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Bundeswehr in Afghanistan - Hohes Risiko für einen gescheiterten Einsatz

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Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wird verlängert und birgt Risiken, dabei gilt das Engagement schon lange als gescheitert.

Archiv: Soldaten der Bundeswehr am 10.05.2013 im Feldlager in Kundus.
Die NATO vertagt die Entscheidung über das Ende des Afghanistan-Einsatzes.
Quelle: dpa

Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr wird bis Ende Januar 2022 verlängert. Das hatte das Bundeskabinett am 24. Februar beschlossen. Gestern warb Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer im Bundestag für die Unterstützung der Abgeordneten, die noch in diesem Monat darüber abstimmen. Im Rahmen der NATO-Mission "Resolute Support" befinden sich bis heute rund 1.100 Bundeswehrsoldat*innen am Standort Mazar-e Sharif.

Im dortigen Ausbildungszentrum werden afghanische Sicherheitskräfte von der Bundeswehr trainiert. Deutschland beteiligt sich seit Anfang 2015 an der Mission, nachdem der bisherige ISAF-Einsatz ausgelaufen war.

Sie führen Krieg im Namen des Islam. Afghanistans Taliban sind zurück - 20 Jahre nach ihrer Entmachtung durch die USA und ihre Verbündeten. Ein ZDF-Team hat die Kämpfer begleitet - eine lebensgefährliche Mission.

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Letztes Jahr hatte der ehemalige US-Präsident Trump mit den Taliban vereinbart, seine Truppen und die der NATO-Bündnispartner bis zum 1. Mai 2021 abzuziehen. Das Abkommen mit den Taliban war jedoch an den Rückgang der Gewalt geknüpft, was Präsident Biden nun überprüfen lässt. Bisher verlaufen die Friedensverhandlungen mit den Taliban nicht erfolgversprechend, die Gewalt der Terrorgruppe eskaliert.

Afghanistan-Krieg beginnt mit 9/11

Der Krieg hatte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mit der US-amerikanischen Operation "Enduring Freedom" begonnen. Was folgte, ist der längste Auslandseinsatz einer westlichen Militärkoalition seit 1945.

Das Regime der Taliban galt damals voreilig als besiegt. Heute, zwanzig Jahre später, sind sie zurück und kontrollieren fast die Hälfte des afghanischen Staatsgebietes, ein sogenanntes "islamisches Emirat".

Terroranschläge und Gewalt gegen die von ihnen als "Marionettenregierung" verhöhnten Staatskräfte haben drastisch zugenommen. Nun drohen die Taliban sogar offen mit Krieg, sollten die NATO-Truppen nicht bis Ende April dieses Jahres abgezogen sein.

Archiv: Taliban-Kämpfer am 08.08.2013 in Afghanistan

Die Rückkehr der Taliban - "Es herrscht blanke Angst in Afghanistan" 

Deutschland plant seine Mission in Afghanistan bis Ende des Jahres zu verlängern - doch jetzt drohen die Taliban mit Krieg, wenn nicht alle NATO-Truppen bis Mai abziehen.

von Katrin Eigendorf

"Deutlich erhöhte Gefährdungslage" für Bundeswehr

Die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes birgt also ernsthafte Risiken für deutsche Soldaten, die auch im Mandatstext der Bundesregierung klar genannt werden: Sie geht "für den Fall des möglichen Verbleibs" von einer "deutlich erhöhten Gefährdungslage für die deutschen Soldatinnen und Soldaten aus."

Gleichzeitig muss Deutschland seiner Bündnisverpflichtung innerhalb der NATO nachkommen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer betonte darum vor einigen Tagen bei ihrem spontanen Besuch im deutschen Ausbildungslager Mazar-e Sharif, der Schutz der eigenen Truppen habe "eine sehr hohe Priorität".

In Fachkreisen gilt der Afghanistan-Einsatz schon lange als gescheitert. Bereits vor elf Jahren stellte der Politikwissenschaftler Herfried Münkler fest:

Niemals wurde so viel in den Wiederaufbau eines zerfallenen Staates investiert und zugleich ein so unbefriedigendes Ergebnis erzielt.
Herfried Münkler, Politikwissenschaftler

Afghanistan: Mehr als 100.000 zivile Opfer in zehn Jahren

Mindestens 15 Milliarden gab die Bundesrepublik seit 2001 für den Einsatz aus. Laut dem UN-Sonderbeauftragten Yamamoto forderte der Konflikt allein in den letzten zehn Jahren mehr als 100.000 zivile Opfer.

Die Gründe für das Scheitern in Afghanistan sind vielfältig. Mit den Taliban sah man sich mit neuen Herausforderungen der asymmetrischen Kriegsführung konfrontiert: Ihre besseren Ortskenntnisse, hohe Beweglichkeit und Guerilla-Taktik machten sie zu einem schwer bezwingbaren Gegner.

Ein Großteil der Bevölkerung teilt das Streben der Taliban nach Selbstbestimmung und unterstützt ihren Widerstand gegen die ausländische "Besatzung".

Die Zeit spielt den Taliban in die Hände

Zwar hat die NATO-Mission durchaus ein paar Erfolge zu verzeichnen, wie etwa verbesserte Trinkwasser- und Stromversorgung oder erhöhte Bildungschancen für Mädchen.

In den letzten Jahren sieht man vor allem in Kabul eine neue Generation selbstbewusster Frauen. Sie wollen alles dafür tun, dass die Taliban nicht zurückkommen.

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Doch ein Großteil der Probleme blieb bestehen oder verschlechterte sich sogar: So hat etwa die Opiumproduktion in Afghanistan erst 2017 neue Rekordhöhen erreicht.

Die größte Asymmetrie aber ist die Zeit. Jeder Tag kostet die NATO Geld und potenziell Menschenleben. Darum spielt die Dauer des Konflikts den Taliban in die Hände. Passend zum arabischen Sprichwort, auf das sie sich gern beziehen: "Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit." Und davon haben sie wahrlich genug: Die Zeit ist ihre wirksamste Waffe, die der Westen lange unterschätzt hat.

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