen Schädlingsbekämpfungsmittel "Zyklon B" statt. Gaswagen waren seit Dezember 1941 in Chelmno im Einsatz; hier wurden mindestens 152.000 Menschen, vor allem Juden sowie Sinti und Roma, mit Motorabgasen vergiftet. Im von Deutschen besetzten Polen wurden von der SS Vernichtungslager errichtet; Belzec war das erste davon.

Wie ging es nach der Besprechung am Wannsee weiter?

Noch im Januar 1942 trug Adolf Eichmann, Leiter des sogenannten "Judenreferats" im Reichssicherheitshauptamt, in einem Schreiben allen Dienststellen im Deutschen Reich auf, die seit Herbst 1941 laufenden Deportationen von Juden fortzusetzen - die "Endlösung" habe nun begonnen. Kurze Zeit später wurden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau die Gaskammern errichtet. Allein hier ermordete die SS über eine Million Menschen.

Insgesamt wurden bis Kriegsende in den Vernichtungslagern und bei Massakern über sechs Millionen Juden ermordet.

hitler, adolf - bei seiner rede am tag der arbeit auf dem flughafen berlin-tempelhof 1935

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