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Wem gehört das Nilwasser?

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Streit um Staudamm in Äthiopien - Wem gehört das Nilwasser?

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Über das "Recht auf Wasser" streiten sich die Länder am Nil schon seit Jahrzehnten. Nun flammt der Streit wieder auf, weil Äthiopien den größten Staudamm Afrikas in Betrieb nimmt.

Satellitenbild des Nil-Staudamms in Äthiopien
Der umstrittene Nil-Staudamm in Äthiopien ist fertig gestellt und wird seit kurzem geflutet.
Quelle: reuters

Auf Satellitenbildern ist deutlich zu sehen, wie sich das Nilwasser im Becken hinter dem Grand Ethiopian Renaissance Staudamm füllt. "Wir haben das erste Auffüllen des Damms erfolgreich abgeschlossen, ohne andere zu stören oder zu verletzen", teilte Regierungschef Abiy Ahmed am vergangenen Mittwoch mit.

Keine offizielle Einigung mit Nachbarländern

Das Ziel des Mega-Staudamms: Strom für mehr als 65 Millionen Menschen im Land zu generieren, die bisher keinen Zugang zur Energieversorgung haben. Dazu Stromexport in die Nachbarländer. Wasser für die Landwirtschaft hat das regenreiche Äthiopien genug. Der Damm ist ein Symbol für das aufstrebende Land, das seine Zukunft und Entwicklung selbst in die Hand nimmt.

Karte: Grand Ethiopian Renaissance Damm
Vor allem die Länder im Norden Äthiopien fürchten negative Auswirkungen des Staudamms.
Quelle: ZDFheute

Doch noch hat sich Äthiopien nicht offiziell mit den Ländern flussabwärts - Sudan und Ägypten - über die Wassernutzung geeinigt. Diese Staaten befürchten, dass bei ihnen in Zukunft weniger Wasser ankommt und sie gerade in Dürrezeiten von Äthiopien abhängig und erpressbar werden.

Menschenrecht auf Wasser besteht seit 2010

Vor zehn Jahren, am 28. Juli 2010, beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen, den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht anzuerkennen. Ein großer symbolischer Akt, der allerdings rechtlich nicht bindend ist. Trotzdem macht das Menschenrecht auf Wasser klar, wie wichtig internationale Absprachen über die gemeinsame Nutzung von Flüssen sind.

Weil die Bevölkerung in Ägypten - und damit deren Wasser- und Lebensmittelbedarf - beständig wächst, befürchten die Ägypter, dass der Staudamm in Äthiopien ihre Probleme verschärft. In Ägypten herrscht schon jetzt Wasserknappheit; der Nil deckt bis zu 95 Prozent der Wasserversorgung des regenarmen Landes.

Strom versus Wasser: Äthiopien will mehr von dem einen, Ägypten und Sudan brauchen das andere. Im Zentrum des Konflikts: der Nil.

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Ägyptische Landwirtschaft könnte unter Stausee leiden

Äthiopien wollte den Stausee ursprünglich bis 2025 mit Nilwasser auffüllen. Das würde bedeuten, dass Ägypten in den kommenden Jahren mit 22 Prozent weniger Wasser und einem Verlust von 18 Prozent seiner Ackerflächen rechnen müsste.

Dazu käme ein sinkender Grundwasserspiegel und die zunehmende Versalzung des Nildeltas durch eindringendes Meerwasser. Mehr als zwei Millionen ägyptische Bauern könnten darunter leiden. Ägypten will deshalb erreichen, dass die Auffüllphase über einen möglichst langen Zeitraum gestreckt wird.

Staudamm bringt auch Vorteile

Für manche Gebiete flussabwärts birgt der Damm aber auch Vorteile. Die Menschen im Sudan werden durch den Damm von einer konstanten Wasserversorgung profitieren, die besonders die angrenzende Region vor extremen Überschwemmungen schützt. Dazu kommt in Zukunft der günstige Strom.

Archiv: Grand Ethiopian Renaissance Damm, Satellitenbild.
Archiv: Grand Ethiopian Renaissance Damm, Satellitenbild.
Quelle: dpa

Außerdem hält der Damm Sedimente auf, wodurch sich die bestehenden Kraftwerke im Sudan und auch in Ägypten weniger abnutzen. Und da das Klima in Äthiopien kühler ist als bei den großen Stauseen in Ägypten, wird insgesamt weniger Nilwasser verdunsten. Doch die Angst ist und bleibt groß, dass Äthiopien - zumindest theoretisch - Sudan und Ägypten das Wasser abdrehen könnte.

Internationale Vermittlungsversuche

Aktuelle Vermittlungsversuche der USA und des UN-Sicherheitsrates sind gescheitert. Noch vor wenigen Wochen äußerte der ägyptische Präsident, dass er alle Mittel in Betracht ziehe, um die Wassersicherheit Ägyptens zu sichern. Andere Politiker des Landes riefen dezidiert dazu auf, das Militär einzusetzen.

Doch nun steht wohl eine Einigung mit Hilfe von Vermittlern der Afrikanischen Union kurz bevor. Man habe eine gemeinsame Vision, verlautbarten die Regierungschefs der drei Länder nach einen Online-Gipfel am vergangenen Dienstag. Jetzt geht es um die Details, damit nicht nur das Recht auf Wasser, sondern auch die friedliche Koexistenz am Nil in Zukunft gesichert ist.

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