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Abzug aus Afghanistan : Die Nato hinterlässt ein Land am Abgrund

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Die Taliban haben die Teilnahme an Friedensgesprächen aufgekündigt. Mit dem Nato-Abzug verliert die afghanische Regierung das wichtigste Druckmittel: militärische Stärke.

US-Soldaten gehen außerhalb ihrer Basis in der Provinz Uruzgan (Afghanistan) am 07.07.2017
US-Soldaten in Afghanistan (Archivfoto)
Quelle: Reuters

US-Präsident Joe Biden will ein Kapitel in der Geschichte abschließen: Amerika beendet nach 20 Jahren seinen längsten und kostspieligsten Krieg.

Der Zeitpunkt - für die USA ideal gewählt mit einem symbolträchtigen Datum, dem 11. September - könnte für Afghanistan nicht schlechter sein. Denn die innerafghanischen Gespräche zwischen Regierung und Taliban sind bislang ohne Ergebnis verlaufen, es vergeht kein Tag ohne Terroranschläge. Die Aufständischen kontrollieren fast die Hälfte des Landes, haben in vielen Regionen längst Schattenregime errichtet.

Experte: Ziele in Afghanistan nicht erreicht

Was bleibt nach zwei Jahrzehnten, welches Land hinterlassen die 10.000 Soldatinnen und Soldaten nach ihrem Abzug? Trotz des Wandels, der nach der Entmachtung der Taliban 2001 begann, trotz Demokratisierung und Fortschritten, von denen vor allem die Frauen profitieren konnten, ist Afghanistan heute immer noch eines der ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt.

Doch ohne internationale Unterstützung könnte sich die Situation weiter verschlechtern - ein Dilemma, vor dem Experten in Afghanistan und auch in den USA in den vergangenen Wochen immer wieder gewarnt haben.

So analysiert Abdul Subhan Misbah: "Die Ziele, die die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan verfolgt haben, sind nicht erfüllt: den Terrorismus zu bekämpfen, Sicherheit zu schaffen, gute Regierungsführung und Rechtssicherheit, Menschenrechte und der Kampf gegen Drogen."

Die USA haben diese Ziele nicht erreicht, die Situation ist schlimmer denn je. Afghanistan ist nicht in einem Zustand, in dem die USA einfach abziehen können.
Abdul Subhan Misbah, Politikanalyst

Taliban fordern Komplettabzug schon bis Anfang Mai

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani gibt sich dennoch optimistisch, dass seine Regierung die Sicherheit im Land auch ohne ausländische militärische Unterstützung garantieren könne.

Die Taliban dagegen haben ihre wichtigste Forderung erreicht: Dass alle Ausländer Afghanistan verlassen. Doch sie dringen darauf, dass dies - wie mit Bidens Vorgänger, Donald Trump, im vergangenen Jahr vereinbart - bis zum 1. Mai geschehen müsse.

Kate Clark vom Afghanistan Analyst Network rechnet nicht damit, dass die Taliban einlenken werden.

Die Führung der Taliban hat bislang kein Anzeichen dafür gegeben, dass sie Frieden wollen, aber viele Anzeichen deuten darauf, dass sie ihren Weg zur Macht mit Krieg erreichen wollen.
Kate Clark, Afghanistan Analyst Network

Düsteres Szenario eines Bürgerkrieges

Ähnlich wie Clark befürchtet auch Analyst Misbah, dass Afghanistan nun in einen Bürgerkrieg abgleiten könnte. "Solange die USA im Land sind, werden Afghanen nicht wagen, gegeneinander zu kämpfen. Die internationalen Truppen bilden die Barriere für einen Bürgerkrieg. Es ist notwendig, dass sie bleiben, um momentan einen Bürgerkrieg zu verhindern."

Afghanistans Taliban sind zurück - 20 Jahre nach ihrer Entmachtung durch die USA und ihre Verbündeten.

Beitragslänge:
16 min
Datum:

In ihrem Abkommen mit den Taliban, das der frühere US-Präsident Trump im Februar vergangenen Jahres abgeschlossen hatte, hatten die USA ihren geplanten Abzug an Bedingungen geknüpft: Die Aufständischen sollten Gespräche mit der Regierung führen, auf Terroranschläge verzichten und dafür sorgen, dass Afghanistan kein Rückzugsgebiet für Terrorgruppen wie Al-Kaida ist. Forderungen, die nur halbherzig umgesetzt wurden.

Lage für Hilfsorganisationen in Afghanistan wird unsicherer

"Ein Friedensprozess braucht Zeit, diese Zeit hätten die USA und ihre Verbündeten Afghanistan geben müssen", kritisiert Analyst Misbah.

Ohne den Druck der Nato sind die Taliban jetzt im Vorteil - das könnte zu einem Bürgerkrieg führen und den Preis zahlt dann die afghanische Bevölkerung.
Abdul Subhan Misbah, Politikanalyst

Zwar sichern die USA und auch Deutschland Afghanistan weiterhin zivile Hilfen zu. Doch auch die internationalen Hilfsorganisationen, von denen viele seit 20 Jahren im Land sind, stehen jetzt vor der Entscheidung, ob sie ohne den Schutz der Nato-Truppen weiter arbeiten können.

Trümmer nach einem Autobombenanschlag in Afghanistan.

Nachrichten | Thema - Afghanistan 

Die USA und ihre Verbündeten haben nach 20 Jahren Krieg ihr Militär aus Afghanistan abgezogen. Die radikal-islamischen Taliban haben das Land zurückerobert. ...

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