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Militärkonflikt in Tigray - Hunderte Tote nach Massaker in Äthiopien

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Zahlreiche Zivilisten sollen in der äthiopischen Region Tigray getötet worden sein. Die EU warnt vor einer humanitären Katastrophe. Die Stabilität der ganzen Region ist in Gefahr.

Milizen aus der Region Amhara an der Grenze zu Tigray
Milizen aus der Region Amhara an der Grenze zu Tigray.
Quelle: Reuters

Im Konflikt in der Region Tigray, im Norden von Äthiopien, sollen nach Angaben von Amnesty International zahlreiche Zivilisten getötet worden sein.

Es handle sich um "Dutzende" und "wahrscheinlich Hunderte" Menschen, die einem "Massaker" in der Stadt Mai-Kadra im Südwesten von Tigray zum Opfer gefallen sind, teilte die Menschenrechtsorganisation mit und beruft sich auf Augenzeugenberichte, Fotos und Videos.

Tigray im Konflikt mit Regierung von Abiy

Laut Augenzeugen soll der Überfall von Verbänden verübt worden sein, die mit der Regierungspartei in Tigray, der Volksbefreiungsfront TPLF, verbündet sind.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet forderte am Freitag in Genf, Berichte über Massenmorde in der Stadt Mai-Kadra umfassend aufzuklären. "Ein langwieriger interner Konflikt wird sowohl Tigray als auch Äthiopien insgesamt verheerenden Schaden zufügen und Jahre lebenswichtigen Entwicklungsfortschritts zunichte machen", warnte sie.

Regierungschef von Äthiopien hatte Militäreinsatz gestartet

Der äthiopische Regierungschef und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed hatte am Mittwoch vergangener Woche den Militäreinsatz gegen die TPLF gestartet. Abiy erklärte am Dienstag, ein Ende des Armeeeinsatzes sei "in Reichweite". Seither erzielten die Truppen der Zentralregierung nach Angaben des Ministerpräsidenten weitere Geländegewinne.

Wenig ist über die Lage vor Ort bekannt, da Internet und Telefonverbindungen unterbrochen und laut UN-Flüchtlingshilfswerk die Straßen blockiert und die Stromversorgung gekappt sind.

Äthiopien ernennt neuen Regierungschef

Das äthiopische Parlament hat am Freitag einen neuen Regierungschef in der abtrünnigen Region Tigray ernannt. Die Entscheidung kam einen Tag nachdem das Parlament den bisherigen Präsidenten von Tigray, Debretsion Gebremichael, abgesetzt hatte. Gebremichael war im September gewählt worden und ist Chef der Tigray Volksbefreiungsfront TPLF.

Die Zentralregierung in Addis Abeba hatte die Wahl Gebremichaels allerdings nicht anerkannt, was nun zu einem militärischen Konflikt geführt hat. Die Regierungstruppen setzten ihre Offensive in der Region fort.

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EU warnt vor humanitärer Katastrophe

Schon vor der Krise seien rund drei Millionen Menschen in Tigray und 15 Millionen Menschen im gesamten Land auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, sagte der EU-Kommissar für Krisenmanagement, Janez Lenarcic, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag.

Die militärische Eskalation in Äthiopien bedroht die Stabilität des ganzen Landes und der Region.
Janez Lenarcic, EU-Kommissar für Krisenmanagement

In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und Lenarcic, sofortige Deeskalation sei notwendig. Alle Parteien sollten Zurückhaltung üben und ihre Aufrufe zur Vermeidung der Aufstachelung zu Hass und Gewalt bekräftigen.

Vereinte Nationen fordern Zugang für humanitäre Hilfe

Die Vereinten Nationen appellierten an die Regierung in Addis Abeba, einen "sofortigen und ungehinderten" Zugang für humanitäre Hilfe in Tigray zu ermöglichen. Nach UN-Schätzung sind bereits mehr als 11.000 Menschen in den benachbarten Sudan geflüchtet. Zuvor hatten auch bereits internationale Helfer vor einer humanitären Katastrophe gewarnt.

Tigray ist von allen Nachschubwegen abgeschottet.
Matthias Späth, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Äthiopien gegenüber dpa

Nach Späth gebe es in der Region im Norden Äthiopiens ohnehin mindestens 600.000 chronisch mangelernährte Menschen. Diese seien wie die restliche Bevölkerung nun für Helfer nicht erreichbar. Man könne nur mutmaßen, wo die schweren Kämpfe stattfänden und wo Hilfskorridore eingerichtet werden könnten, sagte Späth.

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