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Nach dem Abzug der US-Truppen : Wie steht es um Afghanistan?

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Die US-Truppen sind abgezogen. In welcher Situation die USA Afghanistan zurücklassen, welche Gruppen um Einfluss kämpfen und wie es jetzt weitergehen könnte - ein Überblick.

Eines kann US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando führte, am Montagabend mit Sicherheit sagen: "Jeder US-Soldat ist jetzt aus Afghanistan raus." Es ist kurz nach Mitternacht in Kabul. Die Taliban feiern das Ende eines 20-jährigen Militäreinsatzes. Die USA haben sich an die Deadline gehalten. Pünktlich zum 31. August sind sie raus. Sie lassen ein Land zurück, in dem das Schicksal vieler noch ungewiss ist. Und viele Akteure um Einfluss ringen. Ein Überblick.

Flüchtlinge

Etwa 120.000 Menschen haben die USA und ihre Verbündeten in den vergangenen Tagen aus Kabul evakuiert. So die Angaben des Weißen Hauses. Zehntausende aber sind immer noch in Afghanistan: Übersetzer*innen, Berater*innen, Mitarbeitende der US-Botschaft und des Militärs.

Die "New York Times" veröffentlichte eine Statistik mit Zahlen des Verteidigungsministeriums. Demnach sind mindestens 200.000 Afghanen und Afghaninnen noch im Land, die Anrecht auf ein Visum in den USA hätten. Es könnten noch viel mehr sein, je nachdem, wie man rechnet.

Sie sollen auch jetzt noch ausreisen dürfen. In einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von mehr als 20 Staaten, darunter die Vereinigten Staaten und Deutschland, heißt es: Man habe von den Taliban Zusicherungen erhalten, dass "alle ausländischen Staatsangehörigen und alle afghanischen Staatsbürger mit einer Reisegenehmigung aus unseren Ländern sicher und geordnet zu Abflugorten sowie aus dem Land reisen dürfen."

Der UN-Sicherheitsrat erhöht den Druck mit einer entsprechenden Resolution. Darin heißt es, der Sicherheitsrat "erwartet, dass die Taliban diese und alle anderen Verpflichtungen einhalten". Ob die Taliban sich daran halten - das wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

In Van an der türkisch-iranischen Grenze betreibt die Türkei ein Abschiebezentrum. Man könne und werde keine weiteren Geflüchteten mehr aufnehmen.

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Taliban

Die radikal-islamistischen Taliban sind nun wieder an der Macht. Vor fast 20 Jahren hatten die USA ihre Herrschaft beendet, als sie in Afghanistan einmarschiert sind. Eine Schreckensherrschaft mit öffentlichen Hinrichtungen, in der Musik und Fernsehen verboten waren und Frauen unterdrückt wurden.

Das soll jetzt anders werden. Zumindest präsentieren sich die Taliban moderner, weltoffener, gesprächsbereiter. Ob das Regime an der Macht bleibt, sei nun auch davon abhängig, wie brutal es gegen seine Bürger*innen vorgehe, sagt Vanda Felbab-Brown, Expertin für nicht-staatliche Akteure am Brookings Institute in Washington DC.

Aber die größte Bedrohung für die Taliban ist ihre eigene Spaltung. Wenn es nicht gelingt, den Zusammenhalt zwischen den sehr unterschiedlichen Fraktionen und verschiedenen Kommandanten aufrechtzuerhalten.
Vanda Felbab-Brown

In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die Taliban-Kämpfer auf gemeinsame Feinde einigen können: Die USA, ihre Verbündeten und die afghanische Regierung. Jetzt, wo die Feinde besiegt sind, müssten alte und neue Führungsfiguren verschiedene Interessen unter einen Hut bringen, so Felbab-Brown. Etwa, wie streng sie in der Auslegung der Scharia sind, aber auch, wie sehr sie sich nach außen öffnen wollen.

Terrorgruppen

Eine weitere Bewährungsprobe für die Taliban-Herrschaft: Die beiden Terrorgruppen im Land. Wie sehr sie an Bedeutung gewinnen, könnte auch darüber entscheiden, ob die USA erneut Truppen nach Afghanistan schicken.

Die US-Regierung beteuert zwar, man könne den Terror-Kampf auch aus der Ferne führen. Wie das aussehen kann, zeigten zwei Drohnenangriffe auf IS-Kämpfer in den vergangenen Tagen. Ob das aber reicht, um die Gruppe aus Afghanistan zu verdrängen, stellen Beobachter*innen schon jetzt in Frage.

Wir werden wieder reingehen müssen, um den IS zu kriegen. Und auch wenn sich Al-Kaida in Afghanistan wieder formiert - und das werden sie - wir können ein Schlachtfeld verlassen, aber nicht den Krieg gegen den Terrorismus.
Leon Panetta, ehemaliger US-Verteidigungsminister

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat Khorasan" (IS-K) hat laut Vereinten Nationen mehrere tausend Mitglieder. Am vergangenen Donnerstag bewies dieser afghanische Ableger des IS auf tragische Weise, was er anrichten kann. Bis zu 170 Menschen wurden bei einem Anschlag am Kabuler Flughafen getötet.

"Die Angriffe sind eine direkte Herausforderung an die Taliban. IS-K will damit zeigen, dass sie stark sind und die Taliban nicht in der Lage, Ordnung in afghanischen Städten zu schaffen, die sie der internationalen Gemeinschaft versprechen."

Auch Al Kaida-Kämpfer halten sich nach wie vor in Afghanistan auf. Terrorismus-Expert*innen gehen von einigen hundert aus. "Viele sind in Taliban-Familien untergekommen", sagt Felbab-Brown.

Widerstand

Die Taliban hatten Afghanistan Anfang August innerhalb weniger Tage überrannt. Die afghanischen Streitkräfte kapitulierten. Auch lokale Milizen konnten oder wollten nichts ausrichten.

Die afghanische Regierung hatte große Hoffnung, dass diese Milizen sich den Taliban entgegenstellen würden. Aber sie wurden entweder sehr schnell besiegt oder ergaben sich, wie die afghanischen Streitkräfte.
Vanda Felbab-Brown

Eine Gruppe aber hält den Taliban Stand. Etwa 70 Kilometer entfernt von Kabul kämpft im Pandschirtal Ahmad Massoud, der Sohn eines in Afghanistan berühmten Widerstandskämpfers. Massouds Aufstand hat dementsprechend Symbolkraft. Ausrichten kann er aber nichts, glaubt Felbab-Brown.

Der Widerstand um den Vater von Ahmed Massoud war erfolgreich, weil er Verbindungen nach Zentralasien hatte. Er bekam Unterstützung aus Russland, Indien, China. Jetzt sind Massouds Streitkräfte im Pandschirtal gefangen, ohne Versorgung und umzingelt von Taliban.
Vanda Felbab-Brown

Russland, China und auch der Iran hätten sich mit den Taliban abgefunden, sagt Felbab-Brown. Zumindest, solange sie Afghanistan nicht wieder zu einer Brutstätte internationaler Terrorgruppen werden lassen.

Ahmad Massud spricht im Pandschirtal zu Unterstützern

Machtübernahme der Taliban - Afghanistan: Widerstand im Pandschir-Tal 

Der Sohn eines bekannten Widerstandskämpfers und Ex-Vizepräsident Saleh wollen sich den Taliban entgegenstellen. Ausgang: ungewiss.

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