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Anschlag am Flughafen Kabul - Was will der Islamische Staat in Afghanistan?

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Der Islamische Staat hat sich zum Anschlag am Flughafen Kabul bekannt. Selbst mit den Taliban ist er verfeindet. Bald könnte er einen neuen Bürgerkrieg in Afghanistan auslösen.

Bei dem Doppelanschlag am Flughafen werden mindestens 60 Afghaninnen und Afghanen getötet, unter den Opfern sind auch Amerikaner. Die Bundeswehr beendet ihren Militäreinsatz. Am Abend landete der letzte Evakuierungsflieger in Taschkent.

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Der "Islamische Staat in der Provinz Khorasan" (IS-K) hat die Verantwortung für den Anschlag am Flughafen Kabul mit mindestens 60 Toten übernommen. Was hat es mit der Terrormiliz auf sich und welche Ziele verfolgt sie?

Was hat die Gruppe mit dem Islamischen Staat zu tun?

Bereits der Name der Gruppe verrät viel über ihren Hintergrund. Beim Islamischen Staat denkt man zunächst an die terroristische Gruppierung, die nach 2003 im Irak und später in Syrien aktiv war und die 2014 kurzzeitig ein Kalifat ausrief. Auf ihrem Höhepunkt gründeten sich in der ganzen islamischen Welt Ableger.

Dazu gehört auch der IS-K. Die Gruppe entstand im Januar 2015 nach mehreren Treffen zwischen IS-Vertretern aus dem Irak und früheren Vertretern der pakistanischen Taliban. Khorasan wiederum ist der Name für ein Gebiet, das Afghanistan und Teile seiner Nachbarländer umfasst.

Die Terror-Infrastruktur des IS und seine finanziellen Ressourcen wurden durch das Ende des Kalifats deutlich geschwächt. Was der IS allerdings bis heute betreibt, sind Propaganda-Netzwerke. Darunter ist auch die Nachrichtenagentur "Amaq", über die das Bekennerschreiben zum Anschlag verbreitet wurde.

"Was wir befürchten müssen, sind bürgerkriegsähnliche Zustände", sagt die Ethnologin Susanne Schröter über die Zukunft von Afghanistan.

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Wie ist das Verhältnis zwischen Islamischem Staat und Taliban?

Taliban und IS-K bekämpfen sich seit Jahren. Die Ethnologin Susanne Schröter sagte dem ZDF:

Seit langem sind IS-Ableger auch in Afghanistan tätig. Sie konkurrieren mit den Taliban um Deutungshoheit, um Macht, um Einfluss.
Prof. Susanne Schröter, Ethnologin

Schahab al-Muhadschir, seit Mai 2020 Emir des IS-K, hatte eine Kampagne von Terroranschlägen in Großstädten gegen die Taliban und "ihre US-Gebieter" angekündigt, erklärt der Terrorismusforscher Abdul Sayed, der seit Jahren zu Islamismus in Pakistan und Afghanistan arbeitet.

Sie haben einen neuen langen Krieg gegen die Taliban geplant. Sie sahen voraus, dass die Taliban in Folge des Abkommens mit den USA bald die Macht in Kabul übernehmen würden.
Abdul Sayed, Terrorismusforscher

Zuletzt sei es dem IS-K vermehrt gelungen, Splittergruppen anderer Terrororganisationen, etwa des Haqqani Netzwerks, in sich aufzunehmen, schreibt Sayed auf Twitter. Die Taliban und ihre Unterstützer sind kein einheitlicher Block, rivalisierende Gruppen können das ausnutzen.

Warum kämpft der IS gegen andere Islamisten?

Mehrere Faktoren können den Hass des Islamischen Staates auf die Taliban erklären. Da ist zunächst das Doha-Abkommen mit den USA. Jegliche politische Kooperation mit den Besatzern kann den Taliban als Verrat ausgelegt werden.

Zwar streben die Taliban eine Regierung nach radikal-islamistischen Grundsätzen an, zu den IS-Dschihadisten bestehen aber wichtige theologische Differenzen.

Die Taliban sind eine islamistische Organisation, aber sie sind eben auch eine paschtunische Stammesmiliz. Sie wollen einen Gottesstaat, aber eben einen Gottesstaat für die Paschtunen. (...) Der IS sieht sich als globales Weltreich.
Professor Peter Neumann, King's College, im ZDF

IS-K-Anhänger glaubten, dass das Töten von Taliban eine höhere religiöse Pflicht sei, als das von US-Bürgern, betont Sayed.

Wie in Syrien und Irak verfolgt der Islamische Staat in Afghanistan eine Strategie des Takfirismus – das heißt, andere Muslime als "vom Glauben abgefallen" zu brandmarken. Zivilisten sind für sie legitime Ziele. Insbesondere für muslimische Minderheiten wie die schiitischen Hazara ist der IS-K darum eine vielleicht noch größere Bedrohung als die Taliban.

Terrorismusexperte Peter Neumann vom King's College London ist nicht sicher, ob die Taliban das Land überhaupt kontrollieren können. Der Abzug des Westens habe ein Vakuum geschaffen, das es Gruppen wie dem so genannten IS ermögliche, die Kontrolle zu …

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Wie geht es jetzt weiter?

In den vergangenen Jahren gingen US-Streitkräfte massiv gegen den IS-K vor. Das hielt die Gruppe im Zaum. In den Provinzen Kunar und Nangarhar verloren sie wichtige Rückzugsräume.

Ohne internationale Truppenpräsenz könnte der IS erneut Gebiete übernehmen. Allein in den ersten vier Monaten 2021 zählte die UN-Mission in Afghanistan bereits 77 Angriffe des IS. Ein Bericht des UN-Sicherheitsrates ging im Juni von mehreren Tausend IS-Kämpfern in verschiedenen Landesteilen aus. Sie würden weitgehend autonom voneinander agieren.

Ob die Taliban die Fähigkeiten haben, gegen diese Terrorzellen vorzugehen, ist unklar. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der IS vertrieben wird", sagte die Ethnologin Schröter. Im schlimmsten Fall könnte der Islamische Staat einen neuen afghanischen Bürgerkrieg auslösen, der nochmal deutlich mehr zivile Opfer fordert als der bisherige Konflikt.

Transportflugzeuge vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe stehen auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover.

Afghanistan-Mission beendet - Bundeswehr bringt Soldaten nach Hause 

Nach dem Ende der deutschen Luftbrücke sind alle Soldaten auf dem Heimweg. Die Einsatzkräfte werden am Nachmittag in Wunstorf empfangen. Damit ist der Kabul-Einsatz ist beendet.

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