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Interview

Helfer in Afghanistan - "Alle haben fürchterliche Todesangst"

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Entwicklungshelferin Suzana Lipovac kritisiert, dass unklar ist, wer zur Ausreise berechtigt ist. "Alle fühlen sich bedroht", sagt sie. Und diese Angst könne bald Realität werden.

Entwicklungshelferin Suzana Lipovac im ZDF Morgenmagazin.

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5 min
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Suzana Lipovac, Gründerin der Hilfsorganisation KinderBerg, bekommt zurzeit "unfassbar viele Anrufe" - von Menschen in Afghanistan, die evakuiert werden wollen. "Niemand ist direkt körperlich bedroht, aber alle wissen, wie das Regime der Taliban war und haben fürchterliche Todesangst", sagt Lipovac. Auch Menschen in Deutschland riefen sie an, weil sie wollen, dass jemand mit Familie evakuiert wird. "Das Problem ist, wir wissen nicht, wer berechtigt ist", sagt sie.

Körperliche Gewalt habe bisher niemand erfahren, aber die psychische Unsicherheit sei sehr groß, darüber was kommen wird und unter den Taliban wieder möglich sein könnte. Sie sagt:

Die Menschen fürchten, wenn die Flieger erstmal nicht mehr fliegen, dass dann diese Angst auch Realität wird.
Suzana Lipovac, Entwicklungshelferin

Auch der Bus kann bis zur Grenze fahren

In den vergangenen 20 Jahren habe sie mit 700 Menschen in Afghanistan zusammengearbeitet - mit den jeweiligen Familien mache das 3.000 bis 4.000 Menschen allein für ihre Organisation - noch eine der kleinsten in Afghanistan. "Solange wir nicht wissen, wer ausreisen darf, können wir nicht sagen: geh zum Flughafen", sagt sie. Denn der sei gefährlich - gerade wenn man dort tagelang ausharre, vielleicht noch mit kleinen Kindern.

Vom Krisengipfel der G7 erwartet sie, dass geklärt wird, wer ausreisen darf und wer vor Ort gelassen wird. "Wer gehört zu den Helfern, die gefährdet sind?", fragt sie. Dabei dürfe es nicht darum gehen, wer welchen Pass hat - sondern sich vor Ort "für unsere Werte eingesetzt" habe und jetzt in Gefahr sei. "Und es kann nicht sein, dass es nur um den Flughafen geht", kritisiert sie. Man könne auch mit dem Bus aus Kabul ausreisen - zum Beispiel an die pakistanische Grenze, um dann von Islamabad aus zu fliegen.

Dramatische humanitäre Lage in Afghanistan

Hinzu komme, dass die Lebensmittelknappheit im Land zunehme. Im Nordosten Afghanistans, den die Taliban schon länger besetzt halten, sind die Banken geschlossen, keine Gehälter werden ausgezahlt. "Der Afghani wird immer weniger wert, Lebensmittel immer teurer, weil zu wenige da sind", erzählt sie. Und gerade im Nordosten stehe der Winter vor der Tür.

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Taliban viel organisierter als früher

Jeder, der in Afghanistan im ländlichen Raum gearbeitet habe - auch ihre Organisation - habe mit den Taliban reden und wissen müssen, was man von ihnen erwarten kann. Sie geht nicht davon aus, dass sich Menschen grundsätzlich ändern, aber das Potential haben, sich zu entwickeln - auffallend sei, dass die Taliban viel organisierter geworden seien.

"Alle Regierungsbeamten in Kabul wurden aufgefordert, zur Arbeit zu kommen", berichtet sie. Sie seien der Aufforderung gefolgt, hätten aber den Schlüssel von den Taliban abgenommen bekommen und seien wieder nach Hause geschickt worden. "Die Taliban waren landesweit nie so durchorganisiert", warnt sie.

Entwicklungsminister Gerd Müller während einer Rede im Bundestag.

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