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NGO in Sorge : Westliche Hilfsgruppen bangen um Ortskräfte

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Wer in Afghanistan für Regierungsorganisation tätig war, kann auf einen Platz in einem Evakuierungsflieger hoffen. Doch auch Hilfsorganisationen haben mit Ortskräften gearbeitet.

Pangea verhalf afghanischen Frauen zu mehr Eigenständigkeit. Nun müssen sich Dutzende Mitarbeiter der italienischen Organisation plötzlich versteckt halten.

Taliban gehen von Tür zu Tür

Berichten zufolge gehen die Taliban auf der Suche nach Personen mit Verbindungen zum Westen von Tür zu Tür. Das Chaos in Afghanistan gefährdet somit nicht nur die Glaubwürdigkeit der Nato-Länder als militärische Partner. Auch für humanitäre Helfer könnte die Arbeit in Krisengebieten schwieriger werden.

Der Pangea-Gründer Luca Lo Presti hat die Streitkräfte seines Heimatlandes Italien gebeten, auch 30 seiner afghanischen Ortskräfte sowie deren Familien mit an Bord von Evakuierungsflügen zu nehmen. Doch seine Bitte wurde abgelehnt. "Heute nicht", antwortete ihm der zuständige Militärkoordinator am Donnerstag.

Mitarbeiter vor Ort in großer Gefahr

Insgesamt haben westliche Staaten seit der Machtübernahme der Taliban bereits etliche Hundert Menschen aus Afghanistan herausgeholt. Die Mehrheit der Geretteten waren allerdings Bürger der jeweiligen Länder oder Afghanen, die unmittelbar in deren Missionen eingebunden waren. Viele Politiker haben versprochen, auch anderen gefährdeten Personen zu helfen - etwa Feministinnen, politischen Aktivisten oder Journalisten. Noch ist aber unklar, wo genau die Linie gezogen wird und in welchem Maße die Taliban die Ausreise von afghanischen Staatsbürgern dulden werden.

Pangea hat in den vergangenen 20 Jahren etwa 70.000 Frauen dabei unterstützt, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Viele konnten einen Friseur- oder Schönheitssalon oder eine Bäckerei eröffnen. Seine Mitarbeiter vor Ort seien nun in großer Gefahr, weil die Ziele seiner Organisation in Widerspruch zu denen der Taliban stünden, sagt Lo Presti von Mailand aus.

Pangea ist ein Feind, weil jeder, der Bewusstsein und Rechte schafft, ein Feind ist. Wir müssen uns jetzt verstecken.
Luca Lo Presti, Pangea-Gründer

Das italienische Außenministerium verkündete am Donnerstag die Landung eines Flugzeugs aus Afghanistan mit 202 Zivilpersonen an Bord. Unter ihnen waren die Aktivistin Sahra Ahmadi und weibliche Forscher der Veronesi-Stiftung. Denen, "die für Italien gearbeitet" hätten und die jetzt bedroht seien, gelte "besondere Aufmerksamkeit", hieß es.

Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, gibt eine Pressekonferenz.

Aufnahme afghanischer Ortskräfte - Müller will Rettungseinsatz ausweiten 

Entwicklungsminister Müller (CSU) hat eine Ausweitung des Rettungseinsatzes in Afghanistan gefordert. Potenziell hätten 1.800 Ortskräfte und Familien Anspruch auf Ausreise.

Die unzähligen Afghanen hingegen, die in den vergangenen Jahren für unabhängige Hilfsgruppen und andere Nichtregierungsorganisationen gearbeitet haben, können zumindest bisher kaum auf Schutz vor den Taliban hoffen. Andere waren zwar für die Nato-Truppen tätig, sind nun aber fern des Flughafens in dem von den Extremisten kontrollierten Land gestrandet. Viele löschen auf ihren Handys Bilder und Kontaktdaten, die ihnen zum Verhängnis werden könnten.

Grotian: "Wir wissen nicht mehr, wie wir ihnen helfen können"

Ein von dem deutschen Soldaten Marcus Grotian geleitetes Netzwerk hatte vor einer Woche seine vermeintlich sicheren Unterkünfte für afghanische Ortskräfte geschlossen. Die "Safe Houses" seien zu Todesfallen geworden, hieß es. Eines der früheren Verstecke hätten die Taliban bereits besucht, sagte Grotian. Zum Glück sei es schon leer gewesen. Inzwischen erhält der deutsche Soldat laut eigenen Angaben täglich 400 bis 500 Anrufe von hilfesuchenden ehemaligen Ortskräften. Aber "wir wissen nicht mehr, wie wir ihnen helfen können", sagt er.

Lo Presti fordert die Einrichtung eines humanitären Korridors zur Rettung von Afghanen, die mit dem Westen zusammengearbeitet haben. Bisher sei er daran gehindert worden, selbst nach Kabul zu reisen, um bei der Identifizierung von Pangea-Mitarbeitern und deren Familien zu helfen, sagt er. Ihm sei bewusst, dass es auch Befürchtungen gebe, dass als Flüchtlinge getarnte Dschihadisten in westliche Länder gelangen könnten. Umso wichtiger sei es, dass jemand von seiner Organisation vor Ort sei, um für diejenigen zu bürgen, die tatsächlich für ihn gearbeitet hätten.

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