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Vor AfD-Parteitag : Chrupalla-Konkurrenz: Wer führt bald die AfD?

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Seit Jörg Meuthen entnervt hinschmiss, führt Tino Chrupalla die AfD alleine - und wenig erfolgreich. Welche Gegenkandidaten wollen ihn auf dem Parteitag herausfordern?

Archiv: Das Rednerpult steht in Dresdener Messehalle beim Bundesparteitag der AfD.
Chrupalla, Kleinwächter oder doch Höcke? Wer führt künftig die Alternative für Deutschland?
Quelle: dpa

Die fetten Jahre sind vorbei, dieses Gefühl über den Zustand ihrer Partei macht sich seit Monaten unter AfD-Politikern breit. In Hintergrundgesprächen wird wehmütig an die Zeit des Aufbruchs, des Wachstums und der Erfolge erinnert. Doch aus Sieges- sind längst Niederlagen-Serien geworden:

  • Bei den letzten zehn Wahlen in Ländern und im Bund fuhr die Partei Verluste ein.
  • In Schleswig-Holstein flog sie gar aus dem Landtag.
  • Die Mitgliederzahlen sind rückläufig.

Der Parteitag in eineinhalb Wochen in Riesa soll die Wende bringen, ein Aufbruchssignal sein. Der wegen des desolaten Zustands der Partei angezählte Parteichef Tino Chrupalla will wieder antreten. Entweder in einer Einzelspitze - sollte die AfD ihre Satzung entsprechend ändern - oder wohl zusammen mit Co-Fraktionschefin Alice Weidel.

Wer gegen Chrupalla antritt

Nun steht fest: Chrupalla wird Gegenkandidaten bekommen. Norbert Kleinwächter, stellvertretender Fraktionsvorsitzende im Bundestag, erklärte am Dienstag gegenüber ZDFheute seine Kandidatur:

Die AfD befindet sich in einer Krise, in einer Kommunikations- wie auch einer Identitätskrise und ich glaube, dass die AfD mit einem personellen, inhaltlichen, stilistischen und kommunikativen Neuanfang starten muss. Deshalb stehe ich zur Verfügung.
Norbert Kleinwächter, Kandidat für AfD-Vorsitz
Norbert Kleinwächter (AfD) während einer Sitzung des Deutschen Bundestags
Auch den Brandenburger Abgeordneten Norbert Kleinwächter zieht es an die Spitze der AfD.
Quelle: imago/Christian Spicker

Kleinwächter fordert einen "Neuanfang auch an der Spitze - mit neuen Gesichtern, die neue Inhalte bringen, eine neue Sprache bringen, einen neuen Stil bringen, eine freundliche Kommunikation mit der Öffentlichkeit."

Kino-Film: Kleinwächter und das N-Wort

Dass der Brandenburger auf dem Parteitag eine Mehrheit hinter sich bringt, gilt als unwahrscheinlich. Er sei nicht einmal als Ersatzdelegierter gewählt worden, lästerte die Chefin seines eigenen Landesverbandes, Birgit Bessin, vor einigen Tagen.

Kleinwächter gibt sich als für AfD-Verhältnisse eher gemäßigt. In einer Langzeitdoku über vier AfD-Parlamentarier, die derzeit im Kino läuft, erlebt man ihn als engagierten, sich selbst inszenierenden Parlamentarier. Es finden sich aber auch Szenen, in denen Kleinwächter Rassismus toleriert.

Etwa, als beim Fußballschauen mit Parteifreunden eine rote Karte für den Nationalspieler Jerome Boateng mit "Abschieben"-Rufen kommentiert wird und Kleinwächter nicht einschreitet, sondern grinst und darüber Witze macht, man könne rote Karten künftig Geflüchteten an der Grenze hinhalten. In dieser Szenerie fällt dann auch das N-Wort - das aber will er damals nicht gehört haben, behauptet Kleinwächter nun gegenüber ZDFheute. Sonst hätte er eingegriffen, sagt er. Rassismus liege ihm fern.

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Der Vize-Chef des russischen Parlaments sucht engere Beziehungen zum deutschen Bundestag. In einem brisanten Schreiben wurde ein AfD-Abgeordneter nun für ein Treffen angefragt.

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Nicolaus Fest: Beleidigung eines Verstorbenen

Kleinwächter ist nicht der einzige Neue, der nun seinen Hut für den Parteivorsitz in den Ring wirft. Am Montag hatte der AfD-Europaabgeordnete Nicolaus Fest in einem Facebook-Video erklärt, dass auch er Vorsitzender werden möchte. "Die Partei ist in keinem guten Zustand", erklärt der zwischenzeitliche Berliner Landeschef.

Nicolaus Fest (AfD) im Plenarsaal des Europäischen Parlaments
Er will an die AfD-Spitze: Europapolitiker Nicolaus Fest
Quelle: imago/Future Image

Und weiter: "Wir brauchen einen Vorstand, der alle Seiten einbindet. Und wir brauchen Sprecher, die das auch leben. (...) Ohne Kleinkrieg, ohne Überheblichkeiten oder Herabwürdigung."

Ohne Herabwürdigung? Das sagt ausgerechnet der AfD-Politiker, der jüngst zweifelhafte Berühmtheit über Deutschlands Grenzen hinweg erlangte, als er wenige Stunden nach dem Tod von EU-Parlamentspräsident David Sassoli in einer WhatsApp-Gruppe an Fraktionskollegen schrieb: "Endlich ist dieses Drecksschwein weg." 

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Eine Landtagswahl nach der anderen vergeigt, in Umfragen inzwischen oft einstellig - die AfD strauchelt. Nicht aber Alice Weidel. Die läuft sich nun nach ZDF-Informationen warm.

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Was ist mit Björn Höcke?

Auch der Thüringer Landesvorsitzende und Rechtsaußen Björn Höcke hatte eine Kandidatur mit ihm als Einzelspitze ins Spiel gebracht. Ob er tatsächlich antritt, ist aber kaum zu erwarten, denn eine Höcke-AfD würde besonders Wähler im Westen abschrecken. Das wissen auch die Delegierten.

Stattdessen könnte er sich mit einem neuen Posten Einfluss sichern wollen. Im Antragsbuch für den Parteitag findet sich unter TOP-6 der Plan für eine "Parteistrukturreform". Darin vorgesehen ist ein Leiter, der den Bundesvorstand enger an Parteitagsbeschlüsse binden soll - das dürfte der Basis gefallen - und auch die Nachwuchsentwicklung verantwortet.

Höcke werden Ambitionen dafür nachgesagt - und der Posten würde auch gut zu ihm passen: Unter Anhängern der Parteijugend wird der ehemalige Sportlehrer mitunter frenetisch gefeiert. Zudem hätte er so Einfluss auf die Bundespartei, ohne im Vorstand zu sitzen.

Chrupalla gibt sich gelassen

AfD-Chef Tino Chrupalla gibt sich gegenüber ZDFheute gelassen, was seine Herausforderer betrifft:

Jedes Mitglied unserer Partei darf sich um ein Vorstandsamt bewerben. Die Entscheidung darüber treffen die Delegierten auf dem Bundesparteitag in Riesa.
Tino Chrupalla, AfD-Bundessprecher

Der Sachse weiß, dass es am Ende wahrscheinlich wieder reicht. Mit Alice Weidel zusammen oder vielleicht doch in einer Einzelspitze.

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