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Rassistische Tweets - AfD könnte neuen Chef ihrer Jugend rauswerfen

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Noch keine zwei Wochen ist Marvin Neumann Chef der AfD-Jugend, nun droht sein Ausschluss aus der Partei. Es geht um rassistische Tweets. ZDFheute liegt ein internes Gutachten vor.

Marvin Neumann am 17.04.2021 in Volkmarsen
Marvin Neumann beim Parteitag in Volkmarsen: Frisch gewählt, bald raus?
Quelle: Imago

Der neue Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation, Marvin Neumann, ist noch ganz frisch im Amt. Doch ein internes Gutachten der Mutterpartei empfiehlt, ihn aus der Partei rauszuwerfen - es liegt ZDFheute vor. Als erstes hatte die Junge Freiheit darüber berichtet.

In dem fünfseitigen Papier wird der AfD empfohlen, dass Neumann als JA-Chef zurück- und aus der AfD austreten solle. Vorsorglich solle ein Parteiausschluss eingeleitet und ihm sollten sofort seine Mitgliedsrechte entzogen werden. Ob der AfD-Bundesvorstand dem nachkommt, entscheidet sich an diesem Freitag.

Das Gutachten stammt von der parteiinternen Arbeitsgruppe Verfassungsschutz. Dort sind Tweets von Neumann aufgelistet, die aus ihrer Sicht "Wasser auf die Mühlen des Verfassungsschutzes" sind. Man sei "fassungslos".

AfD-Jugend in Volkmarsen

Bundeskongress der AfD-Jugend - Junge Alternative: Neue Chefs, alte Probleme 

Der AfD-Nachwuchs hat ein neues Führungsduo gewählt: einer aus dem Westen, einer aus dem Osten. Manche hoffen nun auf Erneuerung, doch die Altlasten sind groß.

von Julia Klaus, Volkmarsen

Rassismus und Behauptung "weißer Vorherrschaft"

Neumann hatte in den aufgeführten Tweets mehrfach unterstellt, dass schwarze Menschen keine Deutschen sein könnten - dass also das Aussehen über die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft entscheide. Am 2. Dezember 2020 twitterte er: "Andere weiße Europäer bzw. ihre Nachfahren könn(t)en Deutsche werden, Schwarzafrikaner aber nicht."

Am 30. März 2021 schrieb er: "Wenn die europäische Zivilisation sich nicht selbst zerstören will, nur um die Komplexe einer degenerierten Oberschicht in den Medienhäusern, Unis und Konzernen zu befrieden, muss früher oder später auch mal in aller Schärfe gesagt werden: 'Weiße Vorherrschaft' ist okay."

Im Dezember 2020 schrieb er von einer "ethnischen Komponente" des deutschen Volkes und davon, dass die "Mehrheitsgesellschaft ethnisch autochthon" sein solle - und ergänzte später: "Doch der Kern dessen muss das Eigene sein; die Blutsbande, die Familie."

Neumann zeigt einen biologistisch geprägten Rassismus. Statt mit "unterschiedlichen Kulturkreisen" zu argumentieren, um bestimmte Menschen auszugrenzen - einer beliebten Strategie der "Neuen Rechten" - geht es bei Neumann oft um Aussehen und Abstammung.

Marvin Neumann
Marvin Neumann, frisch gewählt zum JA-Vorsitzenden: Ihm droht der Rauswurf.
Quelle: netzseite.jungealternative.online

Neumann hatte sich schon auf Parteitag extrem geäußert

Wusste die Junge Alternative nicht, wen sie da wählte? Das ist unwahrscheinlich - selbst wenn nicht jedes der anwesenden Parteitagsmitglieder, die ihn in Volkmarsen mehrheitlich gewählt haben, seine Tweets kannte. Denn in seiner Vorstellungsrede bescheinigte er dem Land "Massenmigration als Normalzustand, Weißen-feindlicher Rassismus, Tech-Konzerne, die bestimmen, was gesagt werden darf und gedacht werden soll. 72 oder noch mehr Geschlechter, Kinder-Dragqueens."

Später sagte er: "Wenn unsere bloße Existenz in unserem eigenen Heimatland zu einem weißen Privileg erklärt wird, dann erkennen wir, dass es mittlerweile ums Ganze geht."

Er spielte auch auf den AfD-Wahlslogan für die Bundestagswahl an: "Deutschland. aber normal", als er sagte: "Was wir einfordern: Familie aus Mutter, Vater, Kindern, sichere Grenzen, echte Meinungsfreiheit, all diese Dinge (...) sind die Norm. Das ist normal. Wir vertreten gänzliche Normalität."

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3 min
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Neumann gibt sich gern intellektuell

Neumann bezeichnete sich in Volkmarsen als "Chef-Ideologe" aus Brandenburg und gibt sich gern intellektuell. Laut eigenen Angaben ist er seit 2014 in der JA und seit 2013 in der AfD. Er ist im Landesvorstand der JA in Brandenburg aktiv. Sein Twitter-Profil hat er mittlerweile gelöscht.

Vor knapp zwei Wochen war er auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative gewählt worden. Als Doppelspitze mit dem - für AfD-Verhältnisse - als gemäßigter geltenden Carlo Clemens wollten sie die JA in ruhigere Fahrwasser bringen. Die AfD-Jugend wird vom Verfassungsschutz als "Verdachtsfall" geführt, sie darf beobachtet werden. Die AG Verfassungsschutz fürchtet in ihrem Gutachten, dass die Causa Neumann zu einer Hochstufung als "erwiesen extremistisch" führen könnte.

Auch der Mutterpartei selbst kann ihr radikaler Nachwuchs beim Gerichtsstreit mit dem Verfassungsschutz schaden. Das Bundesamt hatte die gesamte AfD als "Verdachtsfall" eingestuft, muss nun aber warten, bis eine Gerichtsentscheidung gefallen ist.

Die Parteispitze wollte sich gegenüber ZDFheute zu den Vorwürfen nicht offiziell äußern. Parteichef Tino Chrupalla, der im Bundesvorstand für die JA zuständig ist und auch als Gastredner in Volkmarsen aufgetreten war, gibt sich schmallippig: "Der Bundesvorstand wird darüber morgen in einer Telko beraten."

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