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Bundeswehr-Helfer in Afghanistan - Warten auf Merkels Charterflüge

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Die Taliban rücken in Afghanistan vor. Mittlerweile sind 1.363 frühere Helfer der Bundeswehr und ihre Familien ausgereist, 1.000 warten noch. Mehr Tempo, fordern Unterstützer.

Afghanistan, Masar-i-Scharif: Das Handout der Bundeswehr zeigt Soldatenn auf dem Weg zum letzten A400M, der vom Feldlager in Masar-i-Scharif Richtung Deutschland fliegt. Archivbild
Afghanistan, Masar-i-Scharif: Die Bundeswehr ist seit Ende Juni abgezogen. Doch ihre Helfer und deren Familien sind noch vor Ort und werden von den Taliban bedroht. Archivbild
Quelle: dpa

1.363 sind mittlerweile ausgereist. Gut 1.000 Menschen warten immer noch. Was ihnen fehlt, ist ein Visum, um aus Afghanistan nach Deutschland zu reisen. Sie oder einer aus ihrer Familie arbeiteten einst für die Bundeswehr in Afghanistan. Seitdem die Nato-Truppen das Land verlassen haben und die Taliban wieder vorrücken, sind sie mit dem Leben bedroht.

"Ich verstehe nicht, warum wir nicht schneller helfen", sagt Marcus Grotian vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. "Es werden Menschen ihr Leben verlieren, weil sie kein Visum haben."

Charterflüge? Erst für "spätere Phase"

Denn was ihnen neben dem Visum auch oft fehlt: das Geld für die Reise nach Deutschland für sich und ihre Familie. Die Abfindung, die sie von der Bundeswehr bekommen haben, reicht dafür oft nicht aus. Flugtickets zahlt die Bundesregierung aber nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vorige Woche "eine möglichst pragmatische Lösung" zugesichert und von Charterflügen gesprochen, die eingesetzt werden könnten, um die Menschen rausholen. "Der Flug wird nicht daran scheitern, wenn man das Geld nicht hat, darum werden wir uns kümmern", sagte Merkel am 22. Juli.

Sie trauen weder der Regierung noch dem Militär, und schon gar nicht den Taliban. Viele Afghanen sind derzeit auf dem Weg über den Iran in die Türkei, wollen weiter in den Westen. Für die Türkei sind die Flüchtlinge auch ein innenpolitisches Problem.

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Zwar versichert auch eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes an diesem Montag:

Es soll am Geld nicht scheitern.
Auswärtiges Amt

Wenn es Bedarf gebe, sei man bereit. Das Bundesinnenministerium sieht diesen aber noch nicht. Wer jetzt ein Visum habe, könne "auf Linienflügen einreisen. Die Planung von Charterflügen ist etwas für eine spätere Phase", so ein Sprecher.

Unterstützer: 2.000 Visa zusätzlich nötig

Das Auswärtige Amt sagt, man komme mit der Erteilung der Visa "gut voran". Derzeit läuft allerdings alles über Kabul. Das Büro der Internationalen Organisation für Migration (IOM), das die Visaverfahren vor Ort abwickelt, arbeitet in Masar-i-Scharif noch gar nicht. Dort war das Hauptstützpunkt der Bundeswehr. "Wenn die Lage es zulässt", so die Sprecherin, werde es auch dort die Arbeit aufnehmen. Bislang bleibt den Menschen nur, irgendwie per Telefon oder Mail ihr Hilfsgesuch anzumelden.

Das Patenschaftsnetzwerk geht davon aus, dass zu den 2.400 weitere 2.000 Menschen nach Deutschland kommen müssten. Denn nicht nur diejenigen, die direkt bei der Bundeswehr angestellten Helfer sind gefährdet, sondern auch diejenigen, die über örtliche Dienstleister im Camp gearbeitet hatten.

Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet bei einem Besuch in Polen. Für Armin Laschet gilt der Grundsatz: "Null Toleranz gegenüber Kriminellen".

Trotz Taliban-Gefahr - Laschet für Abschiebungen nach Afghanistan 

Nach Innenminister Seehofer plädiert auch CDU-Chef Armin Laschet dafür, Straftäter weiter nach Afghanistan abzuschieben. Kritik kommt von SPD-Chef Walter-Borjans, Grüne und Linke.

Selbst bei denjenigen, die kommen dürften, habe das Visaverfahren noch nicht einmal angefangen. "Wir haben nicht noch einmal vier Monate Zeit", warnt Grotian. Von den Ortskräften höre er, wenn sie überhaupt noch Kontakt haben, dass die Lage für sie immer schwieriger würde. Auch am Rand von Kabul rückten die radikal-islamischen Taliban langsam vor:

Ich habe große Sorge und Unverständnis, dass eins der reichsten Länder der Welt seine Leute nicht schützen kann.
Marcus Grotian

Andere Länder, wie die Niederlande etwa, seien da viel schneller.

Neue Kämpfe im Süden und Westen Afghanistans

Grotian ist selbst Bundeswehrsoldat und war in Kunduz stationiert. Das Patenschaftsnetzwerk hat sich gegründet, um die ehemaligen Ortskräfte der Bundeswehr zu unterstützen. Sie sammeln Spenden, um die Fahrt nach Deutschland zu finanzieren oder den Start in Deutschland zu erleichtern. Wegen der schleppenden Ausreise wurde ein sogenanntes Safe house mit Bunkern und bewaffneten Wachen organisiert, damit die Menschen dort in Sicherheit das Ende ihres Visaverfahren abwarten können.

"Sie leisteten in den Augen der Taliban einen Beitrag für die Fremdherrschaft", so der Politikwissenschaftler Markus Kaim zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. "Damit sind sie ein wahrscheinliches Ziel von Gewalt".

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Ende Juni ist die Bundeswehr aus Afghanistan abgezogen, die US-Truppen wollen bis Ende August das Land verlassen. Seit dem Rückzug der Nato-Truppen sind die Taliban wieder auf dem Vormarsch. Mittlerweile kontrollieren sie etwa mehr als ein Drittel der Bezirke des Landes, mehrere Städte sind bedroht. Kämpfe mit Regierungstruppen werden aus Herat im Westen, Kandahar und Laschkar Gah im Süden gemeldet.

"Es gab unablässig Schusswechsel, Luftangriffe und Granatenbeschuss", berichtet am Montag Sarah Leahy, von Ärzte ohne Grenzen in Helmand. "Häuser werden bombardiert und viele Menschen schwer verletzt."

Folge auch für andere Auslandseinsätze?

Zusagen, sagt Grotian, dass den Helfer der Bundeswehr und ihren Familien schnell und unbürokratisch geholfen werden solle, habe er schon oft gehört. Von Bundeskanzlerin Merkel, von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. "Ich höre das seit Monaten", sagt Grotian. Die Zusage werde nicht eingehalten:

Das ist ein ganz großer moralischer und strategischer Fehler.
Marcus Grotian

Die Bundeswehr sei auch an anderen Orten im Ausland auf Ortskräfte angewiesen. "In Mali hat man auch Handys."

Trümmer nach einem Autobombenanschlag in Afghanistan.

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