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Afghanische Ortskräfte : Warum Bundeswehr-Helfer um ihr Leben fürchten

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Bei ihrem Abzug im Sommer hinterlässt die Bundeswehr rund 300 Ortskräfte. Manche von ihnen, auch ehemalige Mitarbeiter, fürchten um ihr Leben. Für die Taliban sind sie Verräter.

Abdul Wahed Sadat (r.) mit Soldaten in Afghanistan, im Hintergrund sind Helikopter zu sehen,
Abdul Wahed Sadat (r.) mit Soldaten in Afghanistan.
Quelle: Katrin Eigendorf/ ZDF

Abdul Wahed Sadat verlässt sein Haus im Zentrum von Mazar i Sharif nur noch selten, seine Frau Malika und die drei Kinder lässt der Familienvater gar nicht mehr heraus. "Seitdem ich weiß, dass die deutschen Soldaten in zwei Monaten mit ihrem Abzug beginnen, habe ich Angst. Ich gehe nicht mehr zu meinen Verwandten und Freunden, die Kinder gehen nicht mehr in die Schule."

Der 34-Jährige war sieben Jahre lang Dolmetscher bei der Bundeswehr, bis 2013 sein Vertrag mit der ISAF Mission endete. Schon damals hatte er sich wie viele Ortskräfte darum bemüht, aus Afghanistan nach Deutschland zu kommen, ohne Erfolg. Nun möchte er noch einmal auf seine Geschichte aufmerksam machen, vielleicht auch, weil es in seinen Augen die letzte Chance ist.

Bedrohung für alle, die Ausländer unterstützt haben

Dass die deutsche Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp Karrenbauer erklärt hat, Deutschland werde für die Sicherheit bedrohter afghanischer Ortskräfte Sorge tragen, hat Hoffnungen geweckt. Auch Jawaid Sultani möchte sein Land so schnell wie möglich verlassen.

Immer wieder erhalte er Drohungen, erzählt der 30-Jährige, der bis 2018 als sogenannter Sprachvermittler für die Bundeswehr gearbeitet hat. "Bis jetzt hatte ich Glück, ich bin noch am Leben, aber wenn die deutschen Truppen gehen, dann gibt es für mich keine Chance, dann werden sie alle töten, die Ausländer unterstützt haben."

Vermittler zwischen Truppen und Afghanen

Die Sorgen, die sich viele Afghanen machen, die in den letzten 20 Jahren für die Nato und ihre Verbündeten gearbeitet haben, sind berechtigt. Zwar sind die Fahrer, Köche und Dolmetscher nicht das erste Ziel der Aufständischen, aber in den Augen der Taliban sind sie Unterstützer einer illegalen Besatzungsmacht von Ungläubigen. Jawaid Sultani erklärt:

Für die waren wir als Dolmetscher eine Brücke zwischen den Truppen und dem afghanischen Volk, deshalb sind wir am meisten bedroht.
Jawaid Sultani, Übersetzer

Unzählige Photos hat Abdul Wahed auf seinem Laptop gespeichert, Erinnerungen an eine Zeit, die für den deutschen Einsatz in Afghanistan zur schwierigsten gehörte. "Ich war überall, auch im Kampfgebiet war ich im Einsatz. Ich war viel mehr als nur ein Übersetzer, ich war auch Vermittler zwischen den Afghanen und den deutschen Soldaten, die oft nicht viel wussten über unsere Kultur und die Menschen, ich habe sie auch mit Informationen versorgt."

Angst vor den Taliban

Auch Wahed spricht von Drohungen, er hat nicht nur Angst vor den Taliban, sondern auch vor neidischen Nachbarn, für die er ein reicher Mann sei. "Ich habe Angst, dass meine Kinder gekidnapped werden." Nicht nur Abdul Wahed und Jawaid sehen die Zukunft ihres Landes düster.

Sie führen Krieg im Namen des Islam. Afghanistans Taliban sind zurück - 20 Jahre nach ihrer Entmachtung durch die USA und ihre Verbündeten. Ein ZDF-Team hat die Kämpfer begleitet - eine lebensgefährliche Mission.

Beitragslänge:
16 min
Datum:

Schon jetzt kontrollieren die Taliban mehr als die Hälfte des Landes, gewinnen immer mehr an Macht und Einfluss. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind den Aufständischen ohne internationale Unterstützung nicht gewachsen. Das macht vor allem den Afghanen Angst, die sich in den vergangenen 20 Jahren für Wandel eingesetzt haben.

Soldaten in Afghanistan
Bei ihrem Abzug im Sommer hinterlässt die Bundeswehr rund 300 Ortskräfte.
Quelle: Katrin Eigendorf/ ZDF

Afghanistan: Demokratie und Frieden?

Nicht nur ihre Freiheit - auch ihre Sicherheit ist bedroht. "Wir dachten, die internationalen Truppen bringen Demokratie und Frieden. Das Ergebnis ist das Gegenteil. Deshalb möchten wir, dass Deutschland uns in Sicherheit bringt", sagt Jawaid Sultani. Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht einfach sorglos alle hinter sich lassen.

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