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Evakuierung in Afghanistan - Warum nur sieben Menschen ausgeflogen wurden

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Der erste Rettungsflug der Bundeswehr ist aus Kabul gestartet. An Bord waren nur sieben Personen. Warum konnte Deutschland nicht mehr Menschen ausfliegen?

Während die Bundeswehr versucht, deutsche Staatsbürger aus Afghanistan zu retten, wird die Kritik an den zu späten Evakuierungen lauter, auch aus Reihen ehemaliger Bundeswehr-Leute

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Die Bundeswehr hat mit der Evakuierung in Afghanistan begonnen. In der Nacht ist eine Maschine der Bundeswehr vom Flughafen Kabul aus gestartet. Das Auswärtige Amt hat dem ZDF bestätigt, dass an Bord der Maschine sieben Menschen waren. Nur sieben Menschen.

Grund dafür: Chaotische Umstände am Flughafen Kabul. Laut Auswärtigem Amt (AA) hat es am Zugangspunkt zum Flughafen Kabul Schusswechsel gegeben. "Eine Aufnahme von Personen, die sich am zivilen Teil des Flughafens aufhielten, wurde von den Partnern, die die Sicherheitsverantwortung am Flughafen ausüben, nicht ermöglicht", heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

Im Klartext: US-Soldaten, die den Flughafen Kabul sichern, haben laut AA kaum jemanden zur deutschen Maschine durchgelassen. Anders war es bei einer US-Maschine, die zuvor hunderte Menschen ausfliegen konnte. Hier hat der Zugang zur Maschine offenbar funktioniert.

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Deutsche Maschine nicht auf zivilem Teil des Flughafens

Ein Problem ist auch: Viele Menschen halten sich auf dem zivilen Teil des Flughafens auf. Die Maschine der Bundeswehr aber konnte diesen Teil des Flughafens nicht erreichen. Und ein Transport von Menschen war laut Auswärtigem Amt aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Die Maschine der Bundeswehr konnte sich wohl nur für kurze Zeit in Kabul aufhalten - laut Beobachtern nur etwa eine halbe Stunde. Das Auswärtige Amt sagt: "Aufgrund der gerade abends äußerst gefährlichen Lage auf den Zufahrtswegen zum Flughafen wäre es ein untragbares Risiko für Leib und Leben der Menschen gewesen, die zu Evakuierenden vor Erteilung der Landeerlaubnis und vor Sicherung des Zugangs durch Bundeswehrkräfte aufzurufen, sich zum Flughafen zu begeben."

Grotian: Taliban bilden Ring um Flughafen

Im ZDF heute journal hatte zuvor Markus Grotian vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte gesagt, die Taliban hätten einen Ring um den Flughafen gebildet. "Selbst wenn Flieger landen könnten, kommen Ortskräfte von außen wahrscheinlich nicht mehr zu den Maschinen." Grotian sagt, es sei unrealistisch, dass viele Menschen jetzt noch aus Afghanistan rauskämen.

Markus Grotian erreichen derzeit 400 bis 500 Nachrichten von Ortskräften in Afghanistan, "denen wir nicht mehr helfen können". Er war selbst als Soldat in Afghanistan und sagt: 80 Prozent von ihnen werden zurückgelassen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag angekündigt, 10.000 Menschen aus Afghanistan retten zu wollen. Sie hatte allerdings ergänzt, auch sie habe die Situation in Afghanistan falsch eingeschätzt. Vieles läge nun nicht mehr "in unserer Hand". Ein deutscher Flieger mit sieben Menschen an Bord scheint dafür ein Beispiel zu sein.

Kritik der Opposition an Deutschlands Vorgehen

Und so kritisiert die Opposition, die Bundesregierung hätte viel früher mit Evakuierungen beginnen müssen. Bereits im Juni hatten die Grünen im Bundestag beantragt, die Gefahrenlage für Ortskräfte in Afghanistan anzuerkennen - also für afghanische Helfer der Bundeswehr. Der Antrag wurde von Union, SPD und AfD abgelehnt.

Aus dem Archiv: Am 23. Juni 2021 fordert die grüne Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg, afghanische Helfer der Bundeswehr in Sicherheit zu bringen.

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Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg sagte ZDFheute, die Bedrohung sei schon seit Monaten bekannt. Die Bundesregierung habe sich aber bewusst gegen eine Evakuierung entschieden. "Die jetzige Situation vor Ort hat die Bundesregierung deshalb mitzuverantworten", so Amtsberg.

Linken-Geschäftsführer Jörg Schindler kritisiert, dass in der Nacht nur sieben Menschen ausgeflogen wurden. "Mir fehlen wirklich die Worte", sagt er. Am Sonntagabend noch hatte eine US-Maschine hunderte Menschen ausgeflogen. Das Bild eines vollbesetzten Fliegers geht zur Stunde um die Welt.

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr - ein Überblick:

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