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Machtübernahme der Taliban - Afghanische Frauen leben in Angst

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Ihr Leben lang hat sich Shafiqa Hassan für Frauenrechte eingesetzt. Was ihr jetzt Afghaninnen aus Herat oder Kabul berichten, bricht ihr das Herz.

Verschleierte Frauen aus Afghanistan
Verschleierte Frauen mit ihren Kindern in Afghanistan
Quelle: reuters

Shafiqa Hassan lehnt an der Kühlerhaube ihres Autos, sie trägt einen Minirock und eine Kurzhaarfrisur. In den 1970er Jahren war das. Das Foto zeigt sie mit ihrem Mann, irgendwo zwischen Kabul und Dschalalabad.

Hassan wurde 1951 in der afghanischen Hauptstadt geboren, war viele Jahre Direktorin einer Mädchenschule, kämpfte für die Rechte von Frauen. Jetzt, fürchtet sie, könnten die Taliban den Frauen wieder all das nehmen, was sie sich in den vergangenen Jahren so mühsam erarbeitet haben.

Frauen in Afghanistan: Shafiqa Hassan (S/W Aufnahme - Archivbild)
Shafiqa Hassan mit ihrem Mann in den 1970ern.
Quelle: Privat

Hassan, die seit 25 Jahren in Hannover lebt, berichtet:

Frauen aus der Provinz Herat haben mich angerufen und erzählt, dass die Taliban ihnen verboten haben, zur Schule oder zur Arbeit zu gehen. Sie sagen auch, dass junge Frauen oder Witwen gezwungen werden, Taliban-Kämpfer zu heiraten.
Shafiqa Hassan

Eine andere Frau habe ihr am Telefon gesagt, dass ihr Kind gerade vor Hunger schreie, weil sie sich nicht traue auf die Straße zu gehen, um Essen zu kaufen – aus Angst vor den Taliban.

Unterdrückung und Zwangsheirat sind laut Frauenrechtsaktivistin Shafiqa Hassan derzeit Alltag in Afghanistan. Die Taliban hätten ihre Ansichten Frauen gegenüber nicht geändert.

Beitragslänge:
2 min
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Spielen die Taliban nur was vor?

Berichte wie diese zeigen ein tiefes Misstrauen den neuen, alten Machthabern Afghanistans gegenüber, die sich in den Medien und vor aller Welt gerade als modern präsentieren. Es stimmt, die Taliban von vor 20 Jahren hätte die Meinung "des Westens" über sie wohl kaum interessiert. Heute zeigen die Taliban vor laufender Kamera Reporterinnen, die Interviews führen "dürfen".

Doch das sei alles nur Show, sagt Shafiqa Hassan. Die Taliban behaupteten zwar, Frauen könnten sich frei bewegen und ihren Aktivitäten nachgehen. Doch das sei nur eine Falle. "Die Taliban wollen diejenigen Frauen erwischen, die bereits für Demokratie, für Bildung, für Frauenrechte gekämpft haben. Wer weiß, was sie dann mit ihnen vorhaben."

Frauen in Afghanistan: Shafiqa Hassan
Shafiqa Hassan heute - im Gespräch mit dem ZDF.
Quelle: ZDF

Menschenrechtsanwältin appelliert

Dass Frauen nicht alle Türen unter den Taliban offen stehen, zeigt die Geschichte von Shabnam Dawran. Die prominente Moderatorin des afghanischen Staatsfernsehens erzählte in einer Videobotschaft, dass sie Arbeitsverbot habe. "Du darfst nicht, geh nach Hause" sei ihr vor der Tür des TV-Senders von Taliban-Soldaten gesagt worden.

Dawran appellierte nun: "Ich bitte die Welt, mir zu helfen. Mein Leben ist in Gefahr!" In Angst leben auch 20 Mädchen des nationalen Robotik-Teams, alle im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren. Ihre Menschenrechtsanwältin Kimberley Motley bat im kanadischen Fernsehen Premier Trudeau inständig, den Mädchen eine Einreiseerlaubnis zu erteilen. Zuvor hatte das Team in Kanada einen Preis für ihre Forschungsarbeit gewonnen. Neun der Mädchen wurden mittlerweile nach Katar ausgeflogen.

Wie es um den Schutz von Frauen und Kindern nach der Machtübernahme der Taliban steht, schildert Entwicklungshelferin Suzana Lipovac in ZDFheute live.

Beitragslänge:
17 min
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Afghanistan einst "modern und progressiv"

Auch Sara Shakeel bricht es das Herz, wenn sie zurzeit Bilder aus Afghanistan sieht. "Viele Menschen meiner Generation wissen heute gar nicht mehr, dass es bereits ein liberales, modernes Afghanistan gab“, sagt die 31-jährige Künstlerin, die dafür bekannt ist, Fotografien mit Glitzerkristallen zu gestalten.

Mein Opa und mein Urgroßvater haben mir immer erzählt, wie modern, wie progressiv Afghanistan war.
Sara Shakeel

Ihre Familie zählt mütterlicherseits zu den Paschtunen. Die Volksgruppe gilt als Begründer und Namensgeber Afghanistans (Anmerkung der Redaktion: Afghane heißt auf Persisch Paschtune).

Forderung nach Selbstbestimmung

Shakeel geht es nicht darum, Freizügigkeit mit modern gleichzusetzen, sondern darum, dass Frauen das tun und lassen können, was sie wollen: "Wenn sie einen Hijab tragen wollen, sollen sie einen Hijab tragen. Wenn nicht, dann nicht", erklärt sie.

Sie ist selbst Muslimin und glaubt nicht daran, dass sich die Taliban geändert haben. "Wenn das der Fall wäre", fragt sie, "warum saßen dann keine Frauen neben den Taliban-Anführern, als diese die Macht übernahmen und sich vor aller Welt präsentierten?"

Elisabeth Schmidt ist Reporterin im Niedersachsen-Landesstudio des ZDF.

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